Mit der Umstellung auf das überarbeitete harmonisierte Rechnungsmodell (HRM2) hat der Kanton Appenzell Ausserrhoden vor Jahren auch sein Finanzhaushaltsgesetz angepasst. Der Reformprozess betraf auch die erstmalige Erstellung eines auch in anderen Kantonen geltenden Auf-gaben- und Finanzplans (AFP) für sämtliche zwanzig Gemeinden des Kantons.

Ende 2018 war es dann so weit. Die verantwortliche ARI (Appenzell Ausserrhoden Informatik) meldete, dass zur Erstellung des AFP das Modul «Automatisierte Berichtswesen und Vergleiche» der Firma Axians IKVS aus Rotkreuz eingeführt wird. Dadurch wurde ein gemeindeübergreifender Standard geschaffen, der vom ARI-Projektteam in Zusammenarbeit mit der BDO entwickelt wurde und von der Gemeindepräsidienkonferenz abgenommen wurde.

Die Software von IKVS beruht auf einer breiten Erfahrungsbasis, da sie bereits in Deutschland seit Jahren von inzwischen rund 600 Gemeinden aller Grössenordnung in 15 Bundesländern genutzt wird und entsprechend ausgereift ist.

In Appenzell Ausserrhoden stammen dabei die zur Erstellung der Berichte benötigten Finanzdaten aus der ohnehin verwendeten Gemeinde-Software-Lösung Infoma Newsystem, die ebenfalls aus dem Hause Axians kommt.

Vorreiter in Sachen Transparenz

Interessant ist, dass sich die Gemeinden auch für das weitere Modul «Interaktives Berichtswesen» entschieden haben, das in der Schweiz bisher noch nirgendwo eingesetzt wird. Man überwinde damit die bisher als PDF respektive ausgedruckt verfügbar gemachten Berichte insofern, als dass jeder Nutzer sich Detailauswertungen nach seinen Bedürfnissen selber anschauen könne, erläutert Beat Germann. Laut dem Finanzverwalter der Gemeinde Herisau übernehme Appenzell Ausserrhoden auf Gemeindeebene eine Vorreiterrolle bei der Digitalisierung des Berichtswesens in der Schweiz.

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Niemand muss mehr mühsam gewünschte Kennzahlen sammeln.

Herisaus Finanzverwalter betont, dass man neu deutlich über die gängige Erstellung von PDF aus Daten der Geschäftssoftware hinausgehe, auch wenn die bereits bisher im Web publiziert sowie per Papier verschickt worden seien. Niemand müsse mehr mühsam gewünschte Kennzahlen zusammentragen. Vielmehr, so Germann weiter, sei der IKVS-Einsatz deshalb ein Schritt in Richtung Digitalisierung, weil jetzt die politisch Verantwortlichen aus Gemeinde- und Einwohnerrat wie auch Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sich interaktiv verschiedene Auswertungen zu den Gemeindefinanzen einfach anzeigen lassen könnten. Damit schaffe man nicht nur den Brückenschlag von der Politik zum Bürger, sondern dokumentiere dies auch in einer hierzulande bisher nicht gekannten Transparenz im Berichtswesen, so der Finanzverwalter.

Mit dem eingeschlagenen Weg eröffne man zugleich ganz neue Möglichkeiten im Berichtswesen, weil IKVS sehr viel mehr Module umfasse, als derzeit in Appenzell Ausserrhoden genutzt werden. Ob und wann diese in Appenzell Ausserrhoden zum Einsatz kommen, ist zwar noch offen. Doch Germann streicht heraus, dass noch erhebliches Potenzial in der Lösung schlummere, die beispielsweise unterjährige Berichte ermögliche, Prognosen zu machen erlaube und auch ein Vergleichstool umfasse, das einen Vergleich mit anderen Gemeinden erlaube.

Zu entscheiden über einen solchen digitalen Ausbau habe allerdings, so Beat Germann, die Politik, die insbeson dere das Kosten-Nutzen-Verhältnis ab zuwägen habe.

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