Welches sind die wichtigsten Take-aways zum Fachspital-Ranking 2024?

In diesem Jahr werden die besten Kliniken nicht in vier, sondern neu in acht Fachgebieten ausgezeichnet: Rehabilitation, Orthopädie, Kardiologie und Psychiatrie – und zum ersten Mal in Neurologie, Neurochirurgie, Herzchirurgie und Geburtshilfe.

Gibt es ein generelles Muster bei den Platzierungen?

Für die Auswertung wurde in diesem Jahr ein besonderer Fokus auf die medizinischen Kennzahlen und fachgebietsspezifische Indikatoren gelegt. So wurden beispielsweise zusätzlich zu allgemeinen Klinikwerten noch bis zu 33 fachgebietsspezifische Indikatoren ausgewertet. Dementsprechend wurden die Gewichtungen für die medizinischen Kennzahlen erhöht.

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Wie sieht das Ergebnis aus?

Trotz des angepassten Scoring-Models lässt sich ein stabiles Ranking für alle Fachgebiete erkennen. Die Übereinstimmung der ausgezeichneten Spitäler zum Vorjahr beträgt 88 Prozent bei der Rehabilitation, 74 Prozent bei der Orthopädie, 90 Prozent bei der Kardiologie und 75 Prozent bei der Psychiatrie.

Die betriebswirtschaftliche Lage vieler Kliniken ist kritisch, in vielen Fachgebieten sind die Tarife nicht kostendeckend. Zahlreiche Kliniken kommen bei den Investitionen ins Hintertreffen. Inwiefern zeigt sich das bei den Bewertungen?

Die Listen basieren auf drei Datenquellen: auf einer nationalen Online-Umfrage, auf medizinischen Kennzahlen und Patientenbewertungen. Klar ist: Sollte die Behandlungsqualität durch die ökonomische Situation der Klinik abnehmen, würde sich das im Score widerspiegeln, den die Kliniken für ihre medizinischen Kennzahlen erhalten. Das gilt auch für den Personalmangel.

Ein Vergleich zum Vorjahr: Sind die Durchschnittswerte der 280 Kliniken höher oder tiefer?

Ein direkter Vergleich des finalen Gesamt-Scores der Spitäler zum Vorjahr wäre aufgrund des angepassten Scoring-Models  nicht aussagekräftig. Generell sind die durchschnittlichen Scores der Kennzahlen der im Ranking vertretenen Kliniken im Vergleich zum Vorjahr meist gestiegen. Die medizinischen Kennzahlen liegen durchschnittlich bei 84 Prozent für die Rehabilitation (im Vorjahr bei 86 Prozent), bei 83 Prozent für die Orthopädie (Vorjahr 79 Prozent), bei 84 Prozent für die Kardiologie (81 Prozent) und bei 77 Prozent für die Psychiatrie (79 Prozent).

«Bei den ausgezeichneten Spitälern weist die Patientenzufriedenheit einen steigenden Trend aus.»

Und bei den neuen Fachgebieten?

Da sind die durchschnittlichen Werte der medizinischen Kennzahlen ebenfalls hoch: Bei der Geburtshilfe liegen sie bei 85 Prozent, in der Herzchirurgie bei 89 Prozent, in der Neurologie bei 81 Prozent und in der Neurochirurgie bei  87 Prozent.

Wie sieht es bei der Patientenzufriedenheit aus?

Bei den ausgezeichneten Spitälern weist die Patientenzufriedenheit einen steigenden Trend aus. So erreichten die Spitäler durchschnittlich 78 Prozent in der Rehabilitation, 85 Prozent in der Orthopädie und 79 Prozent in der Kardiologie.

Und wie schneiden die weniger guten Kliniken ab?

Der theoretisch bestmögliche Klinik-Score liegt bei 100 Prozent. Die Kliniken im Ranking bewegen sich zwischen 73,7 und 93,4 Prozent. Spitäler, welche bis zu 10 respektive 15 Positionen hinter der Topgruppe platziert sind, sind meist von einer schwächeren Performance in einem bis zwei der Subscores gekennzeichnet.

Das heisst?

Sie haben nur wenige bis keine Empfehlungen und/oder einen schwachen Score der medizinischen Kennzahlen und/oder bei der Patientenzufriedenheit. Die Krankenhäuser bewegen sich hier in einem Bereich ab 71 Prozent. Wer darunter liegt, hat eine schwächere Performance in mehreren Subbereichen. Der Grossteil hat keine oder nur sehr wenige Empfehlungen erhalten und zusätzlich keinen guten Score bei den medizinischen Kennzahlen und/oder bei der Patientenzufriedenheit erreicht.

Wie sieht es in der Orthopädie aus?

Der durchschnittliche finale Score der ausgezeichneten Kliniken in der Orthopädie liegt bei 79,0 Prozent, im Vorjahr betrug er 75,3 Prozent.

Das ist besser.

Es gab einige Verschiebungen. Der durchschnittliche Score bei der Reputation der Kliniken beträgt 74 Prozent, im Vorjahr waren es nur 67 Prozent. Der Score der medizinischen Kennzahlen liegt in diesem Jahr bei 83 Prozent, im Vorjahr belief er sich auf 79 Prozent.

