Was treibt den Paketboom in den Städten?
Jonas Schmid: Wir erleben eine starken Anstieg im Onlinegeschäft, es gibt immer mehr Lieferungen, Pakete werden zunehmend kleiner. Befeuert durch die Pandemie haben viele Geschäfte Liefermodelle entwickelt. Entsprechend nimmt der Güterverkehr, insbesondere durch die Lieferwagen, in den Städten massiv zu. Parkflächen sind aber oft knapp.

Wie reagieren Städte?
Es gibt Pilotprojekte, doch oftmals wird das Thema noch vernachlässigt. Allerdings wächst das Interesse in vielen Städten, die Nachhaltigkeit zu erhöhen und Endkunden sowie Zusteller zu sensibilisieren, dass auch solche Lieferungen einen ökologischen Rucksack haben. Möglich wäre zum Beispiel, mehr Logistik-Hubs einzurichten, von wo die letzte Meile dann beliefert wird. Viele weitere Handlungsfelder werden zurzeit in der City-Logistik diskutiert, so beispielsweise auch anbieterübergreifende Abholstationen.

Jonas Schmid

 

Jonas Schmid: Leiter Forschung und Projekte bei der Mobilitätsakademie des TCS.

Quelle: ZVG
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Welche neue Lieferkonzepte gibt es?
Ziel sollte sein, die Fahrzeuge gut auszulasten und auf der letzten Meile stadtverträgliche Transportmittel einzusetzen. Eine Idee ist dabei auch, mehr Lastenräder zu nutzen, zum Beispiel wenn Gewerbetreibende ihre Lieferungen direkt an Kundinnen und Kunden liefern. Das macht beispielsweise ein Sirup-Händler oder Bäckereien in Bern sehr erfolgreich. Wenn die Kapazität der Lastenräder nicht mehr ausreicht, haben wir mit dem Pilotprojekt «Smargo» eine weitere, spannende Lösung: Seit Ende Mai erproben wir den Sharing-Betrieb von elektrischen Kleintransportern, die von allen Interessierten stundenweise gebucht werden können.

Was gibt es dabei für Herausforderungen?
Wir verzeichnen bei vielen Gewerbetreibenden Interesse, welche punktuelle aber regelmässige Lieferungen tätigen. Herausforderungen sind die Suche nach geeigneten Parkplätze und die zum Teil unterschiedlichen Erwartungen an die Fahrzeuge. Wir sind gespannt, welche Sharing-Potenziale der Pilotversuch im städtischen Güterverkehr offenbart.

Das Smargo-Projekt

Hinter dem Kürzel «Smargo» verbirgt sich «Shared Micro Cargo», ein Projekt der Mobilitätsakademie des TCS in Zusammenarbeit mit den Städten Bern, Basel und Lausanne: Es ist ein Sharingbetrieb von kleinen, elektrischen Transportfahrzeugen. Das Projekt ist auf ein Jahr festgesetzt und soll den nachhaltigen, urbanen Güterverkehr von Haushalten und Gewerbe unterstützen.

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