Das chinesische Regime mischt sich womöglich noch stärker in die Tech-Industrie. Die Regierung in Peking wolle die hochprofitable Zahlungs-App AliPay des Fintech-Konzerns Ant Group zerschlagen und eine abgetrennte Plattform für das Kreditgeschäft des Unternehmens schaffen.

Das meldet die «Financial Times» unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Plan sehe zudem vor, dass Ant Nutzerdaten an ein neues Joint-Venture zur Kreditwürdigkeitsprüfung übergeben muss – und dieses sei teilweise in Staatsbesitz.

Auch andere Internet-Kreditanbieter seien von der schärferen Regulierung betroffen, so die FT weiter. «Die Regierung glaubt, dass die Monopolmacht von Bit Tech auf dessen Kontrolle der Daten beruht», zitiert die FT eine Quelle in Peking, die den Regulierungsbehörden nahestehe. «Sie will damit Schluss machen.»

An den asiatischen Börsen sackten die Werte von chinesischen Tech-Konzernen am Montag ab. Denn der Schritt reiht sich ein in eine ganze Serie von Massnahmen, durch die die chinesischen Behörden ihre Aufsicht über viele Branchen verschärfen – von der Technologie bis zur Bildung. Damit soll nach Jahren des rasanten Wachstums die Kontrolle über Wirtschaft und Gesellschaft ausgebaut werden.

«Zu viele Autoproduzenten»

Ins Visier der Regulatoren gerät nun auch die E-Auto-Industrie: China habe in diesem Bereich «zu viele» Produzenten und werde deswegen eine Konsolidierung fördern, sagte Informationsminister Xiao Yaqing am Montag. Er kündigte zudem an, China werde die Infrastruktur der Ladestationen und die Verkäufe von Elektroautos in ländlichen Märkten verbessern. Die Regierung arbeite daran, die Entwicklung von Lösungen zur Behebung der Engpässe beim Angebot von Chips für Kfz zu beschleunigen.

Ant geriet bereits im Herbst vergangenen Jahres ins Visier der Regulierer: Chinas Behörden vereitelten den geplanten Börsengang des Unternehmens und belasteten damit auch den Mutterkonzern Alibaba. Nur zwei Tage vor dem geplanten Debüt an den Börsen in Shanghai und Hongkong bemängelte die Finanzaufsicht bei Alibaba-Gründer Jack Ma, dass wegen veränderter Regularien die Offenlegungspflichten wohl nicht erfüllt würden. Kurz vor der Ziellinie platzte damit der mit mehr als 37 Milliarden Dollar weltgrösste Börsengang von Chinas Branchenführer beim mobilen Zahlungsverkehr.

(AWP, «Reuters», rap)

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