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Vas Narasimhan
Quelle: Gian Marco Castelberg

PersonVas Narasimhan

Sein Start war hochtourig: Bevor er offiziell am 1. Februar seinen neuen Job antrat, traf Vas Narasimhan (42) gleich auf zwei Präsidenten. Erst sass er beim exklusiven CEO-Dinner beim WEF in Davos am Tisch von Donald Trump, wenige Tage später empfing ihn der französische Staatslenker Emmanuel Macron in Paris. Für einen 41-Jährigen, dessen Eltern aus der ärmlichen südindischen Kleinstadt Tirupati in die USA ausgewandert waren, ein fast märchenhafter Aufstieg – der allerdings bestens fundiert war: Mediziner-Ausbildung in Harvard, Gesundheitsprojekte unter anderem in Botswana und Tansania, Lehrjahre bei McKinsey.

Doch die harten Seiten des Jobs erreichten ihn schnell: Weil sein Vorgänger Joe Jimenez dem Trump-Anwalt Michael Cohen 1,2 Millionen Dollar für wenig fruchtbare Beratungsdienstleistungen gezahlt hatte, geriet Novartis schon bald nach Narasimhans Antritt unter Beschuss. Dass die Details im Zuge von Sex-Anschuldigungen der Pornodarstellerin mit Künstlernamen Stormy Daniels an die Öffentlichkeit drangen, machte die Angelegenheit noch unappetitlicher. Für Narasimhan, der sich in seinen wenigen freien Stunden Weisheitsklassikern wie der hinduistischen «Bhagavad Gita» hingibt, eine besondere Herausforderung: Den angekratzten Ruf der Pharmaindustrie zu verbessern, hatte er bei Amtsantritt als eine seiner wichtigsten Missionen benannt. Der junge Chef griff zum grossen nostra culpa, allerdings nicht ohne zu betonen, dass er von all diesen Vorgängen nichts gewusst habe. Der Rechtschef Felix Ehrat musste gehen.

Die Affäre überdeckte fast die grossen strategischen Entscheide seines ersten Amtsjahres: Ausstieg aus dem Konsumentengeschäft, Abbau von mehr als 2000 Arbeitsplätzen in der Schweiz, Börsengang der Augenmittelsparte Alcon. Dass Narasimhan gross denkt, daran lässt er keinen Zweifel. «Ich will die Welt verändern», sagte er kurz vor Amtsantritt im BILANZ-Porträt. Und dabei trotzdem normal bleiben: Er wohnt in der Basler Innenstadt zur Miete, fährt die Söhne zum Fussball, sitzt im Grossraumbüro und verzichtet auf Krawatte. Seiner Frau, einer erfolgreichen Biologin, machte er den Heiratsantrag auf dem Kilimandscharo. Er pflegt ein sehr enges Verhältnis zu VR-Präsident Jörg Reinhardt, der mit ihm schon vor elf Jahren zusammenarbeitete. Die Frage ist: Kann er sich in dem knüppelharten Geschäft seinen Idealismus bewahren?

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