1. Home
  2. Politik
  3. Bundesamt prüft Schweizer Sondermüll-Exporte

Bundesamt prüft Schweizer Sondermüll-Exporte

Schweizer Sondermüll: Schlacke und Überbleibsel der Verbrennung. (Symbolbild: Keystone)

20'000 Tonnen Sondermüll exportiert die Schweiz jährlich in eine Untertagedeponie nach Heilbronn. Nun prüft das Bundesamt für Umwelt den Sicherheitsnachweis der deutschen Anlage – und ein Experte bekl

Veröffentlicht am 02.03.2012

Die Schweiz ist ein Top-Kunde: Jedes Jahr liefert sie rund 20'000 Tonnen Sondermüll in ein ehemaliges Salzbergwerk der UEV Umwelt, Entsorgung und Verwertung GmbH in Heilbronn im Bundesland Baden-Württemberg. Doch nun regen sich Zweifel an der Sicherheit der Anlage, wie der «Beobachter» berichtet.

Durch die Recherchen des Magazins auf­merksam geworden, überprüft das Bundesamt für Umwelt (Bafu) derzeit den Langzeit­sicher­heitsnachweis der Untertagedeponie neu. Laut Beat Frey, beim Bafu zuständig für Sonderabfallexporte, sind Messergebnisse aufgetaucht, die die Stabilität des Bergwerks in Frage stellen. Sollte sich herausstellen, dass die Anlange die Kriterien für eine Sondermüll-Untertagedeponie nicht erfüllt, ist sogar ein sofortiger Exportstopp für Schweizer Sonderabfälle denkbar.

Auch Rainer Bunge, Professor für Umwelttechnik an der Hochschule Rapperswil, sagt: «Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb der Export schwermetallhaltiger Filteraschen aus Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen in deutsche Untertagedeponien noch erlaubt ist.» Allerdings treibt ihn nicht die Sorge über eine mögliche Umweltgefährdung an – die Wahrscheinlichkeit dafür sieht er eher als gering an.

Müllexport als Zink-Verschwendung

Bunge beklagt aber die Verschwendung von Ressourcen: «Jede Tonne Zink, die wir in der Schweiz wiederverwerten, muss nicht anderswo abgebaut werden.» In den Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen landen laut Beobachter jährlich allein rund 4000 Tonnen Zink, der zur Veredelung von Metall­oberflächen sowie als Zusatz von Kosmetikprodukten und Kunststoffen verwendet wird.

Neben dem eher harmlosen Zink bleiben demnach hochgiftige Schwermetalle wie Blei, Kad­mium oder Quecksilber in Filtern hängen. Sie machen die Filter­aschen zu giftigem Sondermüll, der entweder in aufbereiteter Form auf überwachten Schweizer Depo­nien oder unter Tage in den deutschen Bergwerken Herfa-Neurode und Heilbronn «endgelagert» wird.

Dabei gäbe es eine Alternative: So hat der Zeitschrift zufolge beispielsweise die Schweizer Firma BSH Umweltservice ein Verfahren zur Rückgewinnung von Schwermetallen entwickelt - und Filter­aschen weisen mit 20 bis 100 Gramm pro Kilo einen nicht viel tieferen Zinkgehalt auf als manche Erze.

(tno/aho)

Anzeige