In einem Schreiben an die Sozialpartner lädt Ruag zu Gesprächen ein. Vier hochrangige Vertreter des Schweizer Rüstungs- und Technologiekonzerns wollen am Donnerstagabend an der Zürcher Schaffhauserstrasse erklären, warum die drei Standorte Brunnen SZ, Hombrechtikon ZH und Mägenwil AG aufgegeben werden. Eingeladen zu diesen Gesprächen sind die Sozialpartner. Die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen.

Die Namen der Ruag-Vertreter lassen aufhorchen: Zunächst wird der Chef der Division Defence, Markus A. Zoller, anwesend sein. Der ausgebildete Maschineningenieur mit HSG-Doktorat sitzt seit 2013 in der Konzernleitung. Zoller ist aber nicht das einzige Kadermitglied, das bei den Gesprächen anwesend sein wird. Christian Ferber, Vorsitzender der Personalabteilung und seit 2012 Mitglied der Konzernleitung, wird neben Divisionschef Zoller sitzen.

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Jürg Keller, als Vize-Präsident der Personalabteilung die rechte Hand von Ferber, wird ebenfalls dabei sein. Den Abschluss macht Franz Gobeli. Er sitzt als Vertreter des Personalverbandes SwissPersona in der illustren Runde. SwissPersona war früher unter dem Namen Schweizerischer Militärpersonalverband bekannt. Gemäss eigenen Angaben will der Verband «negative Folgen von Redimensionierungen oder strukturellen Anpassungen mit geeigneten Massnahmen möglichst verhindern oder wo nötig weitestgehend lindern».

Angst um Stellenabbau

Angesichts der Zusammenstellung des Gremiums sorgen sich die Sozialpartner. Was genau auf der Agenda steht, ist weitestgehend unklar. Im Schreiben heisst es lediglich, man lade zu einer «Informationsveranstaltung bezüglich Standortentwicklung der Ruag Defence Schweiz ein» und stehe für Fragen zur Verfügung. Die Gewerkschaft Syna fürchtet, dass Ruag erneut schlechte Informationen auftischen wird. Dass es erneut zu Stellenstreichungen kommen könnte.

Ihre Furcht fusst auf zwei Aktionen des Technologiekonzerns. Zunächst kündigte Ruag an, 15 bis 20 Personen in Emmen LU zu entlassen. Dann hiess es auch noch, dass drei Standorte in der Deutschschweiz geschlossen werden. In beiden Fällen blieb die Gewerkschaft aussen vor. Ruag informierte seine Sozialpartner nur kurz bevor sie die Medienmitteilung publizierten. Syna kritisierte dieses Vorgehen scharf.

Sozialpartner wittern Salamitaktik

Aber nicht nur die Kommunikation zwischen der Gewerkschaft und dem Rüstungskonzern liegt im Argen. Ruag verkauft den Standortentscheid als «Konzentrationsmassnahme ohne Entlassungen». Die Rüstungssparte Ruag Defence könne damit ihre Marktposition stärken und auf die zukünftigen Kundenbedürfnisse schneller und effizienter eingehen, sagt das Unternehmen.

Die Sozialpartner sehen das anders. Sie wittern eine Salamitaktik des Konzerns, der vollständig im Besitz des Bundes ist. «Mit der häppchenweisen Entlassung von Mitarbeitenden über einen längeren Zeitraum versucht die Ruag eine Reduktion der Arbeitsstellen durchzubringen, ohne ihre soziale Verantwortung wahrnehmen zu müssen», heisst es seitens der Gewerkschaft Syna.

Sozialplan gefordert

Obschon Ruag angekündigt habe, dass es beim Standortentscheid zu keinen Entlassungen kommen werde, sei bei genauerem Hinsehen klar, dass auch hier die Gefahr des Stellenverlustes drohe. «Nicht alle Ruag-Angestellten können einen um bis zu zwei Stunden pro Tag verlängerten Arbeitsweg in Kauf nehmen.» Ein Drittel der Betroffenen in Brunnen SZ sollen in Thun weiterarbeiten, gibt auch Ruag-Sprecher Paukert zu.

Die Gewerkschaft sieht darin einen Kündigungszwang. Arbeitnehmerkündigungen seien aber in Hinblick darauf, ob das Verfahren einer Massenentlassung eingehalten werden muss, nicht relevant. «Damit umgeht Ruag erneut Verhandlungen über einen Sozialplan, mit dem die Folgen für die Betroffenen abgefedert werden können», sagen Gewerkschaftsvertreter.

Persönliche Gespräche mit allen Beteiligten

Zu denken gibt auch die Position des Technologiekonzerns. In der Medienmitteilung von Ende Januar hiess es: «In den nächsten Wochen werden in persönlichen Gesprächen mit allen beteiligten Mitarbeitenden die neuen Möglichkeiten aufgezeigt und das Vorgehen abgesprochen.»

Aus wirtschaftlichen Gründen, so das Unternehmen, seien zwar keine Entlassungen geplant. Der Entscheid, die Standorte aufzugeben, ist aber durchaus von ökonomischen Überlegungen getrieben. Der Nettoumsatz der Ruag Defence fiel 2013 um 57 Millionen auf 357 Millionen Franken. Das ist ein Umsatzrückgang von fast 14 Prozent. Der Gewinn vor Steuern sank um fast ein Viertel auf 19 Millionen Franken.

Einbussen im Verteidigungsbereich

Die Einbussen stammten aus den beiden Geschäftseinheiten «Land Systems» und «Simulation & Training». Der erste Bereich leidete darunter, dass viele Schweizer Grossprojekte ausliefen, darunter die Werterhaltungsprogramme für den Panzer Leopard 2, den Geniepanzer und das Führungsinformationssystem Heer – ein Trend, der für das ganze Unternehmen zu beobachten ist. Der Anteil des Verteidigungsdepartements an den Erlösen sank 2013 erstmals unter ein Drittel, die zivilen Umsätze machen neu einen Grossteil der Erlöse aus.

2013 reagierte die Firma bereits und baute Stellen ab – oder wie es im Geschäftsbericht heisst: Die Kapazitäten wurden leicht reduziert. Um der heimischen Flaute zu begegnen, will Ruag Defence künftig die internationale Präsenz «konsequent» ausbauen. Man will sich auf die «Fokusmärkte Deutschland, Frankreich und Vereinigte Arabische Emirate sowie ausgewählte weitere Regionen» konzentrieren. Kein Wunder also, dass die Gewerkschaft Syna befürchtet, dass die Kapazitäten weiter «leicht reduziert» werden.