Die Angelegenheit ist eine Peinlichkeit sondergleichen für die russische Regierung um Wladimir Putin: Als der russische Anwalt Sergei Magnitsky im Auftrag der englischen Investmentfirma Hermitage Capital Management über den Verbleib von Millionen recherchierte, kam er Beamten auf die Schliche, die umgerechnet über 230 Millionen Dollar illegal für sich abgezweigt hatten. Die Spur führte ins Inneministerium des Kreml, in höchste Sphären.

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Statt den Befunden nachzugehen, steckten die Behörden Rechtsanwalt Magnitsky 2009 in Haft. Dort wurde er brutal behandelt und verstarb im Gefängnis. Daraufhin leitete Hermitage eine umfassende Kampagne ein, liess weiter ermitteln und ging an die Öffentlichkeit. Hermitage machte publik, dass dabei auch Konti bei der Credit Suisse für den Betrug benutzt wurden.

Auf der Webseite «Stoppt die Unberührbaren - Gerechtigkeit für Sergei Magnitsky» informieren die Betroffenen laufend über den Fall - in Russisch und in Englisch.

Der Fall wurde 2011 derart prominent, dass sich selbst Putins enger Gefolgsmann und zwischenzeitlicher Staatspräsident Dmitri Medwedew während einer internationalen Pressekonferenz zum Skandal äussern musste und «rasche Aufklärung» gelobte. Auch dem Schweizer Fernsehen gewährte Medwedew damals eine kurze Audienz.

Schwerste Verbrechen bleiben unsgesühnt

Korruptions-Experten zweifeln aber, ob die russischen Ermittlungen Resultate zeitigen werden. Zu lange blieben - je nach Interessenslage - seit den 90-Jahren auch schwerste Verbrechen ungesühnt. Die russischen Strafverfolgunsbehörden verweigerten wiederholt Informationen. So etwa auch im weltweit ersten Prozess über russische Mafiastrukturen in Genf Ende der 90er-Jahre. 

Nun berichtet die englische Zeitung «The Independent», dass ein Top-Informant, der der Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) einen Fundus an Informationen lieferte, in England vor zwei Wochen tot aufgefunden wurde. Informant Alexander Perepilichnyy verliess Russland vor drei Jahren und fing an, mit verschiedenen Behörden zu kooperieren - unter anderem der BA.

Die Bundesanwaltschaft liess die englische Zeitung wissen, der Tod Perepilichnyys ändere nichts an den Ermittlungen. Man finde laufend weitere Fakten und gehe diesen nach.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft eröffnete im März 2011 eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Geldwäscherei. Später reichte die britische Anwaltskanzlei Brown Rudnick im Namen des Investmentfonds Hermitage Capital Management eine Strafanzeige ein.

Bereits vierter Todesfall

Magnizky war nicht das einzige Opfer in diesem Fall. Die vielen Todesfälle veranlassten daher das EU-Parlament Ende Oktober dazu, eine Resolution anzunehmen, welche die EU-Mitgliedstaaten auffordert, die involvierten russischen Funktionäre auf eine Liste zu setzten.

Perepilichnyy ist der vierte Mensch, der im Zusammenhang mit diesem Geldwäscherei-Fall sein Leben auf ungeklärte Art und Weise verloren hat.