An zwei Schulen im Norden und im Süden von Bangladesch bildet der Verein Shanti Schweiz Elektrikerinnen und Elektriker nach dem schweizerischen dualen Bildungssystem aus. Mithilfe des von Jakob Schaub aus Buchs initiierten Vereins Shanti Schweiz sowie der Nichtregierungsorganisation Dipshikha (bengalischer Ausdruck für «Lichtfunke») werden in Rudrapur nun schon im achten und in Paturia im zweiten Lehrgang jeweils 25 Schülerinnen und Schüler ausgebildet.
Unter anderem zur Entlastung der meistens armen Bevölkerung herrscht Internatsbetrieb, der neben heimischen Lehrern auch vom Know-how der Helferinnen und Helfer aus der Schweiz sichergestellt wird. Es sind Zivildienstleistende und Freiwillige, unter anderem Elektrikerinnen und Elektriker und Studierende der Elektrotechnik, die einige Monate an einer der Schulen ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit den heimischen Lehrern und Schülern teilen.

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Keine Lehrstellen vorhanden

Zentral ist dabei die enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Sie sorgt dafür, dass am Ende der Ausbildung praktisch alle Absolvierenden eine Arbeitsstelle im Lande selbst finden werden. Denn das als Textilwerkstatt der westlichen Welt geltende Bangladesch setzt überwiegend schon auf elektrische Maschinen, und Fachkräfte für deren Bau und Unterhalt sind gefragt. Da in Bangladesch die Betriebe in der Regel keine Lehrstellen an- bieten, kann auf den praktischen Teil des Unterrichts nicht verzichtet werden.
Einen Beruf ausüben können heisst hier aber auch, Bildung und Alltag einer ganzen Familie zu finanzieren, was für die meisten Menschen des so dicht bevölkerten, bitterarmen Landes am Golf von Bengalen noch immer ein Luxus ist. Ohne Ausbildung droht vielen Menschen das Schicksal eines Tagelöhners oder Rikschafahrers.

Elektrosicherheit tut not

Unterrichtet wird an beiden Schulen möglichst auf dem aktuellen Stand der Technik, auch wenn das in Bangladesch alles andere als einfach ist. Oft stehen noch veraltete Geräte im Einsatz, es fehlt an Werkzeug und Material. Kommt hinzu, dass die Sicherheitsstandards bisher eher rudimentär vorhanden und Elektroinstallationen oftmals sehr fahrlässig ausgeführt sind. Die Lehrer vor Ort und die Verantwortlichen des Vereins geben ihr Wissen gerade auch in Sachen Elektrosicherheit weiter. Das nötige Material wird weitgehend im Land beschafft, nur was es dort nicht gibt, kommt aus der Schweiz. Selbst was hierzulande veraltet ist, leistet dort oft jahrelang noch gute Dienste.
Einer der Freiwilligen hat Beispiele der praktischen Arbeit bei einem fast dreimonatigen Aufenthalt im letzten Jahr beschrieben. Zum einen stand er als Hilfslehrer in den Elektro-, Geräte- und Computertechnik- und auch in Englischkursen im Einsatz. Ausserdem hat er unter anderem bei der Einführung der neusten Version der speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS) Siemens Logo mitgeholfen. Neben der Online-Verbindung des Geräts via Computer wurde auch die Verwendung des LWE-Programms (Logo Web Editor) für das Erstellen einer Logo-basierten Website unterrichtet. Nach wenigen Tagen seien die Lehrerinnen und Lehrer mit der neuen Technik schon so vertraut gewesen, dass sie allein damit weiterarbeiten konnten, und gaben ihr im Learning by Doing erworbenes Wissen im praktischen Unterricht an ihre Klassen weiter. Konkret entstanden sei ein als Miniaturmodell konzipierter Prototyp für ein Hochregallager.
Aber mit den Möglichkeiten der SPS sind auch smarte Steuerungselemente für die schuleigene Solaranlage entwickelt worden. Über sie deckt der 2020 eröffneten Campus in Paturia zum grossen Teil seinen Energiebedarf – Innovations-Transfer als Hilfe zur Selbsthilfe. Man kann den Energieüberschuss an sonnigen Tagen ins allgemeine Netz einspeisen, sobald die Batteriespeicher geladen sind. Wenn es sich zurzeit in der Schweiz noch kaum lohnt, Batterien als Hausspeicher zu verbauen, ist das in Bangladesch schon jetzt sehr sinnvoll. Zumal das vorhandene Stromnetz sehr unzuverlässig ist, die Spannungen stark schwanken können und für die üblichen täglichen Netzausfälle die Batterien den nötigen Ausgleich schaffen. Die so erreichte Stabilität trägt auf dem Schulcampus beispielsweise dazu bei, dass jederzeit fliessendes Wasser in der Schule vorhanden ist. Denn das Wasser wird mit elektrischen Druckpumpen gefördert und transportiert. Die Gesamtanlage sorgt also energietechnisch für einen fast autonomen Inselbetrieb der Schule.

Studer Innotec hilft mit

Die Kommunikation innerhalb des Energiesystems obliegt einer Steuerung der Schweizer Firma Studer Innotec. So kontrollieren drei Geräte ihrer Xtender- Reihe, ob die Batterie geladen oder entladen wird. Sie schalten zudem bei tiefem Ladezustand automatisch das Netz zu, sodass eine Batterie nie ganz entleert werden kann. Strom- und Wasserversorgung sind also stets gewährleistet.
Hinzu kommt eine Wago-SPS, über die der automatische Lastabwurf vor- genommen wird. Dieses Steuerungselement schaltet bei verschiedenen Stufen des Ladezustands Verbraucher ein oder aus.
Trotz vielfacher Hilfe von einer Firma aus der Hauptstadt Dhaka installiert, kann auf die technische Unterstützung durch den Verein Shanti Schweiz vor allem bei den Steuerungen und Regelungen nicht verzichtet werden. Inzwischen funktioniert die ganze Anlage automatisch und kann auch online überwacht werden.