Die Juso-Initiative «Löhne entlasten, Kapital gerecht besteuern» – auch bekannt als «99-Prozent-Initiative» – will die Steuern für Unternehmer massiv erhöhen. Sie betrifft primär KMU, darunter speziell Familiengesellschaften sowie – bisher kaum beachtet – ganz direkt auch Startups. Eine Studie der Firma Tax Partner zeigt auf, wie Startups von der Initiative direkt betroffen sind. Die Annahme der Initiative würde für die aufgeblühte Schweizer Startup-Szene einen raschen Exit bedeuten.

Die Initiative will Kapitaleinkommensteile, die über einem Schwellenwert liegen, viel stärker besteuern, und zwar im Umfang von exorbitanten 150 Prozent. Der Initiativtext sagt zwar nicht exakt, was mit Kapitaleinkommen gemeint ist. Nach Auslegung der Initianten wären Zinserträge (inklusive Mietzinsen), Dividenden und Kapitalgewinne betroffen. Dazu gehören selbstredend auch die Gewinne aus Unternehmensverkäufen.

In der Schweiz hat sich in den letzten Jahren eine ­vitale Gründerszene entwickelt. Jährliche Rankings ­attestieren dem Schweizer Wirtschaftssystem aufsteigende Ränge für Startups. Mit der Juso-Initiative würde die Attraktivität der Schweiz für Gründerinnen und Gründer dramatisch einbrechen. Gründer von Startups fokussieren ihre unternehmerische Energie zumeist nach dem erfolgreichen Aufbau des neuen Geschäftsmodells auf einen Ausstieg durch den Verkauf des Jungunternehmens, oft an eine grössere Firma. Vielfach investieren sie die erzielten ­Gewinne wieder in neue Startups.

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Die Schweiz würde zu einem Land, das Gründer meiden würden

Die Studie weist nun erstmals nach, dass neben ­Familiengesellschaften auch Startups von der Initiative ­direkt betroffen sind. Nach Annahme der 99-Prozent–Initiative würden diese Startup-Verkäufe mit 150 Prozent besteuert. Die Folge: Der Gründer würde aus seiner Nachfolgeregelung einen um über 50 Prozent gerin­geren Nettoerlös erzielen.

Anstatt einen Erlös von beispielhaft angenommenen 200, erhielte er nach Berechnungen von Experten noch 96,5, das entspricht einem Minus von 52 Prozent. Ein Anteil von 103,5 fliesst an den Staat. Möchte der Gründer einen Nettoerlös von 200 auch mit der 99-Prozent-Initiative erzielen, so müsste er den Verkaufspreis seines Startups von 200 um 214,5 auf 414,5 erhöhen, also mehr als verdoppeln.

Es ist klar, was das für die Startup-Szene Schweiz heisst: Gründerinnen und Gründer erhalten entweder ­einen um 52 Prozent tieferen Nettoerlös aus dem Verkauf ihrer Startups oder sie müssen den Verkaufspreis bei ­ihrem Ausstieg massiv erhöhen, wollen sie ihre Erlöse halten. Beides geht im internationalen Vergleich gar nicht – die Initiative der Jusos führt darum zu einer massiven Schwächung des Standorts Schweiz für Startups. Ihre Annahme würde dazu führen, dass Gründer mit ihren Startups die Schweiz als Standort künftig meiden oder zumindest vor dem Verkauf in andere Länder verlegen.