Es gibt gar nicht ausreichend Filme, die man streamen könnte», lautete eine Tech-Prognose von 2005. Zwei Jahre später hiess es: «Apple hat keine Chance mit dem iPhone.» Und vor fünf Jahren gab man den Kryptowährungen keine Chance: «Das wird böse enden.»

Die jüngere Technologieinnovationsgeschichte ist reichlich gesegnet mit Fehlprognosen, selbst von Steve Chen (Mitgründer von Youtube), Mike Lazaridis (Ex-CEO von Blackberry) und von Warren Buffett, der Investorenlegende. Eine vergleichbare Skepsis gibt es gegenüber den kühnen aktuellen Projekten wie dem Starship von Elon Musk, dem Quantum Computing, wie es von Quantum Basel vorangetrieben wird, oder dann auch gegenüber der Cargo-sous-terrain-Fracht-U-Bahn in der Schweiz.

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Risikokapital als Indikator

Grosse Innovationen bedeuten nicht gleich auch grosse kommerzielle Erfolge: In den Parc-Labs von Xerox war die erste Computermaus entstanden – Apple wurde später damit erfolgreich. Zum grossen kommerziellen Erfolg gehört eben mehr als nur die richtige Innovation zum richtigen Zeitpunkt: Laut den Analysten von Morgan Stanley müssen dafür auch Eintrittsbarrieren bestehen, die man als Erfinderin verteidigen kann – ansonsten werden die Innovationen rasch zum austauschbaren Massenprodukt.

Grosse Trends aufzuspüren, ist Teamwork. Bei der Credit Suisse beispielsweise verlässt man sich auf das Netzwerk mit den Firmen selbst, aber auch auf Beraterinnen und Berater, Personen aus der akademischen Forschung und das eigene Research Institute, um relevante Entwicklungen aufzuspüren.

Bei allen Unterschieden grosser Innovationen gibt es einige handfeste Gemeinsamkeiten. Zu den vorauslaufenden Indikatoren gehören akademische Forschungsarbeiten und -publikationen. Die Algorithmen, die hinter Chat GPT stehen, waren 2018 von Google-Forscherinnen und -Forschern publiziert worden. Dann, mit etwas Verzögerung, kommen Patente ins Spiel. Hier spielen Qualität und Quantität eine Rolle. Apple beispielsweise reichte 1980 ein Patent für den «Personal Computer» ein – 1984 folgte dann der berühmte Macintosh.

Eine weitere wichtige Etappe ist die Finanzierung durch Risikokapitalgeber. Die Venture-Capital-Branche speist sich aus dem gegenseitigen Beobachten, welche Adresse gerade welche Firma in einer Frühphase finanziert. Kleiner Perkins, ein berühmtes VC-Unternehmen, finanzierte 1976 eine halbe Million Dollar für den Start des Biotech-Unternehmens Genentech. 2009 kaufte Roche für 46,8 Milliarden Dollar die restlichen Aktien, die man noch nicht besass.

Der vierte Frühindikator sind die späten Finanzierungsrunden. Die senden indes auch mal Fehlsignale, weil sich Bewertungen aus früheren Finanzierungsrunden als zu optimistisch erwiesen hatten.

Die Analystinnen von Morgan Stanley haben mit diesem Raster achtzig vielversprechende Innovationsbereiche gefunden. Aber lediglich fünf erscheinen wirklich vielversprechend (siehe Box unten).

Innovationsbereiche mit Potenzial

1 – Transparente Solarzellen Solar- und Windenergie ist heute in Europa bereits die wichtigste Energiequelle. Solarzellen benötigen indes Platz – und es gibt sehr viele Fassaden- und Glasflächen, an die man bisher noch nicht gedacht hat. Transparente Solarzellen, wie man sie unter anderem am CSEM in Neuenburg erforscht, lassen sich auf Fenster und Fassaden aufbringen – ohne dass man sie als solche erkennt.

2 – Erweiterte Körperfähigkeiten Gemäss WHO leben weltweit 800 Millionen Menschen mit einer körperlichen Behinderung. Exo-Skelette können körperliche Schwächen, implantierte Chips Schwächen des Gehirns kompensieren. Eine grosse Herausforderung sind die Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine. Startups wie Neuralink, Synchron, Kernel und Blackrock Neurotech sowie gelistete Firmen wie Teledyne Scientific arbeiten daran.

3 – Nano- und Xeno-Roboter Roboter leisten grossartige Dinge – sie sind indes für viele interessante Anwendungen viel zu gross. Winzig kleine Roboter, die sich per Spritze in menschliche Körper einbringen lassen, werden zukünftig nicht nur Krankheiten viel früher erkennen, sondern, in erweitertem Design, auch einfache Eingriffe direkt im Körper vornehmen. Gelistete Firmen sind Thermo Fisher und Arrowhead Pharmaceuticals.

4 – Lebensverlängerung/Ewiges Leben Gemäss Ethereum-Gründer Vitalik Buterin ist die Chance, dass ein heute lebender Mensch das Jahr 3000 erleben wird, grösser als 50 Prozent. Die «regenerative Medizin» beschäftigt sich mit Prozessen, die Alterung bremsen oder sogar praktisch zum Stillstand bringen sollen. Börsengelistet sind AgeX und Unity Biotech, privat gehaltene Startups sind Life Bioscience und Biosciences Therapeutics.

5 – Tunnel/Hyper-Travel Die bestehende Transportinfrastruktur folgt oft den Wegen, die – bei Eisenbahnen – im 19. Jahrhundert und – bei Autobahnen – im 20. Jahrhundert gewählt wurden. Eng bebaute urbane Gebiete verhindern effiziente Streckenführungen. Tunnel lösen das Problem wie zum Beispiel Cargo sous terrain in der Schweiz. Elon Musk mischt mit den Firmen The Boring Company und Hyperloop Transportation auch mit.