Präsident Donald Trump ruft sich noch vor dem Ende der Stimmenauszählung auf fahrlässige Weise, aber wenig überraschend schon zum Sieger aus - spricht aber dennoch vorsorglich schon mal von Wahlbetrug.

Der fade Kandidat Joe Biden und seine Demokraten schaffen es trotz hohen Vorsprungs bei den Umfragen nicht, für klare Verhältnisse zu sorgen. Der Ausgang der US-Wahlen wird nun doch zur der Hängepartie, welche sich die Märkte nicht gewünscht hatten. Das Endresultat wird wohl lange nicht feststehen. Vor allem dann, wenn eine Partei bei einer Niederlage durch alle richterlichen Instanzen geht.

Die kommenden Wochen oder vielleicht gar Monate werden daher zum Belastungstest für die Finanzmärkte und die Psyche der Investoren. Durch solche Phasen muss man als Anleger durch. Ohnehin sind andere Faktoren als die Parteizugehörigkeit des US-Präsidenten wichtiger für die Entwicklung der Börsen in den nächsten Jahren. Gerade zu einer Zeit, in welcher sich ein Wirtschaftsraum vom grössten Absturz seit 1933 zu erholen hat. Zum einen wäre da die Fiskalpolitik. Die US-Wirtschaft hat sich im dritten Quartal vom Corona-Schock zwar deutlich erholt. Das macht aber noch keinen Frühling. 

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US-Wirtschaft auf Federal Reserve angewiesen

Das heisst: Weitere staatliche Konjunkturhilfen, zu denen sich US-Regierung und Kongress in den letzten Wochen nicht durchringen konnten, müssen kommen - und sie werden kommen. Mit Stimuli in der Höhe von rund 2 Billionen Dollar wird die Wirtschaft weiter angekurbelt werden. Mit positiven Folgen für die Aktienmärkte.

Doch die US-Wirtschaft ist nicht bloss auf die Hilfe der Politik angewiesen, sondern, viel mehr noch, auf die Unterstützung der Federal Reserve. Man mag zwar argumentieren, der Anstieg von 51 Prozent des Dow Jones Index in den letzten vier Jahren sei auf die Unternehmenssteuerpolitik von Donald Trump zurückzuführen. Doch auch in den vier Jahren zuvor von 2012 bis 2016, unter dem demokratischen Präsidenten Barack Obama, war der US-Börsenleitindex fast 40 Prozent gestiegen.

In anderen Worten: Die «Lenker» der Börsen sitzen nicht im Weissen Haus und tragen da entweder das republikanische oder demokratische Parteibuch. Sie befinden sich ein paar Häuserblocks südwestlich am Sitz der Federal Reserve. Die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank befeuert die Börsen seit Jahren: Seit 2008 sind die US-Leitzinsen – mit Ausnahme des zaghaften Ausbruchsversuchs von Mitte 2018 bis Mitte 2019 – nicht mehr über 2 Prozent geklettert. Das Resultat der Geldschwemme an den Märkten: Ein Anstieg von 311 Prozent des Dow Jones von März 2009 bis heute.

Nun werden die US-Leitzinsen wegen der Coronakrise noch Jahre tief bleiben. Und sie können, wie in der Schweiz, auch noch negatives Territorium erreichen. Auch weitere, wie auch immer gelagerte Massnahmen können Notenbanken als Stimuli kreieren, wie sie seit der Finanzkrise permanent zeigen. Die Saat für weitere Börsenanstiege ist also gelegt, Demokrat oder Republikaner hin oder her. Ob diese Entwicklung für das Finanzsystem aber langfristig gut kommt, steht auf einem anderen Blatt. 

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Dieser Artikel erschien zuerst bei «Cash» unter dem Titel: Trump oder Biden - Anleger sollten sich sagen: «Who cares?».

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