In Bejing traf sich Anfang dieser Woche die Nationale Energiekommission von China, geleitet von Premierminister Li Keqiang. Das Gremium ist für die grossen strategischen Züge in der Energiepolitik der Volksrepublik zuständig. Beim Meeting vom Montag ging es um die Versorgung für den nächsten 5-Jahres-Plan. 

«Kohle bleibt die wichtigste Energieressource von China», stellte Li nun klar. «Es ist wichtig, dass wir zuverlässige Pläne für ihre Gewinnung entwickeln. Und dass wir die Entwicklung des Kohletransports und der Energieübertragung beschleunigen», sagte der zweite Mann im Staat laut «China Daily» am Treffen, an rund zwei Dutzend Ministern und Staatssekretäre teilnahmen.

Das steht auf den ersten Blick in einem krassen Widerspruch zu diversen Bekundungen der Regierung in Peking, den Klimawandel ernst zu nehmen, den Smog im Land zu bekämpfen und alternative Energieformen zu fördern. Doch offenbar geht es um die Versorgungssicherheit – die Kohle soll Chinas nationalen Energieverbrauch garantieren. Wie die Äusserungen im Zusammenhang mit Lis Auftritt zeigen, hegt Beijing hier Sorgen.

Ölarmes Riesenreich

«Die Regierung muss die Energieversorgung diversifizieren, um die Sicherheit zu verbessern», sagte Li beim erwähnten Auftritt. «Sie soll die heimische Öl- und Gas-Exploration ausbauen und den Aufbau von Öl- und Gas-Reserven forcieren.» Ziel sei es, die Selbstversorgung hier zu erhöhen.

Das Problem: China hat im Verhältnis zum Bedarf sehr geringe Öl- und Gasvorkommen, ist hier also vom Ausland abhängig. Angesichts des Handelsstreits und der zunehmenden Spannungen mit den USA befürchtet die Regierung, hier mehr und mehr in die Zwickmühle zu geraten – eine Sorge, die durch die Instabilität in den Öl-Ländern des Mittleren Ostens noch verschärft wird.

Anzeige
Haoji Kohle Klima

Chinas Klima-Politik in Aktion: Eröffnung der Haoji-Transportlinie in Haolebaoji, Innere Mongolei, 28. September 2019: Die Schwerlast-Trasse wurde eigens zum Kohle-Transport gebaut.

Quelle: Xinhua

Dies macht die Kohle zum Rückgrat der chinesischen Energieversorgung – trotz der Probleme, die dem Land und der ganzen Welt dadurch entstehen. Konkret: Derzeit plant das kommunistische Reich den Bau von Kohlekraftwerken, die insgesamt 226 Gigawatt produzieren können; dies entspricht fast der gesamten Produktion von Deutschland.

Wie das Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) errechnet hat, sind China und Indien jetzt schon für 60 Prozent des Stroms verantwortlich, der mittels Kohle produziert wird. Derzeit ist Kohle für knapp ein Drittel der laufenden CO2-Verschmutzung der Atmosphäre verantwortlich.

Mehr / Quellen

Anzeige

(rap)

Lunch Topics: Das läuft jetzt

Abonnieren Sie den Newsletter der «Handelszeitung»-Chefredaktion – und Sie haben die wichtigsten Business-News. Stets zur Mittagszeit. Kostenlos.