Die Preise für Transport und Verpackung seien hoch, der Boom der Corona-Jahre in der Modebranche sei vorbei, erklärte letzte Woche der deutsche Bundesverband E-Commerce und Versandhandel. Modekonzerne wie Uniqlo und Zara würden bald ein paar Euro für Retouren verlangen. Das liess aufschrecken, auch in der Schweiz.

Tatsächlich liegen die deutschen und Schweizer Retourenquoten auf europäischem Rekordniveau, wie das Logistikunternehmen DPD jüngst ermittelte; ein gutes Viertel der bestellten Pakete geht wieder zurück. 2021 lag der Anteil zurückgesandter Pakete im Modebereich in der Schweiz sogar bei 40 Prozent – betroffen sind vor allem «Fast Fashion»-Anbieter. Vieles wird angesichts kostenfreier Retouren und der fehlenden Möglichkeit der Anprobe bewusst in Varianten bestellt.

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Die beiden Argumente für Retourengebühren sind die hohen Kosten – die zurückgesandte Ware muss von Hand auf Beschädigungen, Flecken und Gerüche geprüft und wieder aufbereitet werden, wobei in der Schweiz 1 bis 2 Prozent entsorgt werden müssen – und der Umweltgedanke. Der Luzerner Nationalrat Michael Töngi von den Grünen etwa verlangt in seiner Motion vom Bundesrat Massnahmen.

Dem widerspricht Patrick Kessler, Geschäftsführer vom Handelsverband.swiss: Die Retoure werde im Normalfall in der Versandverpackung zurückgegeben, Retouren würden zu 98 Prozent in Umlauftransporten «auf dem Rückweg» mitgenommen, das Retourenproblem sei ein wirtschaftliches, aber kein nennenswertes ökologisches Problem.

Kessler ruft einen Grundsatz in Erinnerung: «Es ist nichts gratis, auch wenn ‹gratis› draufsteht. Jeder Händler, der Gratisretouren anbietet, hat dies irgendwo im Produktepreis einkalkuliert.» Aber sind Gratisretouren finanziell tragbar? «Ja, definitiv, wenn sie eben in der Preiskalkulation berücksichtigt sind und der Prozess gut aufgegleist ist. Grössere Unternehmen haben einen Prozesskostenvorteil.» Sollten Gratisretouren abgeschafft werden, geht Kessler davon aus, dass der durchschnittliche Bestellwert sinken wird, weniger Artikel im Warenkorb liegen und die Bestellfrequenz abnehmen werden.

Aber was tun gegen hohe Retourenzahlen? Hilfreich wären aussagekräftigere Bilder und Beschreibungen und Beratungsleistungen. Zudem könnte notorischen Rücksendern die Bestellung auf Rechnung verwehrt werden.

Die Retourendiskussion aber wird voraussichtlich weitergehen.