Noch eine Woche. Dann entscheidet das deutsche Wahlvolk darüber, wer künftig im Berliner Kanzleramt wohnt. Darf Amtsinhaberin Angela Merkel bleiben oder zieht dort bald ihr Herausforderer SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ein? Der Wahlkampf ist auf der Zielgeraden. Nach einem verkorksten Auftakt zeigte der SPD-Spitzenkandidat bislang einen sicheren Eindruck. Der Abstand der SPD zur CDU bleibt freilich immens.

Und gerade da provoziert Steinbrück erneut. Er lässt sich  auf dem Titelbild des Magazins der «Süddeutschen Zeitung» im schwarzen Sakko und weissem Hemd ablichten und zeigt dabei den «Stinkefinger». Es sind Provokationen, wie sie die Schweiz nur allzugut kennt. Als Bundesfinanzminister liess er im Steuerstreit mit der Eidgenossenschaft verlauten, dass Deutschland Steuerbetrug nicht nachweisen könne, «weil uns die Schweiz die Informationen dazu» vorenthalte. Deshalb müsse Deutschland statt zum Zuckerbrot auch zur «Peitsche» greifen.

Der laute Steinbrück...

Die Drohung der «Schwarzen Liste» gegen Steueroasen durch die OECD sei in den Augen Steinbrücks gewissermassen «die siebte Kavallerie vor Yuma» gewesen, die «man ausreiten lassen kann, aber die nicht unbedingt ausreiten muss». Die Indianer müssten lediglich wissen, dass es sie gäbe. 

Rückblickend empfindet «Peitschen-Peer» - der das Nashorn als sein Lieblingstier bezeichnet - noch immer keine Reue für seine Aussagen der Schweiz gegenüber. Es sei «keine depperte Idee» gewesen, die Schweiz im Steuerstreit zu attackieren. Zudem hält der ehemalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen an seiner Maximalforderung fest. «Wir kriegen einen automatischen Informationsaustausch. Wir werden so ähnlich behandelt, wie die Amerikaner, die Informationen über ihre US-Bürger mit Konten in der Schweiz bekommen».

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... und die zurückhaltende Merkel

Im Vergleich dazu hielt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Kritik an der Schweiz zurück. Der Grund: Die deutsche Regierung trieb unter ihrer Führung das Steuerabkommen mit der Schweiz voran - wenn auch ohne Erfolg. Daher verwundert es nicht, dass sich die Kanzlerin beim Thema Steuergerechtigkeit lediglich zu diesem Satz hinreissen liess. «Wir gehen jetzt mal den Weg der Verhandlungen. Und ich denke, dass wir das Beispiel der Schweiz und USA sehr wohl im Auge behalten».

Sehen Sie in der obenstehenden Bildstrecke weitere Aussagen der Kandidaten zur Schweiz.