Den grösseren Teil der Ausgaben im Gesundheitswesen machen die Invalidität sowie die Kosten für Todesfall und Renten für Hinterbliebene aus. Nach einem Unfall oder einer Krankheit belaufen sich die Behandlungskosten lediglich auf 31,8 Prozent der Gesamtkosten. Daher müsste an den Ausgaben für Lohnausfall oder bleibende Invalidität geschraubt werden, um die Kosten im Gesundheitswesen insgesamt besser in den Griff zu bekommen. 

Können die Absenzen bei der Arbeit oder eine Invalidität durch gute Behandlung verringert werden, sinken die Kosten massiv. Stand heute ergibt jede um zehn Prozent reduzierte Invalidität bereits eine durchschnittliche Einsparung von 150‘000 Franken.

Kostentreiber Spitaldichte

Aktuell verfügt die Schweiz über 281 Krankenhäuser – eine wesentlich höhere Anzahl als beispielsweise Norwegen, welches für 8,4 Millionen Einwohner lediglich 163 Spitäler aufweist. In Deutschland mit einer zehnmal höheren Einwohnerzahl existieren 1951 Spitäler. Dennoch verfügen auch diese Länder über eine ausgezeichnete medizinische Versorgung. Nicht nur die Kosten für Infrastruktur und Personal sind in Spitälern entscheidend, sondern auch die Auslastung und die Anzahl der Behandlungen. Je mehr Erfahrung ein Spital besitzt, desto effizienter können die Abläufe sein und desto besser kann die Infrastruktur ausgelastet werden.

Um die stetig steigenden Kosten zu dämpfen, wird man nicht darum herum kommen, die Anzahl der Spitäler in der Schweiz zu verringern. Eine flächendeckende medizinische Versorgung bleibt trotzdem gewährleistet, wie der Blick auf Norwegen und Deutschland zeigt.

St. Gallen macht es vor

Der Kanton St. Gallen hat die Schliessung der kleineren Landspitäler beschlossen und erste Kostenreduktionen dürften schon bald sichtbar werden. Bestimmt wird durch mehr Erfahrung bei den Behandlungen auch die Auslastung steigen und die Behandlungsergebnisse werden effizienter erreicht und verbessert. Die oft geäusserte Angst, wegen grösserer Distanzen zu spät im Spital anzukommen, ist unberechtigt. Bei Notfällen ist ein Helikopter schneller als der Krankenwagen auf der Strasse. Bergunfälle belegen dies eindrücklich.

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Einsparungen ergeben sich mit den oben genannten Schritten nicht nur auf Seite der Behandlungskosten, sondern auch beim Lohnausfall und der bleibenden Invalidität. Diese beiden verursachen im Durchschnitt doppelt so hohe Kosten wie die Behandlungen. Arbeitgeber und Versicherer sollten das Augenmerk somit vermehrt auf diesen Block legen und ein Netz effizienter Partner im Gesundheitswesen pflegen, um Einsparungen zu realisieren. Die Kunden werden es danken, wenn die Prämien weniger schnell steigen oder gar einmal gesenkt werden können.

Karl Ehrenbaum ist Inhaber von MHM® Medical Hospital Management, Ehrenbaum Health Consulting GmbH

«Können die Absenzen bei der Arbeit oder eine Invalidität durch gute Behandlung verringert werden, sinken die Kosten massiv.»

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Quelle: Karl Ehrenbaum