Eine Haiflosse kreuzt durch das Wasser, der kleine Elliot reicht einem Ausserirdischen seinen Finger, der Soldat James Ryan im blutigen Kriegsgemetzel: Steven Spielberg hat unvergessliche Filmmomente geschaffen. Am 18. Dezember feierte er den 70. Geburtstag.

Der grüblerische Steven Spielberg und sein draufgängerischer «Indiana Jones»-Held Harrison Ford haben einiges gemein. Die ergrauten Hollywood-Stars sind beide über 70 Jahre alt, wenn das fünfte «Indy»-Abenteuer im Sommer 2019 in die Kinos kommt. Und Spielberg, der am 18. Dezember sein rundes Jubiläum gefeiert hat, ist ebenso wie Ford vom Filmgeschäft kein bisschen müde.

«Ich werde bis an mein Lebensende Regie führen», sagte der Oscar-Preisträger im vergangenen Mai beim Filmfest in Cannes. Es sei eine tolle Arbeit voller Freude. «Ich liebe es.» Dort stellte er seine 29. Spielfilm-Regiearbeit vor, den Fantasiefilm «BFG - Big Friendly Giant» über die ungewöhnliche Freundschaft der kleinen Sophie mit einem freundlichen Riesen.

Projektiertes Geschichtsdrama

Ende nächsten Jahres will er das auf einer wahren Geschichte beruhende Historiendrama «The Kidnapping of Edgardo Mortara» auf die Leinwand bringen. Die Geschichte handelt von der Entführung eines sechs Jahre alten jüdischen Jungen in Bologna im Jahr 1858, der seinen Eltern weggenommen und in der katholischen Kirche zum Priester ausgebildet wird. 2018 soll dann der Sci-Fi-Thriller «Ready Player One» über eine virtuelle Online-Welt im Jahr 2044 fertig sein.

«Jaws», «E.T. the Extra-Terrestrial», «War of the Worlds», «Lincoln» - so produktiv, abwechslungsreich und dabei qualitativ verlässlich wie Spielberg ist kein anderer Hollywood-Regisseur. Dabei liess sich der siebenfache Vater bisher noch von seiner Familie bremsen.

Vor fünf Jahren, bei der Weltpremiere von «The Adventures of Tintin» in Paris, sagte er der dpa: «Die grösste Beschränkung kommt bei mir durch die Familie. Die hat bei mir oberste Priorität. Wenn meine Familie mich braucht, kriegen sie von mir so viel Zeit wie sie wollen. Dann müssen die Filme warten.»

Frühe Liebe zum Film

Sein Output könnte noch grösser werden, denn nun ist auch die jüngste Tochter - mit 20 Jahren - aus dem Haus. Seit langem ist Spielberg in zweiter Ehe mit Kate Capshaw verheiratet. Er hatte ihr 1984 die weibliche Hauptrolle in «Indiana Jones And the Temple Of Doom» gegeben.

Seine Liebe zum Film begann früh. «Seit ich zwölf Jahre alt war, habe ich Filme gedreht, damals noch auf Acht Millimeter. Ich wüsste gar nicht, wie ich ohne das Filmemachen existieren sollte», sagte er 2011 der dpa. Der im US-Staat Ohio geborene Sohn einer jüdischen Familie liess sich auch nach zwei Absagen an kalifornischen Filmhochschulen nicht von seinen Hollywood-Ambitionen abbringen

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Der erste Spielfim 1974

Als Regieassistent bei TV-Serien fand er den Einstieg und drehte 1974 seinen ersten Spielfilm, «The Sugarland Express», ein Roadmovie mit Goldie Hawn. Gerade 28 Jahre alt schreckte er mit dem Horror-Streifen «Jaws» Hollywood auf und läutete damit die Ära der «Blockbuster»-Filme ein.

Mit dem Science-Fiction-Thriller «Close Encounters Of the Third Kind» und «Indiana Jones» setzte Spielberg seinen Siegeszug fort. «E.T.» (1982) war der bis dahin kommerziell erfolgreichste Film überhaupt und wurde erst von Spielbergs Dinosaurier-Spektakel «Jurassic Park» und später von der «Titanic» überholt.

Einträglicher Regisseur

Spielberg brachte Milliarden in die Kinokassen, wurde aber als «ewiges Kind» Hollywoods nie ganz ernst genommen. Das änderte sich erst mit dem Drama «The Color Purple» über das Schicksal einer schwarzen Frau in den US-Südstaaten, das mit elf Oscar-Nominierungen bedacht wurde.

Die grosse Wende kam mit dem Holocaust-Drama «Schindler's List». «Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich war, bevor ich nach Polen ging», sagte Spielberg, als er 1994 den Golden Globe und dann zwei Oscars - für Regie und Produktion - erhielt. «Dieser Film hat mein Leben verändert.» Er drehte über Monate hinweg vor den Toren des Konzentrationslagers Auschwitz. Er betrieb Nachforschungen über eigene Verwandte, die im Holocaust getötet worden waren.

(sda/ccr)