Die Kältewelle sorgt für eine Neuauflage des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine. Nach Beschwerden europäischer Energieunternehmen über geringere Gaslieferungen aus Russland schoben sich beide Länder gegenseitig die Schuld in die Schuhe.

Nach Angaben der EU-Kommission sind die russischen Gaslieferungen in mehrere Länder um bis zu 30 Prozent eingeschränkt. Der ukrainische Energieminister Juri Boiko sagte am Freitag in Kiew, der russische Staatskonzern Gazprom liefere jeden Tag 75 Millionen Kubikmeter weniger Gas als vereinbart.

Der Konzern wies jede Schuld von sich. «Die Europäer bitten um mehr, als wir zu liefern verpflichtet sind», sagte Sergej Komljew vom Tochterunternehmen Gazprom-Export nach Angaben der Agentur Interfax. Zuvor hatte Gazprom die Ukraine indirekt beschuldigt, illegal Gas aus Transitleitungen abzuzapfen.

Kälte lässt Verbrauch anschwellen

Kiew hingegen beteuerte, alle Verträge zu erfüllen. Der ukrainische Regierungschef Nikolai Asarow räumte aber ein, das Land habe allein an den vergangenen drei Tagen wegen der eisigen Kälte etwa eine Milliarde Kubikmeter Gas verfeuert. Diese Menge würde sonst zwei Wochen reichen, sagte Asarow.

Der Streit um Gaslieferungen dauert seit Jahren an. Anfang 2009 hatte Russland dem Nachbarn deswegen zeitweilig das Gas ganz abgedreht. In der Folge blieben auch Wohnungen in Europa kalt, denn die Ukraine ist das wichtigste Transitland für russisches Gas. Trotz der eingeschränkten Lieferungen versicherte die EU, Verbraucher und Industrie müssten keine Engpässe fürchten. «Die Erdgaslager in der EU sind voll», sagte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Freitag in Brüssel.

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Schweiz nicht betroffen

Auch in der Schweiz sind keine Engpässe zu erwarten, wie Daniel Bächtold, Mediensprecher des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie (VSG), gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. Zwar liege der tägliche Gasverbrauch gegenwärtig mehr als 20 Prozent über dem üblichen Wert an einem gewöhnlichen Wintertag, allerdings stammen die Erdgasimporte laut Bächtold nur zu knapp einem Viertel aus Russland. Dieses Gas werde aus den umliegenden Ländern bezogen, direkte Lieferverträge mit Moskau bestehen keine.

In der Schweiz werden etwa 30 Prozent der Heizenergie durch Erdgas bereitgestellt. Damit sei das Land deutlich weniger vom Gas als Energieträger abhängig als andere Staaten, sagte Bächtold. Er erwartet deshalb vorerst keine Versorgungsprobleme, obschon die Schweiz im Unterschied zu den Nachbarländern über keine grossen Speicherkapazitäten verfügt.

Für den grösste Teil des Imports zeichnet die nationale Erdgas-Importgesellschaft Swissgas verantwortlich. Etwa die Hälfte der Lieferungen stammt aus langfristigen Verträgen, die andere Hälfte wird am kurzfristigen Markt eingekauft. «Gas bekommt man immer, die Frage ist nur, zu welchem Preis», sagte Bächtold.