Mal ehrlich: Wie oft zahlen Sie noch mit Bargeld? Jede dritte Transaktion? Dann sind Sie etwa im Durchschnitt. Gemäss letzter Zahlungsmittelumfrage der Nationalbank hat sich der Bargeldanteil bei alltäglichen Zahlungen in den letzten fünf Jahren auf 36 Prozent halbiert. Gemessen am Transaktionswert wird sogar nur noch jeder fünfte Franken in bar bezahlt. 

Noten sind auf dem Rückzug, Münz nervt nur noch. Auch wenn es Kreise gibt, die den Zwang zur Annahme von Bargeld gerne in die Verfassung schreiben würden, ist der Trend nicht aufzuhalten. Allein schon wegen der Einkäufe im Internet.

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Aus diesem Grund ist es nachvollziehbar, dass sich die Zentralbanken über digitale Alternativen Gedanken machen. Denn mit dem Bargeld verschwindet auch die einzige Möglichkeit, von der Notenbank garantiertes Geld zu halten. Das Buch- oder Giralgeld auf dem Bankkonto ist nämlich nur privates Geld mit entsprechendem Gegenparteirisiko.

Eine virtuelle Zentralbankwährung für alle, auch Retail CBDC genannt, könnte diese Lücke füllen. Rund um die Welt arbeiten die Notenbanken mit Hochdruck daran. Auch die Nationalbank hat sich die Sache angeschaut, hält aber wenig davon. Die Risiken überwiegen die Vorteile, heisst es. So fürchtet sich die SNB davor, dass der Digitalfranken den Banken viel Geld abziehen könnte, weil die Kundinnen und Kunden ihr Erspartes lieber direkt bei der Nationalbank anlegen wollen. Die SNB konzentriert sich lieber auf CBDC-Projekte für den Interbankenmarkt.

Stablecoins sind schlechte Alternativen

Diese Haltung mag derzeit sinnvoll sein. Es ist auch in der Wissenschaft umstritten, ob es wirklich eine digitale Zentralbankwährung braucht, damit das Geldsystem auch im Post-Bargeld-Zeitalter einen Anker hat. Die Wartehaltung ermöglicht zudem, andere Projekte zu verfolgen und zu schauen, wie sich zum Beispiel die E-Krona in Schweden oder der digitale Euro entfaltet, der frühestens 2026 eingeführt werden soll. 

Doch verwerfen sollte man die Idee des digitalen SNB-Franken dennoch nicht. Denn es besteht die Gefahr, dass immer mehr Leute Dollar-Stablecoin wie Tether nutzen, wodurch die SNB-Geldpolitik an Einfluss verliert. 

Es wäre auch ein Fehler, auf private Anbieter von Franken-Stablecoins zu hoffen und ihnen das Feld der digitalen Währungen zu überlassen. Auch wenn wie im aktuellen Fall des E-Franken-Projekt der Postfinance quasi der Staat dahinter stünde. Denn damit Stablecoins ihrem Namen gerecht werden und den Franken perfekt abbilden, müssen sie voll mit sicheren Franken-Anlagen gedeckt sein. Das bindet unnötig Liquidität, die für andere Zwecke verwendet werden könnte.

Es gibt viel Gestaltungsspielraum 

Auch die Bankiervereinigung wälzt Ideen für einen digitalen Franken und hat ein Grundlagenpapier für einen Buchgeld-Token verfasst. Damit würde aber bloss herkömmliches Buchgeld durch eine programmierbare Variante ersetzt.

Da wäre mir eine echte Zentralbankwährung der SNB, bei der alle Finanzdienstleister im Boot sind, eigentlich lieber. Nur weil China schon einen E-Yuan hat, ist eine Retail CBDC noch lange kein Autokrateninstrument, um die Finanzströme jedes Einzelnen zu überwachen. Der Grad der Anonymität einer Digitalwährung lässt sich frei bestimmen – erst recht in einem demokratischen Land wie der Schweiz. Und die Banken könnte man mit einer Obergrenze für direkte Digitalfranken-Guthaben einfach besänftigen. Das kann man alles umsetzen, überstürzen muss man dabei aber nichts. Da hat die SNB recht.
 

rop
Peter Rohnerist Chefökonom der Handelszeitung.Mehr erfahren