Und bei der Patientenzufriedenheit über alle Kliniken?

Die Patientenzufriedenheit ist gleich wie letztes Jahr: 85 Prozent. Im Durchschnitt haben sich die ausgezeichneten Kliniken in diesem Jahr alle verbessert.

Bei der Umfrage fliessen auch die Meinungen von Expertinnen und Experten ein. Wie kann man verhindern, dass man sich gegenseitig unterstützt oder grosse Kliniken im Vorteil sind, weil man dort die Leute eher kennt?

Wir überprüfen täglich manuell und mit automatisierten Prozessen die Qualität aller eingereichten Antworten, etwa Antworten, die nur Eigenempfehlungen enthalten.

Das heisst?

Das sind Empfehlungen für Spitäler, mit denen die Teilnehmenden verbunden oder bei denen sie angestellt sind, auffällig schnell ausgefüllte Umfragen oder auffällig viele vorabgestimmte Empfehlungen. Wenn wir feststellen, dass die Zeit zum Ausfüllen der Umfrage zu kurz war, Eigenempfehlungen erfolgt sind oder zu viele Antworten mit Empfehlungen für ein einzelnes Spital eingereicht wurden, stellen wir sicher, dass diese entfernt werden, um die Zuverlässigkeit und Gültigkeit unserer Ergebnisse zu gewährleisten.

Grössere Spitäler sind bekannter. Wie gehen Sie damit um?

Die Umfrageergebnisse spiegeln die nationale Reputation der Spitäler innerhalb des jeweiligen Fachgebiets wider, wodurch grössere Kliniken zum Beispiel mit einer ausgeweiteten Online-Präsenz oder auch Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und in der Forschung profitieren können. Dennoch sehen wir anhand der Resultate, dass auch kleinere Fachkliniken viele Empfehlungen von medizinischen Expertinnen und Experten erhalten haben, wenn sie für ihre gute medizinische Qualität in dem Fachgebiet bekannt sind.

Wie stehen die Kliniken im internationalen Vergleich? Statista macht ja auch ein weltweites Spital-Ranking.

Die Schweizer Spitzenspitäler können sich auch in diesem Jahr in einem internationalen Kontext behaupten. Im Rahmen unseres «World’s Best Specialized Hospitals 2024»-Rankings wurden zwanzig Schweizer Kliniken aufgrund ihrer guten internationalen Reputation gewürdigt.

Wer gehört dazu?

Das Universitätsspital Zürich, welches in neun von elf Kategorien ausgezeichnet wurde, in sechs davon innerhalb der Top 100. Die guten internationalen Platzierungen decken sich mit unserer nationalen Auswertung. So konnte die Uniklinik Zürich in den Fachgebieten Kardiologie (international Top 30) und Neurochirurgie (international Top 87) den 1. Platz erreichen. Ebenso wurde das Centre hospitalier universitaire vaudois (Chuv) in sieben internationalen Fachgebieten ausgezeichnet und erreichte im Fachbereich Neurologie eine Platzierung innerhalb der Top 100 (national Rang 7). Das Inselspital Bern konnte sich in sechs Kategorien international platzieren, in drei davon innerhalb der Top 100. Diese drei Top-100-Platzierungen decken sich mit unserer nationalen Auswertung. Hier erreicht das Inselspital Bern in den Fachgebieten Kardiologie, Neurologie und Orthopädie zweimal Platz 4 und einmal Platz 11.

Und bei der Orthopädie?

Auch in diesem Jahr schaffte es die Schulthess Klinik im internationalen Orthopädie-Ranking in die Top 10 (Rang 4) und übernimmt zudem erneut den ersten Platz im Ranking «Beste Fachkliniken» in diesem Fachbereich, vor der Klinik Balgrist.

Wo sehen Sie den grössten Handlungsbedarf bei den 270 Kliniken?

Viele der untersuchten Schweizer Kliniken bieten nicht nur in einem Fachgebiet eine besondere Behandlungsqualität, sondern sind in mehreren Bereichen sehr gut aufgestellt und somit auch in mehr als einer Liste vertreten. Dies spricht für eine generelle gute Behandlungsqualität in Schweizer Kliniken. Trotzdem lassen sich zwischen den untersuchten Kliniken je Fachgebiet Unterschiede in ihrem Patientenzufriedenheits-Score, dem Score für medizinische Kennzahlen und dem Reputations-Score ausmachen. Kliniken, welche es nicht ins Ranking geschafft haben, weisen eine schwächere Performance in einem oder mehreren Subbereichen auf. Der Grossteil hat keine oder nur wenige Empfehlungen erhalten und weist zusätzlich nur einen durchschnittlichen oder unterdurchschnittlichen Score im Bereich der Patientenzufriedenheit und/oder der medizinischen Kennzahlen auf.

Das Siegel «Beste Fachkliniken 2024»

Ihr Spital wurde ausgezeichnet, Sie haben aber noch kein Siegel erworben? Dann gelangen Sie hier zu weiteren Informationen.