Zusammen mit der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen habe er festgestellt, dass noch «erhebliche Divergenzen beim institutionellen Rahmenabkommen» vorhanden seien, sagte Bundespräsident Guy Parmelin am Freitag an einem Point de Presse in Brüssel nach dem Treffen mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Das Treffen selbst habe er als «positiv» erlebt. Nun müssten aber die Ergebnisse dieses Treffens sowohl in der Schweiz wie auch auf europäischer Seite ausgewertet werden. Dies habe er mit der Kommissionspräsidentin so vereinbart. «Wir müssen beiderseits nochmals darüber nachdenken.»

Die Verhandlungsführerinnen Livia Leu seitens der Schweiz und Stéphanie Riso seitens der EU sollen aber weiter in Kontakt bleiben, sagte er weiter. Nach dem Treffen mit von der Leyen habe er seine Bundesratskollegen über die Gespräche in Brüssel informiert.

Bilanz gezogen

Das Ziel des Treffens seitens der Schweiz sei gewesen, Bilanz zu ziehen. Die Schweiz müsse Klartext sprechen und deutlich sagen, was ihre Position sei und wo noch Probleme bestünden, sagte Parmelinweiter.

Der Bundespräsident betonte dabei die Wichtigkeit der bilateralen Beziehungen mit der EU, die er "konsolidieren und weiter entwickeln möchte". Gleichzeitig machte er aber auch deutlich, dass «der Bundesrat das Rahmenabkommen ohne zufriedenstellende Lösungen beim Lohnschutz, der Unionsbürgerrichtlinie sowie bei den staatlichen Beihilfen nicht wird unterzeichnen können».

Bei den umstrittenen Punkten habe die Schweiz konkrete Vorschläge gemacht. «Allerdings haben die Diskussionen nicht den nötigen Fortschritt gebracht.»

«Falls der Bundesrat dieses Rahmenabkommen unterzeichnen soll, muss er in der Lage sein, das Parlament, das Volk und auch die Kantone zu überzeugen.» Das sei nicht nur im Interesse der Schweiz, sondern auch im Interesse der EU, sagte der Bundespräsident weiter.

Parmelin in Brüssel: «Positionen liegen weit auseinander»

Das Gespräch zwischen Bundespräsident Guy Parmelin und Ursula von der Leyen brachte keine Lösung für die festgefahrenen Verhandlungen.

SVP verlangt Ende der Verhandlungen

Die SVP zeigt sich erfreut, dass Bundespräsident Guy Parmelin beim Treffen mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hart geblieben sei und keine Kompromissbereitschaft signalisiert habe. Die Grünen hingegen verlangen ein erweitertes Verhandlungsmandat des Bundesrats.

Damit ist das Rahmenabkommen definitiv gescheitert», teilte die SVP Schweiz am Freitag mit. Die Partei fordere den Bundesrat auf, das Abkommen nun offiziell zu beerdigen, damit endlich Klarheit herrsche.

Die SVP bedauere zwar, dass der Bundesrat nicht den Mut hatte, dies EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bereits klar mitzuteilen. Positiv wertet die SVP jedoch, dass ihr Bundesrat Parmelin weder Zugeständnisse gemacht noch weitere Kompromissbereitschaft signalisiert hat.

Ein erweitertes Verhandlungsmandat des Bundesrats verlangt hingegen Balthasar Glättli, Präsident der Grünen Partei Schweiz.

«Der Bundesrat hat weder den Willen noch einen Plan, wie er die Blockade mit der EU durchbrechen kann», teilte Glättli mit . «Wir sagen ja zu einem Rahmenabkommen mit gesichertem Lohnschutz. Um das zu erreichen, muss der Bundesrat sein Verhandlungsmandat erweitern und der EU in Steuerfragen entgegenkommen.»

(sda/tdr)

Parmelin fordert Gleichgewicht

Für die Schweiz sei das Gesamtpaket wichtig. Denn die Schweiz habe die dynamische Übernahme des EU-Rechts auf den Tisch gelegt, wie die EU das wollte. Als Gegenleistung verlange man nun von der EU Präzisierungen in den drei bekannten Punkten. Die Waage müsse wieder ins Gleichgewicht.

Auf die Frage, ob die Schweiz die drei umstrittenen Punkte herauslösen wollte, sagte Parmelin lediglich, die Schweiz habe ein weiteres Mal verlangt, konstruktive Lösung zu finden.

Auch bei der Frage, was passiere, wenn es beim Rahmenabkommen keine Einigung gebe, blieb der Bundesrat vage. Er sagte lediglich, man werde den «Kontakt mit der EU halten und die Situation beobachten.»

(sda/tdr)