Nach der Schicksalswahl in Griechenland lehnt die radikale Linke ein breites Regierungsbündnis ab. «Wir werden in der Opposition sein», sagte Syriza-Chef Alexis Tsipras nach einem Treffen mit dem Chef der konservativen Nea Dimokratia, Antonis Samaras. «Wir werden Gegner bleiben», fügte Tsipras hinzu.

Dennoch gibt es nach dem Wahlsieg der Euro-Befürworter Hoffnung auf eine rasche Regierungsbildung: Die sozialistische Partei Pasok erklärte sich grundsätzlich bereit, mit der  Nea Dimokratia eine Koalition zu bilden. «Das Land muss bis morgen Abend eine Regierung haben», sagte der Parteichef der Sozialisten, Evangelos Venizelos. Beide Parteien wollen den Sparpakt mit den Geldgebern fortsetzen, erwarten aber Lockerungen.

Konservative und Sozialisten haben eine Mehrheit von 162 der 300 Sitze im Parlament. Davon entfallen 33 Sitze auf die Pasok. Die radikale Linke war am Sonntag zweitstärkste Partei mit 71 Sitzen geworden.

Samaras sicherte zwar zu, dass seine Partei das mit den internationalen Geldgebern ausgehandelte Sparprogramm im Grundsatz umsetzen wolle. «Das griechische Volk will unsere europäische Politik. Wir halten das Versprochene ein», betonte er nach dem Treffen mit Tsipras. Gleichzeitig will er Griechenland mehr Luft verschaffen und Änderungen am Sparprogramm durchsetzen - vor dem Hintergrund der «quälenden Realität der Arbeitslosigkeit und anderer unglaublich schlimmer Schwierigkeiten, die jede griechische Familie erlebt».

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«Jetzt ist nicht die Zeit für Rabatte»

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wertete den Ausgang der Parlamentswahl als gute Nachricht für den Euro, die Eurozone und Europa. Den konservativen Wahlsieger mahnte sie in einem Telefonat aber auch, jetzt schnell eine Regierung zu bilden. Sie gehe davon aus, dass sich Athen an seine europäischen Verpflichtungen halte: «Jetzt ist nicht die Zeit für irgendwelche Rabatte», sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter.

Das Europaparlament versprach einer neuen griechischen Regierung seine «konstruktive Zusammenarbeit bei einer möglichen Feinabstimmung seiner Reformstrategie und seiner wirtschaftlichen Ziele». «Wenn Griechenland zu seinen Verpflichtungen steht, dann kann die EU prüfen, was noch weiter getan werden kann, um die Krise zu überwinden», heisst es in einer Erklärung des deutschen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz.

(tno/laf/awp)