Das islamisch-konservative Saudi-Arabien will Frauen in Zukunft das Autofahren erlauben. Dies sieht ein königlicher Erlass vor. König Salman habe die Regierung angewiesen, Regularien zu erarbeiten, nach denen sowohl Männern als auch Frauen Fahrerlaubnisse erteilt werden sollen, hiess es am Dienstag in einer Mitteilung der staatlichen saudischen Presseagentur SPA.

Zunächst solle ein Komitee verschiedener Ministerien entsprechende Möglichkeiten prüfen. Spätestens im Juni 2018 sollen die neuen Regularien umgesetzt werden.

Strenge Regeln

Saudi-Arabien ist bislang das einzige Land der Welt, in dem Frauen nicht alleine Autofahren dürfen. Überhaupt gelten in der arabischen Monarchie strenge Regeln für Frauen. So müssen sie beispielsweise strenge Kleidungsvorschriften befolgen.

Bis vor kurzem waren sie in vielen Alltagssituationen auf die Hilfe eines männlichen Vormunds angewiesen. Immer noch dürfen Frauen ohne männliche Zustimmung nicht alleine ausser Landes reisen oder heiraten.

«Sieg für alle Frauen»

«Das ist ein Sieg für alle Frauen auf der Welt», sagte die saudische Aktivistin und Mitbegründerin der Gesellschaft zum Schutz der Frauenrechte in Saudi-Arabien, Wadscheha al-Huwaider, der Nachrichtenagentur dpa.

«Ich freue mich so. Wir haben so lange für diesen Schritt gekämpft und jetzt wird er endlich wahr.» Die Aktivistin kämpft seit Jahren für ein Ende des Fahrverbots und mehr Frauenrechte in Saudi-Arabien.

Mehrere Frauen festgenommen

In der Vergangenheit waren mehrfach Frauen festgenommen worden, die gegen das Fahrverbot verstiessen und aus Protest Videos von sich am Steuer ins Internet stellten. Die 2014 festgenommene Aktivistin Ludschain Hathlul schrieb als Reaktion auf Twitter: «Gott sei Dank!».

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Erst kürzlich war eine junge Frau von der Polizei in Gewahrsam genommen worden, weil sie in einem Internet-Video im Minirock zu sehen gewesen sein soll. Menschenrechtsgruppen kritisieren immer wieder die schwierige Menschenrechtslage in Saudi-Arabien. In dem Land gilt noch immer die Prügelstrafe.

Vom Wahhabismus dominiert

Die saudische Politik und Gesellschaft sind vom Wahhabismus dominiert, einer besonders strengen Auslegung des Islams. Zuletzt hatte das Königshaus aber mehrfach neue Gesetze erlassen, um die Gesellschaft zu öffnen. Erst am vergangenen Wochenende war Frauen erstmals Zutritt zu einem Sportstadion gewährt worden, wo sie in Begleitung ihrer Familien die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag verfolgen konnten. Im Juli erlaubte das Bildungsministerium die Teilnahme von Mädchen am Sportunterricht staatlicher Schulen.

Einige religiöse Gelehrte hatten sich aber immer wieder gegen eine Lockerung des Fahrverbotes ausgesprochen.

«Hüter der religiösen Werte»

Die neu auszuarbeitenden Regularien müssten selbstverständlich im Einklang mit dem islamischen Recht stehen, hiess es in der Mitteilung der SPA. Man beziehe sich auch auf die negativen Auswirkungen, die es mit sich bringe, Frauen nicht fahren zu lassen. Auch die positiven Aspekte, die diese Entwicklung mit sich bringe, seien berücksichtigt worden. Der Staat als Hüter der religiösen Werte werde weiter die Sicherheit und den Schutz der Gesellschaft garantieren. In der Erklärung wird betont, dass die Mehrheit des höchsten religiösen Rates des Landes der Entscheidung des Königs zugestimmt habe.

Die historische Entscheidung ist Teil eines gigantischen Reformprojektes: Im Rahmen von Vision 2030 will Riad seine Wirtschaft und Gesellschaft umfassend modernisieren. Die treibende Kraft dahinter ist der 32-jährige Kronprinz Mohammed bin Salman, der als Hoffnungsträger gilt. Mehr als die Hälfte der Einwohner im Land sind jünger als 25 Jahre.

(sda/ise/mbü)