Die Endkunden möchten bestimmen, woher sie ihren Strom beziehen. Ihre Inspiration beziehen sie von Smart-Home-Technologien.

Jeder zweite europäische Konsument kennt die neuen Stromerzeugungstechnologien, jeder dritte will sich eine solche Anlage anschaffen. Zudem gilt auch bei diesem Thema die Gleichung, wonach das Interesse und die Investitionsbereitschaft für neue Technologien umso höher liegen, je jünger die befragten Konsumenten sind. Das ist das Ergebnis einer von der US-Bank Morgan Stanley vorgenommenen Umfrage unter 7000 Konsumenten in den wichtigsten europäischen Märkten und in Nordamerika.

Digitaler Stromkonsum

Die Welt der Versorger und hier in erster Linie die der Stromproduzenten und Netzbetreiber war bisher bereits durch zögerliche Liberalisierungsschritte und die erste Welle der Veränderungen durch die dezentrale Stromerzeugung mit Solar- und Windanlagen in Bewegung gekommen. Insgesamt leidet die Branche unter generell tieferen Preisen aufgrund von Überkapazitäten, schmaleren Margen und obsolet gewordenen bisherigen teuren zentralen Assets wie Kraftwerken. In den Chefetagen antwortet man mit dem Aufbau neuer Bereiche wie Installations- und Beratungsdienste sowie dem Energiehandel und versucht so, neue Ertragsquellen zu erschliessen. Die erste Welle der Veränderungen hatte und hat in Europa und in der Schweiz einige Versorger in Schwierigkeiten gebracht.

Kommen diese Veränderungen auf breiter Front, so die Erwartungen der Analysten von Morgan Stanley, wird das nachhaltig. Denn die Endkonsumenten möchten über ihre Energielieferanten genauso individuell entscheiden und über Smartphone-Wischbewegungen bestimmen, wie sie das von vielen anderen Bereichen der Interaktion in der digitalen Wirtschaft her kennen.

Erste Anzeichen dazu gibt es, sie sind im Bereich des «vernetzten Hauses» zu finden. Das Alexa-System von Amazon und Google Home bieten inzwischen entsprechende Apps («Scipts») an, mit denen sich auch die wichtigen Parameter wie Temperatur und Schliessvorgänge von Türen und Storen von Wohnungen und Häusern individuell steuern lassen. Google verfügt dank der eigenen, via Akquisition erworbenen Nest-Sparte bereits auch über das entsprechende Hardwareportfolio, das die Digitalisierung der Haushalte inklusive der Regelung des Stromkonsums sowie der lokalen Erzeugung unterstützt.

Anzeige

Die Jungen machen Druck

Besonders rasch adaptieren jüngere Menschen die neuen Möglichkeiten. Es gibt (noch) einzelne Versorger, die darauf verweisen, dass diese in der Regel weder über Immobilien verfügen noch die Entscheidungsträger für Investitionen im Rahmen der Digitalisierung der Haushalte seien. Gemäss den Analysten sind diese Haltungen trügerisch: Junge Menschen würden zunehmend auch unter dem Eindruck der nachhaltigen Wirtschaft und indirekt über ihre Eltern ihren Einfluss geltend machen.

Auch wenn die Solarpanel-Welle in einigen Märkten «durch» ist – für die Smart-Home-Technologie sowie die Smart-Meter-Technik, mit der der exakte Energieverbrauch ermittelt und gesteuert werden kann, gilt das nicht. Hier steigt das Interesse der Konsumenten weiter. Die Technologien sind vorhanden, ihre Preise haben sich massiv reduziert. Das grösste Hindernis aus Sicht vieler Konsumenten sind die Kosten. Nähmen sie eine nüchterne Kosten-Nutzen-Analyse vor, so das Kalkül der Analysten, würden sie noch rascher auf die neuen Technologien umstellen.

Investitionen durch Einsparungen

Knackpunkt der Entwicklung bildet gemäss den Analysten oft die Frage, ob und wie stark die einzelnen Immobilien mit intelligenten Stromzählern ausgerüstet sind und wem diese gehören. Idealerweise installieren sie die Konsumenten selber – und dann erkennen sie, wie sie per App die Stromausgaben über ihren eigenen Verbrauch steuern oder gar Energie verkaufen können. Wenn es dann noch die Möglichkeit gibt, allfällige eigene erforderliche Investitionen über Einsparungen zu finanzieren, dann «kippen» die Märkte und die flexibelsten Anbieter gewinnen.