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Tidjane Thiam, chief executive officer of Credit Suisse Group AG, poses for a photograph before a Bloomberg Television interview in Zurich, Switzerland, on Wednesday, Oct. 30, 2019.Photographer: Stefan Wermuth/Bloomberg
Quelle: Bloomberg

PersonTidjane Thiam

Begonnen hatte das Jahr noch recht gut für den Ivorer an der Spitze der Credit Suisse: Im Februar konnte Tidjane Thiam erstmals seit seinem Antritt bei der Bank im Jahr 2015 schwarze Zahlen vorweisen und einen Reingewinn von 2,1 Milliarden Franken verkünden. Die von Thiam forcierte Sanierung, bei der er im Lauf der Jahre rund vier Milliarden an Kosten herausnahm, zeigt langsam Früchte. Die Kritik aus dem Lager einzelner US-Stimmrechtsberater an seinem hohen Lohn – er kassierte eine Gesamtvergütung von 12,7 Millionen Franken, was einem Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht – war so gesehen nicht viel mehr als ein Wermutstropfen.

Und dann das: Im Sommer trat die Bank mit der Bespitzelung ihres scheidenden Vermögensverwaltungschefs Iqbal Khan einen Skandal los, der die nationalen und internationalen Medien für Wochen in Atem hielt. Auch wenn es im Untersuchungsbericht der beauftragten Anwaltskanzlei keinen Hinweis darauf gab, dass Thiam selber involviert war, war der Schaden doch angerichtet.

Eine schlechte Falle machte er dann an einer Pressekonferenz Ende Oktober, als er erstmals auch persönlich zum Fall Stellung nahm. Er betonte zwar, er habe nie den Auftrag zur Bespitzelung erteilt und halte die Überwachung von Khan auch für «unangemessen», doch dass er sich im gleichen Atemzug von einem seiner engsten Vertrauten übertrieben deutlich distanzierte, warf ein mehr als nur schlechtes Licht auf seine Persönlichkeit. Pierre-Olivier Bouée, der als einer der Ausgangspunkte der angeordneten Überwachung identifiziert worden war und deshalb seinen Job als COO der Bank räumen musste, war praktisch während Thiams ganzer Karriere als rechte Hand an dessen Seite und ein Intimus, mit dem sich der CEO auch bei der Credit Suisse fast täglich austauschte. Bouée sei «kein Freund», sie hätten «vielleicht einmal zu Mittag gegessen», so Thiam.

Kaum ein Trost ist, dass die Episode die sonst häufig aufgebrachte Kritik an der Performance für eine Weile überdeckte. Dass der Aktienkurs im Keller ist und Thiam bis heute keine überzeugenden Rezepte vorweisen kann, wie er die Bank nach dem Sparprogramm wieder auf Wachstumskurs führen kann, war zumindest für ein paar Wochen nicht mehr das dominante Thema.

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