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Paradise Papers
Wie Weltverbesserer Bono seine Steuern optimiert

Wie Weltverbesserer Bono dem Fiskus entflieht
Bono: Profi im Steuersparen und Investieren. Keystone

Bono gefällt sich in der Rolle des Kämpfers gegen die Armut. Doch der U2-Frontmann ist auch ein gewiefter Steueroptimierer, wie die Paradise Papers beweisen.

Von Stefan Barmettler
2017-11-11

Schon bald wird U2-Frontmann Bono in schweren Schuhen wieder durch das Davoser Kongresszentrum stapfen und den Managern aus aller Welt die Leviten lesen. Er wird am World Economic Forum 2018 gegen die erdrückende Schuldenlast Afrikas und gegen die ungerechte Vermögensverteilung wettern. Als treibende Kraft von «Make Poverty History» ist er eine beherzte Stimme auf allen Bühnen.

Noch in einem anderen Gebiet könnte Bono in Davos mit seinem Expertenwissen auftrumpfen: Beim Optimieren von Vermögens- und Gewinnsteuern. Kaum einer versteht es nämlich so gut beim Ausloten von Steuerschlupflöchern wie der selbsternannte Armutsbekämpfer.

Gewinnsteuer bei 5 Prozent

Kaum überraschend also, dass Bono vor einer Woche in den Paradise Papers auftaucht. Die Unterlagen aus der Anwaltskanzlei Appleby zeigen, dass Bono in der Finanzgesellschaft Nude Estates in Malta investiert war. Auf der Mittelmeerinsel steht die Gewinnsteuer bei 5 Prozent, viermal tiefer als in Grossbritannien.

Die Nude-Assets wurde von der Mutterfirma auf Malta auf die britische Kanalinsel Guernsey verschoben, wo die Tochterfirma Nude Estates 1 domiziliert ist. Sie drückt dort nicht 5 Prozent an Steuern ab wie in Malta, sondern 0 Prozent. Nude Estates beteiligte sich 2007 am Ausra-Shoppingcenter in Litauen, das in Litauen ebenfalls steuerbefreit ist.

Der steueroptimierte Gutmensch Paul Hewson aka Bono ging vor drei Tagen via Facebook in die Offensive. Die Firmenverantwortlichen hätten ihm vor seinem Einstieg als passiver Investor glaubhaft versichert, alles sei steuerkonform. «Falls das nicht der Fall wäre, will ich dies ebenso wissen wie die Steuerbehörden.» Deshalb begrüsse er deren Audit.

Gemeinsam mit den Rolling Stones

Es ist nicht das erste Mal, dass Bono und U2 als Steuerminimierer ins Gerede kommen. Vor 12 Jahren verlegte die irische Band ihren Geschäftssitz an den Herrengracht 566 in Amsterdam, an dieselbe Adresse, wo bereits die Rolling Stones ihre Tourneeeinnahmen konsolidieren.

U2 und Rolling Stones versteuern dort ihre Reingewinn, der jeden «Davos Man» neidisch macht. Während europaweit Gewinnsteuern von 20 bis 35 Prozent üblich sind, liefern die Rockmusiker in Amsterdam dank einem Steuerruling nur knapp 2 Prozent. Das ist zwar legal, aber seit Jahren höchst umstritten. Die EU macht via Anti Tax Avoidance Directive Druck auf die Niederlande, Luxemburg, Malta und die britischen Kanalinseln - bis dato ohne Erfolg.

Forbes und Facebook

Doch nicht nur beim Steuersparen beweist Bono Kompetenz, auch beim Investieren ist er ein Profi. Dreh- und Angelpunkt ist die Beteiligungsgesellschaft Elevation Partners in Menlo Park in Kalifornien. Auf der Website ist der irische Sänger - neben ehemaligen Apple-Executives - als Mitglied des Investmentteams aufgeführt.

Elevation Partners hat sich früh beteiligt an Technologiefirmen wie Palm oder MarketShare oder am Medienhaus Forbes. Doch das lukrativste Engagement ist jenes in Facebook im Jahr 2009. Mit 86 Millionen Dollar sind Bono & Co eingestiegen, heute ist das Asset über ein Mehrfaches wert.

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