Die Work-Life-Balance ist ein Konzept, das immer mehr Menschen wichtig ist – vor allem für die Generationen Y und Z, die erst vor kurzem auf den Arbeitsmarkt gekommen sind oder kurz davorstehen.

Die Notwendigkeit, diesen Jahrgängen eine glaubwürdige gesellschaftliche Verantwortung im Dienste der Arbeitgebermarke zu entwickeln, haben die Unternehmen sehr wohl verstanden, aber man muss es auch ernsthaft tun – und das ist oft der Punkt, an dem die Dinge kompliziert werden. Die Arbeitgebermarke ist ein Konzept, das in der Regel von den Personal-, Marketing- und Kommunikationsabteilungen eines Unternehmens entwickelt wird und es ermöglicht, sowohl nach aussen als auch nach innen die Vorteile darzustellen, die es mit sich bringt, in einem Unternehmen zu arbeiten. Ziel ist, kompetente Bewerberinnen und Bewerber anzuziehen, aber auch, sie zu halten.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Bankensektor muss sich erneuern

Der Bankensektor, der als alternd, als manchmal nüchtern und als von zahlreichen Skandalen befleckt gilt, ist ein Paradebeispiel für die Notwendigkeit, CSR (Corporate Social Responsibility) in Betracht zu ziehen. Marc Bürki, CEO der Online-Bank Swissquote, sagte in einem Interview mit RTS: «Wenn man zu gross und zu reich ist, neigt man dazu, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen.»

Diese Geisteshaltung hat sich insbesondere in der mangelnden Transparenz der Finanzaktivitäten einiger Banken, in der mangelnden Rücksichtnahme auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch in einem eklatanten Greenwashing gezeigt.

Die Autorin

Noa Humair, Kommunikations- und -Personalbeauftragte, Banque Bonhôte & Cie, -Neuenburg.

Diese Anhäufung hat jedoch nur zur Folge, dass eine Bevölkerung ermüdet, die aufgrund der technologischen Revolution immer weniger von den Banken abhängig ist, sowie junge Menschen, die sich in diesen Praktiken überhaupt nicht mehr wiederfinden. Der Finanzplatz Neuenburg, der dieses Jahr sein hundertjähriges Bestehen feierte, hat beispielsweise den Wunsch geäussert, diesen Sektor zu entstauben und ihn für junge Menschen attraktiver zu machen, indem er ihnen eben die Möglichkeit gibt, eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu geniessen.

Herausgeforderte Privatbanken

Diese Erkenntnis setzt sich allmählich auch im Bankensektor durch, insbesondere bei den Privatbanken. Die Privatbanken, die häufig eine vermögende, überdurchschnittlich alte Kundschaft bedienen, deren Mentalität sich logischerweise von derjenigen unterscheidet, die man von den jüngsten Generationen auf dem Arbeitsmarkt erwarten würde, stehen vor einer zusätzlichen Herausforderung: Sie müssen die Codes überdenken, ohne sie zu erschüttern. Sie müssen sowohl die Erwartungen einer spezifischen Klientel erfüllen als auch qualifizierten Nachwuchs anziehen. Dazu müssen sie über interne und externe Vorgänge kommunizieren und gleichzeitig die Diskretion wahren, die man von einer Privatbank erwartet.

Aber wie macht man es dann richtig? Zertifizierungen, Teilnahme an Rankings: Die Banken Piguet Galland, Bonhôte oder auch Lombard Odier sind Beispiele für Unternehmen, die sich diesen Herausforderungen stellen und ihre Arbeitgebermarke dank einer gesellschaftlichen Verantwortung zu einem echten Trumpf bei der Rekrutierung qualifizierter Nachwuchskräfte machen wollen. Die Bank Lombard Odier wurde 2019 als «B Corp» zertifiziert. Das bedeutet, dass das Unternehmen hohe Anforderungen in den Bereichen Gesellschaft, Umwelt und Governance erfüllt. Diese Zertifizierung ist eine der weltweit fortschrittlichsten im Bereich Verantwortung und Nachhaltigkeit.

Diese Anerkennung ist die Krönung eines langen Prozesses, in dessen Verlauf 230 Fragen beantwortet werden mussten, aber auch die eigene Arbeitsweise überdacht werden musste. Die Bank Bonhôte erhielt ebenfalls ihre Zertifizierung im Jahr 2021 und ist damit das erste zertifizierte Unternehmen im Kanton Neuenburg.

Zertifizierungen sind ein Mittel, mit dem ein Unternehmen die Glaubwürdigkeit seiner Massnahmen belegen kann, und sie sind für den Aufbau einer guten Arbeitgebermarke sehr wichtig. Dennoch: Auch wenn es zentral ist, dies zu kommunizieren, bleiben die Mitarbeitenden das Wichtigste. Denn zufriedene Mitarbeitende fungieren als Botschafterinnen und Botschafter eines Unternehmens, und sie sind es, die den Ruf einer Einrichtung stärken werden, zum Beispiel durch Mundpropaganda.

Die Anerkennung, das Vertrauen und die Investition in die Mitarbeitenden sind die wichtigsten Marker. Die Zeitung «Le Temps» betont dies in ihrem Artikel über die Rangliste der besten Arbeitgeber der Schweiz, die auch in der «Handelszeitung» erschienen ist: «Was man von einem Unternehmen erwartet, ist, dass es mehr in seine Mitarbeitenden investiert und ihnen Weiterbildungen ermöglicht. So zeigt es ihnen seine Wertschätzung und macht sie in Zeiten der allgegenwärtigen Digitalisierung wettbewerbsfähig.»