Vor Weihnachten hat die Mailänder Bank Intesa Sanpaolo mittels ihrer Versicherungstochter Intesa Sanpaolo Vita die Kontrolle des im Gesundheitssektor tätigen Versicherers RBM Assicurazione Salute übernommen. Für 50 Prozent Anteile und eine Aktie der bislang unter der Kontrolle der Unternehmerfamilie Favaretto gestandenen Assekuranz wird die Bank bis Jahresmitte 2020 rund 300 Millionen Euro zahlen. Wie aus einer Bankmitteilung hervorgeht, beabsichtigt Intesa Sanpaolo, bis 2029 stufenweise 100 Prozent des RBM-Kapitals zu übernehmen. Der Preis dafür hängt u. a. auch davon ab, ob die bereits festgesetzten Ziele in den nächsten Jahren erreicht werden. Der Übernahmepreis soll in den kommenden Jahren nach einer festgesetzten Formel definiert werden.

Die neuzugründende Gesellschaft «Intesa Sanpaolo RBM Salute» mit einem Prämienaufkommen 2019 von 606 Millionen Euro verfügt derzeit über einen geschätzten Marktanteil von 20,8 Prozent. Vorgesehen ist unter anderem, dass der Vertrieb im Bankenversicherungsbereich ausgebaut wird. Die Gesellschaft will sowohl bei Unternehmenskunden wie auch im Retail tätig sein.

Den Namen geändert

Seit im Jahr 2012 die Lebensversicherung Intesa Sanpaolo Vita gegründet wurde, hat sich die Bank zunehmend im Versicherungsbereich engagiert und auch den Namen in «Intesa Sanpaolo, Banca e Assicurazioni» geändert. Die beiden Partner kooperieren bereits seit Monaten, nachdem die 220’000 Bankangestellten bei RBM und Previmedical im Gesundheitswesen und Welfare versichert sind. Beide Gesellschaften zählen zum Imperium der Dachgesellschaft RBH (RB Hold).

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Bei der 2007 gegründeten RBM, Tochtergesellschaft der RBH, handelt es sich um den einzigen «Familienbetrieb» im italienischen Gesundheitsmarkt. RBM ist der drittgrösste Player am italienischen Markt für Kranken- und Gesundheitsversicherungen, zählte 2018 knapp fünf Millionen Kunden, kooperiert mit 130 integrativen Gesundheitsfonds und Krankenkassen und verzeichnete 2018 bei einem Brutto-Prämienaufkommen von 515 Millionen Euro einen Nettogewinn von 37 Millionen Euro.

Der bisherige Chef von RBM Assicurazione Salute, Marco Vecchietti, wird weiterhin das Unternehmen Intesa Sanpaolo RBM Salute als CEO managen. Hingegen wurde der für den Versicherungssektor der Bank verantwortliche Nicola Fioravanti zum Präsidenten der neuen Gesellschaft ernannt.

Ein Wachstumsmarkt

Der italienische Markt für Gesundheitsversicherungen ist ein Wachstumsmarkt par excellence, denn die Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheitsversicherungen liegen in Italien wesentlich unter dem europäischen Schnitt. Im Zeitraum 2015 bis 2018 wuchs die Gesundheits-Versicherungssparte jährlichen um 8,8 Prozent. Wie es bei Intesa Sanpaolo Vita heisst, wird für 2020 ein Marktanteil von 25 Prozent (nach 20,8 Prozent 2019) angepeilt. Bankchef Carlo Messina hat bereits bei der Präsentation des Geschäftsplans 2018 bis 2021 wissen lassen, dass Intesa Sanpaolo auch die Vormachtstellung im Nicht-Motorfahrzeug-Schadensektor anstrebt, nachdem sie bereits in der Lebenssparte zur Numero uno avancierte.

Zusammenschluss mit Generali

Im italienischen Versicherungswesen brodelt es. Nicht nur Intesa Sanpaolo, auch der Versicherer Generali befindet sich auf Wachstumskurs und bestätigt Interessen in Europa. Alberto Nagel, Chef der Mediobanca, der grössten Investmentbank des Landes, hat sein Interesse am Wealth Management im Allgemeinen und im Versicherungsbereich nicht ausgeschlossen. Mediobanca ist mit 13 Prozent Anteilen an Generali deren grösster Aktionär. In Mailänder Finanzkreisen werden Stimmen lauter, die von einem möglichen Zusammengehen von Banca Intesa Sanpaolo und Generali wissen wollen, auch wenn ein entsprechender Versuch vor wenigen Jahren gescheitert ist.

Der italienische Markt für Gesundheitsversicherungen ist ein Wachstumsmarkt.