Ganz überrascht war Andreas Hegg, Gemeindepräsident von Lyss, nicht. Schon länger war bekannt, dass der Waffenplatz wohl einst überflüssig wird. Dass es jetzt so kommt, macht die Situation nicht einfacher. «Das Militär gehört zu Lyss. Seit 1908 haben wir hier ein Zeughaus» sagt der Gemeindepräsident auf Anfrage. Der Waffenplatz im Seeland wird aufgegeben und mit Thun zusammengelegt. Für Hegg und seine Gemeinde heisst es Abschiednehmen vom Wirtschaftsfaktor Militär. «Für uns ist das ein grosser Verlust.»

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Maurer muss sparen

Viele der betroffenen Waffenplätze in Freiburg, Genf, Moudon, Lyss und St-Maurice sowie die Unterkünfte und Schiessplätze in Glaubenberg, Brigels und Gluringen haben über Jahrzehnte vom und mit dem Militär gelebt. Jetzt fehlt das Geld in der Kasse von Verteidigungsminister Ueli Maurer. «Die Armee ist zum Sparen gezwungen», sagte VBS-Chef Ueli Maurer vor den Medien in Bern. «Aus diesem Grund muss der heutige Immobilienbestand um mehr als einen Drittel reduziert werden.»

Betroffen reagierten auch andere Kantone: Der Wegzug der Armee vom Militärflugplatz Sitten VS sei für die Walliser Regierung eine grosse Enttäuschung – auch wenn die Tür noch nicht ganz zugeschlagen sei, sagte Oskar Freysinger, Vorsteher des Sicherheitsdepartementes, am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Auch der Staatsrat des Kantons Freiburg bedauert die Schliessung der Kaserne La Poya. Da die drei Rekrutenschulen auf den Waffenplatz Drognens verlegt werden, gingen jedoch keine Arbeitsplätze verloren.

Der Kanton Genf schrieb bereits im Sommer einen Architekturwettbewerb und ein Angebot für mögliche Investoren aus: Auf dem Armee-Gelände mitten in der Stadt sollen über 1500 Wohnungen entstehen. Die Armee wird im Kanton Genf auch nach der Schliessung der Kaserne Vernets präsent sein. Die Standorte Epeisses, Mategnin und Aire-la-Ville werden beibehalten.

200'000 Mahlzeiten jährlich

Die Stadt Lyss wird die Armee frühestens 2020 verlassen. Das lokale Gewerbe hat Zeit, sich neu zu orienteiern. «Der Waffenplatz hat rund 200'000 Mahlzeiten pro Jahr ausgegeben, da gehen bei den lokalen Zulieferern sicher Umsätze verloren» so Hegg. In der 14'000 Seelengemeinde dürften noch weitere Wirtschaftszweige leiden. «Die Gastronomie wird das ganz stark merken. Die Armeeangehörigen sind in die Restaurants gegangen und haben konsumiert. Dies wird nach der Schliessung nicht mehr sein.»

Die Waffenplätze sind mit den Rekruten und den WK-Soldaten für das Gewerbe der Standorte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das ist nicht nur in Lyss so. Auch anderorts wird die Zeche der Soldaten im Ausgang in der Rechnung der Restaurants und Bars fehlen. Insgesamt gehen durch den Abbau direkt 300 Stellen bei der Armee verloren. Dazu werden noch einige Jobs in Zulieferbetrieben folgen.

Zeit für einen Neuanfang

In Lyss will man die kommenden Jahre nutzen und sich Gedanken über die Zukunft und die Gestaltung des Waffenplatzes machen. «Im Moment haben wir einen Bauboom. Wir wollen jetzt die Zeit nutzen, um mit dem Bund das Gebiet neu zu entwickeln. Für Lyss kann das jetzt eine grosse Chance für die Zukunft sein.»

Ein grosses Problem dürften alle Standorte haben. Das Land, auf welchem die Armee bis jetzt agierte, gehört dem Bund oder den Kantonen. Die Gemeinden müssen für ihre Zukunftspläne mit den Landbesitzern einig werden. Wie schwierig das sein kann, zeigt das Beispiel Flugplatz Dübendorf im Kanton Zürich. Dieser wird in Zukunft nur noch eine Basis für Armeehelikopter sein. Die Pläne für eine Nutzung der Fläche nördlich von Zürich drehen sich seit Jahren im Kreis.

(mit Material von sda/moh)