Der Chef des grössten Schweizer Rohstoffkonzerns gibt keine Interviews. Ivan Glasenberg meidet die Öffentlichkeit. Seine Anleger ficht das nicht an. Denn um ein Fünftel steigerte Glencore Xstrata die Kupferproduktion in der ersten Hälfte 2013. Knapp 675'000 Tonnen wurden aus den Minen gefördert, die sich der Rohstoffgigant rund um den Globus zusammengekauft hat: Afrika legte mit über 40 Prozent am stärksten zu, aber auch in Peru und in Australien liefen die Geschäfte gut, teilte der Konzern im Sommer mit.

Glencore Xstrata ist keine Ausnahme. Die gesamte Schweizer Rohstoffbranche ist im Aufwind: Rund 500 Unternehmen mit 10'000 Mitarbeitern erwirtschaften im Transithandel 20 Milliarden Franken – rund 3,5 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts. «Der Standort Schweiz ist weltweit einer der wichtigsten Rohstoffhandelsplätze», stellte der Bundesrat im Frühjahr fest. Inzwischen trägt die Branche sogar mehr als der Schweizer Bankensektor zur Wertschöpfung bei.

Rohstoffkonzerne agieren oft am Rande der Legalität

Das Geschäft ist lukrativ: Die Mittelschicht in vielen aufstrebenden Schwellenländern Asiens und Südamerikas wächst. Mit dem Konstumhunger steigt die Nachfrage nach Ressourcen – der jedoch ein begrenztes Angebot gegenübersteht.

Die grossen Rohstoffkonzerne bewegen sich in ihrem täglichen Geschäft oft am Rande der Legalität. Immer häufiger müssen sie sich verantworten. Die Staatsanwaltschaft im peruanischen Cusco stellte im vergangenen Jahr Strafanzeige gegen Xstrata: Wegen mutmasslicher Delikte gegen die Umwelt, die Einwohner des Landes und den peruanischen Staat selbst. «Entnommene Blut- und Urinproben der Bewohner um den Kupfertagebau von Xstrata zeigen, dass diese unter anderem Schwermetallkonzentrationen von Blei und Quecksilber enthalten», schrieb die Sozialgeografin Golda Fuentes von «Multiwatch». In der Region seien bei Schafen und Alpacas körperliche Missbildungen registriert worden, hiess es in der Anklageschrift.

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Zwei Tonnen Gestein für 50 Kilogramm Kupfer

Vielleicht das grösste Problem für die Branche: Es wird immer aufwendiger, die Ressourcen aus der Erde zu holen – egal, ob es sich nun um Rohöl, Kupfer oder den für die Informationstechnologie wichtigen Rohstoff Seltene Erden handelt. Der Italiener Ugi Bardi kennt das Problem wie nur Wenige. Für den Club of Rome hat er den diesjährigen Bericht mit dem Titel «Der geplünderte Planet» verfasst, den es seit heute als rund 350-seitiges Buch im Handel zu kaufen gibt.

«Als der Abbau von Kupfer begann, lag die Durchschnittskonzentration in der Regel bei 15 Prozent», sagt der Chemie-Professor von der Universität Florenz. Heute jedoch, so Bardi, betrage die Konzentration im Gestein nur noch zwischen 0,5 und 1 Prozent. Übersetzt in den Alltag bedeutet das: Für 50 Kilogramm Kupfer – so viel sind heute etwa in einem neuen Auto verbaut – müssen rund zwei Tonnen Gestein aus der Erde gehoben werden.

Kupferproduktion erreicht womöglich bald ihr Maximum

Bardi rechnet damit, dass die weltweite Kupferproduktion ihr Maximum 2023 erreicht haben dürfte. «Selbst wenn es in der nahen Zukunft möglich sein sollte, Erze aus den Tiefen des Meeresgrundes auf finanziell tragbare Weise zu fördern, können wir den Zeitraum des Kupferabbaus nur um 10 bis 15 Jahre verlängern, wenn man die aktuellen Produktionsquoten betrachtet.»

Bardi rechnet mit weiter steigenden Preisen. Denn der Abbau von Rohstoffen wird nicht nur wegen des höheren Aufwands teurer, sondern auch weil die dafür benötigte Energie – trotz neuer Erschliessungsmethoden wie Fracking – immer kostspieliger wird. «Es kommt zu einer Spaltung: Für viele Menschen in armen Kontinenten wie Afrika oder Südamerika werden lebensnotwendige Rohstoffe wie Öl unerschwinglich.»

Die Schweiz ist in einer vergleichsweise komfortablen Position

Die Schweiz sieht Bardi hingegen in einer komfortablen Position – auch im Vergleich mit vielen anderen Industriestaaten. Denn die Eidgenossenschaft importiert dank der Atomkraft relativ wenig ihres Energieverbrauchs. Entsprechend ist die Schweiz weniger abhängig von Preisausschlägen an den internationalen Energiebörsen. Das bedeutet Planungssicherheit.

Doch auch hier warnt Bardi: «Abgesehen von der Endlagerung ist auch Uran ein endlicher Rohstoff.»