Die Panik in den US-Botschaften weitet sich aus: Die Feuerwehr in Berlin evakuiert den Visa-Bereich des US-Konsulats. Dutzende Mitarbeiter verlassen das Gebäude. Die Sicherheitskräfte sorgen sich um eine «weisse Substanz» an den Ausweispapieren. Einige Mitarbeiter klagen denn auch über Unwohlsein. Ob ein Zusammenhang mit den Attacken auf die US-Vertretungen im Nahen Osten besteht, ist unklar.

Derweil schwappten die Attacken auf die US-Botschaften im arabischen Raum auf die Schweiz über: Rund 500 Personen haben vor der Schweizer Botschaft in Teheran, welche auch die Interessen der USA im Iran vertritt, demonstriert. Sie forderten lautstark den Tod des Machers des islamfeindlichen Mohammed-Films. Darüber hinaus riefen die Demonstranten «Tod den USA» und «Tod für Israel».

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Lediglich 200 Polizisten können die aufgeheizte Menge derzeit daran hindern, die Botschaft zu stürmen. Glück im Unglück: Die mehreren hundert Personen, die vor der Schweizer Botschaft in Teheran gegen den als blasphemisch empfundenen US-Film demonstrierten, sind allerdings wieder abgezogen. Das teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit.

Die Polizei sei vor Ort gewesen und habe die Demonstrierenden vom Botschaftsgelände ferngehalten. An der Schweizer Botschaft - die in Teheran auch die Interessen der USA vertritt - seien keinerlei Schäden entstanden, schreibt das EDA.

Generell gelte, dass alle Schweizer Aussenstellen über Sicherheitsdispositive verfügten und gut vorbereitet seien. Diese Sicherheitsdispositive würden laufend überprüft, entsprächen den lokalen Bedingungen und Risikosituationen und könnten kurzfristig an Neuentwicklungen angepasst werden. Zu konkreten Massnahmen mache das EDA «aus nahe liegenden Gründen» keine Angaben.

Einmal mehr: Mohammed-Beleidigung der Grund

Hintergrund der Attacken: Nach dem islamfeindlichen Mohammed-Film griffen in Ägypten, Jemen und dem Iran mehrere Tausend wütende Demonstranten die US-Botschaften unter «Oh Prophet! Oh Mohammed»-Rufen an. Im Jemen gelang es den Demonstranten denn auch, das Botschaftsgelände zu stürmen. Dort setzten sie mehrere Fahrzeuge in Brand. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein und gab Warnschüsse in die Luft ab.

Die Demonstrationen erreichten ebenfalls Lybien. Dort kam der US-Botschafter unbesätigten Berichten zufolge bei einem Anschlag ums Leben. Damit aber nicht genug: In Ägypten haben Demonstranten versucht, wegen dem islamfeindlichen Mohammed-Film die US-Botschaft in Kairo zu stürmen. Am Morgen kam es in der ägyptischen Hauptstadt zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, als Demonstranten versuchten, zu dem Botschaftsgebäude im Stadtteil Garden City vorzudringen. Die Demonstranten warfen Steine.

Die Sicherheitskräfte haben die Demonstranten vor der US-Botschaft im Jemen inzwischen zurückgedrängt. Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtet, wurden sämtliche Demonstranten vom Botschaftsgelände geführt.

(muv/jev/sda)