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CEO-Leistung
Selbst der Beste ist nur Mittelmass

Die besten Versicherungs-CEOs
 Quelle: Studio Wittwer

Helvetia-Chef Philipp Gmür machte vergangenes Jahr für seine Stakeholder den besten Job. Im europäischen Vergleich sind die schweizerischen Versicherungs-CEOs jedoch nur teuer bezahltes Mittelmass.

Von Matthias Niklowitz
am 25.09.2018

Schweizer Top-Executives und insbesondere die CEOs verdienen sehr gut: Gemäss einer Auswertung des deutschen Vergütungsberatungsunternehmens HKP unter den europäischen Firmen, die im Stoxx-Aktienindex vertreten sind, belegen die obersten Chefs schweizerischer Firmen die Ränge eins, drei und fünf unter europäischen Firmen. Die CEOs von Roche, UBS und Novartis ziehen auch im weltweiten Vergleich den Durchschnitt nach oben. Mehr verdienen lediglich die US-Spitzenkräfte.

Gut bezahlte Präsidenten

Ein ähnliches Bild zeigt auch der Einkommensvergleich der Verwaltungspräsidenten: Hier spielen die Vorsitzenden von UBS, Roche und Novartis in einer eigenen Liga. Zurich-Verwaltungsratspräsident Tom de Swaan (im Amt bis April 2018) kommt auf Platz vier, vor dem ersten nicht-schweizerischen Konzern Axa. Im Ländervergleich verdienen die schweizerischen Verwaltungspräsidenten viermal mehr als die am zweitbesten entschädigten europäischen Kollegen aus Grossbritannien. Bei HKP führt man das teilweise auf die höhere Verantwortung schweizerischer Verwaltungspräsidenten und ihr Engagement als Vollzeitjob zurück. Teilweise lässt sich die Entschädigung auch historisch erklären: Noch vor wenigen Jahrzehnten waren einzelne Chefs CEO und Verwaltungspräsident in Personalunion.

Unter den schweizerischen Versicherungs-CEOs schnitt im Jahr 2017 Helvetia-Vertreter Philipp Gmür am besten ab (siehe Tabelle), gefolgt von seinen Peers Philippe Hebeisen (Vaudoise) und Gert De Winter (Baloise). Während es vorne ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit knappen Abständen unter den ersten vier gab, waren Zurich-CEO Mario Greco und vor allem Swiss-Re-Chef Christian Mumenthaler deutlich abgeschlagen. 

Ranking Versicherungs-CEOs

«Aufgrund unserer Analyse waren 51 Prozent der Schweizer Industrieunternehmen besser als mindestens die Hälfte ihrer Vergleichsunternehmen – dies auf Ebene kombinierter Rang», erklärt Daniel Wiederkehr, der bei Obermatt für die CEO-Vergleichsberechnungen zuständig ist. «Der Blick auf die Versicherer zeigt, dass dies nur einem Drittel dieser Unternehmen mit Punktewerten über 50 gelungen ist und diese es nur knapp über den Median in ihrer Peergruppe geschafft haben», so Wiederkehr.

Dies zeigt, dass die Schweizer Versicherer im Jahr 2017 einen schweren Stand hatten. Denn lediglich Score-Werte über 50 zeigen an, dass man sich besser entwickelt hat als der europäische Durchschnitt. Selbst der beste schweizerische Versicherungs-CEO ist demnach europaweit lediglich im Mittelfeld.

Die richtige Mischung finden

Doch es gibt noch weitere Feinheiten, die mit der Ausrichtung der einzelnen Versicherungen zu tun haben: Helvetia konnte sich laut den Spezialisten von Obermatt gegenüber ihrer Vergleichsgruppe (Schwerpunkt Multiliner-Versicherung) wesentlich besser behaupten als die Swiss Re gegenüber ihrer Vergleichsgruppe (mit Schwerpunkt Rückversicherung). «Da unsere Methode sich nur auf Finanzzahlen stützt und keine subjektiven Kriterien Einfluss auf das Resultat haben, kann ein CEO seinen Score nur durch gute Kennzahlen verbessern», erklärt Wiederkehr.

«Eine aggressive Umsatzwachstumsstrategie kann demzufolge bei erfolgreicher Umsetzung zu einem besseren Abschneiden in der Kategorie Umsatz- oder Ertragszuwachs führen.» Wenn diese Wachstumsstrategie jedoch hohe Investitionen erforderte, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Gewinnwachstum und damit der Gewinnwachstumsrang darunter leiden. «Um auf kombinierter Ebene erfolgreich zu sein, gilt es also, auch die richtige Mischung zu finden», empfiehlt Wiederkehr CEOs, die ihren Score verbessern möchten.

Da die meisten schweizerischen Unternehmen mit einer internationalen Gruppe von Branchenpeers verglichen werden, handelt es sich bei den exogenen Faktoren vor allem um solche, die den Wirtschaftsstandort Schweiz betreffen, beispielsweise die Währung und das investorenfreundliche Umfeld. Davon konnten die gelisteten Versicherungen in unterschiedlichem Ausmass profitieren: Auf Zehnjahressicht hat die Vaudoise mit einem Aktienkursplus von 174 Prozent alle anderen deutlich abgehängt. Swiss Life legte 74 Prozent zu. Helvetia kommt auf ein Plus von 70 Prozent, Baloise auf plus 56 Prozent. Selbst Swiss Re legte noch 30 Prozent zu und schlug Zurich um Längen (plus 5 Prozent).

 

 

Die ganze Geschichte lesen Sie in der aktuellen «Schweizer Versicherung».

«Schweizer Versicherung» Nr. 10