Die MAN Energy Solutions Schweiz entwickelt, produziert und testet Kompressorsysteme, die das Herzstück nahezu jedes industriellen Prozesses der Öl- und Gasindustrie, der Chemie und Petrochemie sowie des Energiesektors sind. MAN ist somit ein wichtiger Akteur der globalen Industrie, der seit über 200 Jahren am Werkplatz Zürich tätig ist.

Seither hat sich das Unternehmen – es hat rund 800 Mitarbeitende, davon etwa 600 Ingenieure, von denen wiederum rund 80 allein in der Forschung und Entwicklung tätig sind – vom traditionellen Maschinenhersteller zu einem Hightech-Spezialisten entwickelt.

Im Laufe dieses unternehmerischen Wandels haben Megatrends wie Nachhaltigkeit und Klimawandel stark an Relevanz gewonnen. Das Thema Dekarbonisierung steht heute im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit und verändert die Geschäftswelt.

Dabei agiert MAN mit seinen Produkten und Services dort, wo es um die grossen Treiber von wirtschaftlichem und ökologischem Fortschritt geht. Diese Verantwortung nimmt das Unternehmen wahr und hat Ende 2018 drei strategische Herausforderungen identifiziert:

  • Das bestehende Öl- und Gasgeschäft steht unter Druck und muss gesichert werden. Gleichzeitig gilt es, die Abhängigkeit von eben diesem zu reduzieren.
  • Bis 2030 sollen nachhaltige Energien zur zentralen Säule der Unternehmenstätigkeit werden. Entsprechend will MAN seine Lösungen auch für die Speicherung regenerativer Energien einsetzen und so zur Dekarbonisierung beziehungsweise zur Reduktion der CO2-Emissionen beitragen.
  • Die bestehende Infrastruktur am Escher-Wyss-Platz gilt es für ein profitables Umsatzwachstum zu nutzen und die Attraktivität für Mitarbeitende zu steigern.

 

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Vision und strategische Leitplanken

Resultat der oben genannten Herausforderungen ist das Leitbild «Züri 2025» mit ambitiösen Zielen für das Jahr 2025, erarbeitet vom Management und vom Geschäftsführer Patrik Meli. Dabei wurde rasch klar, dass trotz der starken Marktposition weitere Massnahmen notwendig sind, um ein signifikantes Umsatzwachstum von mehr als 40 Prozent zu erzielen. Hierzu wurden drei strategische Stossrichtungen definiert:

  • Initiativen zur Sicherung des bestehenden Geschäfts: Unter Initiativen versteht man bei MAN Massnahmenpakete, die das bestehende Geschäft unterstützen und weiterentwickeln. Die Initiative «Push Subsea» steht hierfür stellvertretend: Mit dem weltweit ersten Unterwasserkompressor für die Öl- und Gasförderung wurde eine bahnbrechende Innovation kreiert. Der erste dieser Kompressoren befindet sich bereits 300 Meter unter dem Meeresspiegel vor der norwegischen Küste im Einsatz. Die Hightech-Lösung ermöglicht eine Gasförderung direkt am Meeresgrund, was deutlich effizienter, sicherer und umweltfreundlicher ist als die Förderung mittels Bohrinseln. Die Gewinnung und Nutzung fossiler Brennstoffe stellt eine bedeutende Herausforderung im Industriesektor dar. So ist diese auch für MAN Energy Solutions zentral und wirkt sich auf die neuen strategischen Zielsetzungen aus.

 

  • Business Cases für neue Märkte und Lösungen: Im Rahmen von «Züri 2025» beschreiben Business Cases, wie innovative Konzepte am Markt erfolgreich umgesetzt werden können. Um sie zu erarbeiten, wurden bestehende Kompetenzen für neue Kunden und Anwendungen technologieund marktseitig geprüft. Ein bezüglich der Dekarbonisierung besonders eindrücklicher Business Case ist das gemeinsam mit ABB entwickelte Energiespeichersystem Electrothermal Energy Storage (ETES). Dabei wird Strom, idealerweise aus erneuerbarer Energie, in Wärme und Kälte umgewandelt und gespeichert. Bei Bedarf lässt sich die gespeicherte Wärme oder Kälte direkt an die Verbraucher verteilen oder innerhalb weniger Minuten CO2-neutral wieder in Strom umwandeln und erneut in das Netz einspeisen.

 

  • Digitalisierung für Kundennutzen, Prozessqualität und Effizienz: Die verschiedenen Digitalisierungsprojekte bei MAN leisten einen Beitrag zum Kundennutzen, stärken die Prozessqualität und erhöhen die Effizienz. Das Projektbeispiel «Smart Glasses for Remote Inspections» ermöglicht durch Augmented Reality Inbetriebnahmen, Inspektionen und Reparaturen von Maschinen aus der Ferne – aufwendige Reisen entfallen. Die Technologie wurde kurz vor dem Corona-bedingten Lockdown zur Nutzung freigegeben und unmittelbar mit den Kunden eingesetzt.
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Projektorganisation und Ausblick

Um die gesamthaft 17 Initiativen, Business Cases und Digitalisierungsprojekte optimal zu unterstützen, wurde ein Steering Committee nominiert, das alle sechs Wochen den Fortschritt überprüft, über Anträge entscheidet und die Risiken im Projekt beurteilt.

Beraterinnen und Berater an Bord

Die Gesamtkoordination des Leitbilds «Züri 2025» wurde durch externe Beraterinnen und Berater im Sinne eines nachhaltigen Programmmanagements aufgebaut und sukzessive an ein internes Team übergeben, sodass eine nachhaltige, interne Betreuung auch in Zukunft sichergestellt ist. Alle Massnahmen werden laufend auf ihren Beitrag zum Zielbild hin geprüft, um notwendige Korrekturen und zusätzliche Massnahmen frühzeitig in Angriff nehmen zu können.

Um den Einbezug der gesamten Belegschaft sicherzustellen, wurde für sie ein frei zugänglicher «Züri 2025»-Raum eingerichtet, in dem die Initiativen, Business Cases und Digitalisierungsprojekte visualisiert und erlebbar sind.

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Eine dazugehörige Change-Story mit passender Kommunikation trägt zudem zur Entwicklung der Unternehmenskultur und zur Förderung der Arbeitgeberattraktivität bei.

 

Robin Drost, Mitglied der Geschäftsleitung, René Braun, Senior Manager, beide Helbling Business Advisors, Zürich.