Economiesuisse ist im Umbau. Darauf weisen ein neuer, jüngerer Präsident und Unternehmer, eine verschlankte Geschäftsleitung, jüngere Fachbereichsleiter und eine autonomere Kampagnenorganisation hin. Versprochen wird eine schlagkräftigere Organisation. Der Wandel wird von Aussenstehenden als positiv beurteilt. Doch was dem Dachverband fehlt, sind – militärisch gesprochen – die Bodentruppen im Abwehrkampf gegen schädliche Volksinitiativen.

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Ursprünglich waren die regionalen Handels- und Industriekammern die Fusstruppen. Sie sind die historischen Wurzeln des Verbands. Doch genau da scheint das Hauptproblem zu liegen: Diese Wurzeln sind ausgetrocknet – und das, obwohl zwanzig Industrie- und Handelskammern (IHK) Mitglieder des Dachverbands sind. Sie agieren hors-sol, sodass der Dachverband seine Anliegen immer weniger im Volk zu platzieren vermag.

Leute mit Format – zu wenig Engagement

Das klingt zwar etwas allzu pauschal, denn die Handelskammern der beiden Basel sowie jene von Solothurn, Zürich und der Zentralschweiz werden zum Beispiel als sehr aktiv beschrieben. Aber wie steht es um die anderen? Ein St. Galler Unternehmer schildert die Lage beispielhaft. Seine Firma ist sowohl Mitglied des kantonalen Gewerbeverbands als auch der regionalen Industrie- und Handelskammer. Vor Abstimmungen erhält er das notwendige Kampagnenmaterial vom Gewerbeverband – doch von der IHK komme «praktisch nichts». Dabei sitzen dort im Vorstand etliche Leute von Format.

Der Schweizerische Gewerbeverband machts vor: Seine 230 Mitgliedsverbände tragen die politischen Botschaften in die Regionen. Etliche der regionalen Vorstandsmitglieder gelten als «hands-on». Sie werben bei Mitarbeitenden und Freunden und treten an Abstimmungspodien auf. Sie sind sich dafür nicht zu schade und stammen aus der Mitte-Partei, der FDP und der SVP.

Fehlender politischer Pfupf 

Bei den IHK ist dies weit weniger der Fall, weil die Sekretariate technisch ticken und politisch dünn besetzt sind. Zudem ist die FDP übervertreten. Das mindert die Repräsentativität. Die hochkarätigen Vorstände halten sich nobel zurück. Sie glauben, dass es der Dachverband schon richten werde.

Doch so funktioniert die direkte Demokratie nicht. Regulatorische Anliegen der Wirtschaft müssen in die Mitte der Gesellschaft getragen werden, um an der Urne Chancen zu haben. Die Vorstände der regionalen IHK müssen lernen, Feuer und Flamme für ihre Anliegen zu sein und diese Haltung publikumswirksam zu verbreiten. Das nennt sich Engagement und Multiplikation.

Gestelzte Kampagnen

Sie können es bei drei Anführern von Kompass Europa abschauen: Alfred Gantner, Urs Wietlisbach und Marcel Erni, notabene Milliardäre. Sie standen frühmorgens an Bahnhöfen und sammelten Unterschriften für ihre Anti-EU-Deal-Volksinitiative. Dort haben sie erfahren, was die Leute beschäftigt. Ihre Kampagne hat Füsse.

Im Vergleich dazu wirken die Kampagnen des Dachverbands gestelzt. Zweitausend «Botschafterinnen» und «Botschafter». Was ist das schon bei 5,5 Millionen Stimmberechtigten? Economiesuisse muss seine Bodentruppen stärken und die SVP und die Mitte stärker auf der nationalen Vorstandsebene einbeziehen.