Bei den Pensionskassen lagert die gigantische Summe von 865 Milliarden Franken. Dieses Vermögen muss gehegt, gepflegt und durch geschicktes Investieren vermehrt werden. Das alles ist nicht gratis. Die Kosten dafür betragen 4,382 Milliarden Franken. Das sind Zahlen vom Bundesamt für ­Sozialversicherungen vom Jahr 2018. Neuere Zahlen gibt es dazu noch nicht.

Wer den Frankenbetrag sieht, findet das viel. Aber meistens werden die Vermögensverwaltungskosten prozentual angegeben, in Prozenten des Anlagebetrages. Das sind dann 4,382 Milliarden geteilt durch 865 Milliarden, was nur ein halbes Prozent, ganz genau 0,51 Prozent, ergibt. Während der absolute Frankenbetrag nach viel aussieht, erscheinen die Kosten in Prozent wenig. Also was nun?

UBS und SNB verwalten ähnlich viel Geld zu einem Bruchteil der Kosten

Am besten vergleichen wir, wie viel andere Institutionen für die Verwaltung ähnlich hoher Beträge ausgeben. Da gibt es etwa die Schweizerische Nationalbank (SNB), die ähnlich viel Geld hat. Gemäss ihrem Geschäftsbericht gibt sie für ihren gesamten Betrieb rund 0,4 Milliarden Franken aus. Darin ist die Vermögensverwaltung ein sehr kleiner Teil, der nicht exakt ausgewiesen wird.

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Die SNB verwaltet also einen ähnlich hohen Betrag wie die Pensionskassen zu viel weniger als einem Zehntel der Kosten. Natürlich verwaltet die SNB passiv und hat andere Ziele als die Pensionskassen, weshalb argumentiert werden kann, dass der Vergleich etwas hinke – wobei zu bedenken ist, dass viele Pensionskassen mit einer so passiven Anlagestrategie nicht weniger, sondern sogar mehr Rendite machen würden.

Ein weiterer Vergleich könnte die Assetmanagement-Einheit der UBS sein. Gemäss Geschäftsbericht der Bank werden dort 903 Milliarden Franken verwaltet. Gleichzeitig betragen die gesamten Kosten der Einheit 1,4 Milliarden Franken. Darin sind auch noch viele Kosten enthalten, die bei einer Pensionskasse nicht anfallen. Zum Beispiel für das Marketing der Anlageprodukte. Natürlich kann auch bei dem Vergleich ein Hinkebein lamentiert werden, wegen Synergien innerhalb der Bank.

Die Norweger machen es zehnmal günstiger als die Schweizer

Also noch ein weiterer Vergleich über die Landesgrenzen hinaus, und zwar mit dem norwegischen Staatsfonds. Sein Ziel es ist, die künftigen Pensionsansprüche der norwegischen Bevölkerung zu finanzieren. Er verwaltet rund 1000 Milliarden Franken und gibt dabei rund 400 Millionen Franken für die Vermögensverwaltung aus. Auch in diesem Vergleich sieht das Schweizer Pensionskassensystem teuer aus.

«Das ist völlig ineffizient.»

Einer der Gründe dafür ist, dass es in der Schweiz eben nicht einen Staatsfonds wie in Norwegen gibt, sondern 1500 verschiedene Pensionskassen. Das ist völlig ineffizient. Die Politik könnte reagieren, denn hier liesse sich viel Geld sparen: entweder eine Einheitskasse verordnen oder mehr Konkurrenz ins System bringen. Für Letzteres würde es helfen, wenn die Versicherten die freie Wahl bekämen, bei welcher Pensionskasse sie sein wollen. Das würde wohl automatisch zu weniger Pensionskassen führen.

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