Der Schweizer Finanzminister Ueli Maurer und sein britischer Amtskollege Rishi Sunak haben am Mittwoch vereinbart, die Beziehungen im Bereich der Finanzdienstleistungen nach dem Ausscheiden Grossbritanniens aus der Europäischen Union zu vertiefen.

Das Ziel: ein «umfassendes Abkommen über die gegenseitige Anerkennung», um die Kosten und Hindernisse für in der Schweiz tätige britische Firmen zu senken – und umgekehrt. Und zwar in Sektoren wie Versicherungen, Banken, Vermögensverwaltung und Kapitalmärkte. Die Gespräche über das Abkommen werden in den kommenden Monaten fortgesetzt. 

Gleichwertigkeit der Börse

Um die Beziehungen zu stärken, hat das Finanzministerium bereits angekündigt, den Handel mit Schweizer Aktien zu erlauben und damit ein EU-Verbot umzukehren.

Dem stimmte auch die Schweiz zu; die neuen Regeln zur Börsenäquivalenz sollen bereits ab dem 3. Februar in Kraft treten, sofern das britische Parlament zustimmt.

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Um die gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Finanzmarktregeln und Aufsicht geht es auch in dem angestrebten Abkommen. Beide Länder wollen damit ihre Stellung als führende internationale Finanzzentren stärken.

Deregulierung und grüne Staatsanleihen

Nachdem Grossbritannien den Brexit Ende 2020 vollzogen hat, versucht der Finanzminister nun, jede Chance zu nutzen. So kündigte Sunak etwa eine Wiederholung von Margaret Thatchers «Big Bang»-Periode der Deregulierung von Finanzdienstleistungen an.

Im November stellte er eine umfassende Vision für die Branche vor: Demnach sollen etwa die Börsenzulassungsregeln überprüft werden und noch in diesem Jahr die ersten grünen Staatsanleihen des Landes ausgegeben werden.

«Big Bang 2» für die britische Finanzindustrie

Sunaks Pläne für Finanzdienstleistungen umfassen auch eine verpflichtende Offenlegung der Risiken des Klimawandels durch Unternehmen bis 2025, Massnahmen, um innovative Unternehmen nach Grossbritannien zu locken sowie eine Reform der britischen Regeln für Fonds.

Doch auch eine engere Zusammenarbeit mit der Schweiz kann den Schaden durch den Brexit nicht beheben. Vor dem EU-Verbot belief sich der Londoner Handel mit Schweizer Aktien auf durchschnittlich 1,4 Milliarden Franken pro Tag – ein Fünftel des Handels mit EU-Aktien, der seit Anfang des Jahres nicht mehr möglich ist. 

(bloomberg/mlo)