Philipp Röslers Ausstieg aus der aktiven Politik könnte früher kommen als von ihm angekündigt. Er wolle mit 45 Jahren aussteigen und bis dahin gerne Parteichef sowie Minister und Vizekanzler bleiben, hat Rösler wiederholt erklärt. Diese Perspektive ist am Sonntagabend zerplatzt, fünf Jahre vor dem angestrebten Termin.

Nach dem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl liegt die FDP am Boden. Rösler räumte ein, seit Amtsübernahme im Mai 2011 sei es ihm trotz einiger gewonnener Landtagswahlen nicht gelungen, einen Aufbruch für die Bundestagswahl zu erzeugen. Er werde daher politisch und persönlich die Verantwortung übernehmen, sagte der Niedersachse und deutete damit seinen Rücktritt als Parteichef an. Dass Rösler in der außerparlamentarischen Opposition noch eine Rolle für die FDP spielen wird, ist nicht zu erwarten.

Der einstige Hoffnungsträger der Partei machte zugleich im Beisein seiner Ehefrau Wiebke mit ernster Miene deutlich, dass ihm dieser Schritt schwerfalle. Alle Posten die er bisher wahrgenommen habe, seien für ihn nicht einfach ein Job gewesen. «Sondern es war Beruf im Sinne von Berufung.»

Steile Karriere

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Die Sprossen der Karriereleiter hat Rösler schnell erklommen, vielleicht zu schnell. In den vergangenen zweieinhalb Jahren war er FDP-Chef, Vizekanzler und Wirtschaftsminister. Höher kann ein Liberaler in Deutschland kaum steigen - es sei denn, er würde Bundespräsident.

Im Mai 2011 übernahm Rösler das FDP-Ruder in schwerer Zeit. Die Partei hatte einen historischen Absturz erlebt - vom Rekordergebnis bei der Bundestagswahl von 14,6 Prozent auf unter fünf Prozent in den Umfragen. Hinzu kamen zahlreiche Wahlniederlagen in den Bundesländern. Die Mehrheit der Partei sah die Schuld dafür beim Vorsitzenden Guido Westerwelle. Von der damaligen jungen Troika um Rösler, dem damaligen Generalsekretär Christian Lindner und dem heutigen Gesundheitsminister Daniel Bahr wurde er zum Rückzug gedrängt.

Beim Parteitag im Mai 2011 in Rostock wurde Rösler schließlich bejubelt und mit gut 95 Prozent zum Vorsitzenden gewählt. Vollmundig versprach der jüngste Parteichef in der Geschichte der Liberalen: «Ab heute wird die FDP liefern.» Ein Satz, der ihm später von Kritikern noch vorgehalten wurde.

Diskussionen um Führungsqualitäten

Zum Zeitpunkt der Übernahme des FDP-Vorsitzes und des Wirtschaftsministeriums war Rösler lediglich eineinhalb Jahre in Berlin, nachdem ihn Westerwelle 2009 überraschend zum Gesundheitsminister gemacht hatte. Davor hatte der in Vietnam geborene Rösler eine steile Karriere in Niedersachsen hingelegt - vom Generalsekretär und Fraktionschef bis hin zum Landesvorsitzenden, Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsidenten.

Als Parteichef gelang es ihm aber nicht, das Schiff aus dem schwierigen Fahrwasser zu manövrieren. Beinahe permanent dümpelte die Partei an der Fünf-Prozent-Hürde herum, was jedoch nicht allein Rösler angelastet werden kann. Als Rösler sein Amt antrat, wollte die Partei weg vom jahrelang gepflegten Image der Steuersenkungspartei und sich thematisch breit aufstellen. Unter seiner Führung versuchte sie, sich als strenge Haushaltskonsolidiererin gegen neue Steuern und höhere Schulden zu profilieren. Doch schon kurz nach seiner Wahl kam in regelmäßigen Abständen eine Diskussion über seine Führungsqualitäten auf, angezettelt von den Parteifreunden. Vor und hinter den Kulissen wurde auf seinen Ausrutschern herumgeritten.

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«Der nette Herr Rösler»

Bei einer Niederlage in seinem Heimatbundesland Niedersachsen im Januar wäre Rösler schon nicht mehr zu halten gewesen. Doch er fuhr dort 9,9 Prozent ein - dank einer Zweitstimmenkampagne, die bei der Bundestagswahl nicht verfing. Zudem sicherte er sich gestärkt durch diesen Erfolg durch einen geschickten Schachzug sein Amt: Er seinem damaligen Kontrahenten Rainer Brüderle den Vorsitz an, dieser jedoch fühlte sich überrumpelt und lehnte ab. Beide verständigten sich auf eine Tandem-Lösung. Von da an herrschte im Sinne eines Burgfriedens Ruhe in der Partei.

In den vergangenen Monaten konnte Rösler an Statur gewinnen. Geschätzt werden an ihm sein Humor, seine schnelle Auffassungsgabe, seine höfliche Art - «der nette Herr Rösler». Wankelmütig und deshalb durchsetzungsschwach lauten andere, weniger nette Bemerkungen über den bekennenden Familienmenschen. Auch der Wahlkampf, die inhaltlichen Schwerpunkte bis hin zur Präsentation gefielen nicht allen in der Partei. Vor allem die Zweitstimmen-Kampagne im Endspurt wirkte auf viele profillos.

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«Schluss mit Schulden»

Allerdings hat die FDP unter Rösler auch Erfolge vorzuweisen. Die Abschaffung der Wehrpflicht etwa geht auf ihren Druck zurück. Im November vergangenen Jahres gelang es ihr, die Abschaffung der Praxisgebühr gegen den Widerstand der Union durchzusetzen. Auf der Haben-Seite der FDP steht auch die Nominierung von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten-Kandidaten.

(reuters/moh)