Es ist ein Anlass mit historischer Dimension. Eben erlebten wir die erste Abstimmung über Digital-Politik in der Schweiz. Leider ist sie negativ ausgefallen. Das Angebot einer freiwilligen E-ID, über das wir abstimmten, hätte uns das Leben in der Digitalwelt einfacher und sicherer gemacht. Denn das Konzept der E-ID war bestechend: Der Bund bestätigt auf Anfrage die Identität eines Nutzers, einer Nutzerin. Und gewährleistet so ein fälschungssicheres Login, das uns das Einkaufen oder den Kontakt zu Firmen und Behörden erleichtert hätte. Genau das brauchen wir.

Nur leider ist es den Promotoren dieser Privatinitiative unter staatlicher Supervision nicht gelungen, die bunte Schar von Skeptikern zu überzeugen. Statt Fakten kursierten in der Folge Behauptungen, wie etwa jener irreführende Klassiker: Eine Identitätskarte, die darf doch nicht von einer gewinnorientierten Privatfirma vertrieben werden.

Was nach dem harten Nein nun folgt, lässt sich vorzeichnen: Gewinner des heutigen Tages sind Apple, Facebook oder Google. Sie dürfen sich weiterhin an unseren Daten delektieren, diese sammeln, auswerten und an Dritte verkaufen. Das alles wäre bei einem Ja zur Schweizer E-ID nicht möglich gewesen.

Statt für geordnete, kontrollierte Verhältnisse hat eine Mehrheit für den Wildwuchs mit starker ausländischer Beteiligung votiert. Denn es ist klar, dass nun weitere private wie staatliche Anbieter Dutzende von Lösungen für eine sicherere Identifikation lancieren werden.

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Was uns das Einloggen mit all der wachsenden Zahl von Passwörtern nicht einfacher macht. Bis Politik und Wirtschaft eine überarbeitete, konsensfähige Lösung gefunden haben, werden Jahre vergehen. Die diversen kostspieligen Anläufe beim E-Government lassen grüssen.