Der Sektor der Finanztechnologie hat sich in der Schweiz seit seinen Anfängen im Jahr 2015, als die ersten Startups und dedizierten Inkubatoren gegründet wurden, deutlich weiterentwickelt. Laut den Ergebnissen der von der Hochschule Luzern durchgeführten Fintech-Studie umfasste der Sektor Ende 2022 insgesamt 437 Unternehmen – das ist ein Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Gleichzeitig haben die traditionellen Banken erkannt, dass ihre Zukunft in der Innovation liegt. Bisher eher als unterstützende Funktion wahrgenommen, hat die Technologie die Geschäftsmodelle infrage gestellt und ist so nach ganz oben auf die Agenda gerückt.

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Die Autoren

Zhina Asmaei, Co-Founder & CEO

Gérald de Senger, Co-Founder & Chairman, Swiss4.0, Genf.

Da die Banken gezwungen waren, eine neue Ära einzuläuten, um den veränderten Bedürfnissen und Gewohnheiten ihrer Kundschaft gerecht zu werden, begannen sie, Technologie einzusetzen, um Finanzgeschäfte und -dienstleistungen zu erleichtern. So haben sie ihre Apps auf den Markt gebracht und begonnen, zahlreiche Prozesse zu digitalisieren.

In den Jahren 2017 und 2018 sind verschiedene internationale Unternehmen, die sich nur auf Fintech konzentrieren, mit einigem Erfolg auf dem Schweizer Markt aufgetaucht. Sie werden als Neobanken bezeichnet und bieten Girokonten und Bankkarten mit Gebühren an, die in der Regel transparenter und günstiger sind als bei den klassischen Banken.

In weniger als zehn Jahren haben wir uns also von einem Finanzsektor, der ausschliesslich von traditionellen Banken und Versicherungsgesellschaften dominiert wurde – für die allzu oft die Rentabilität wichtiger war als die Kundenerfahrung –, zu einem viel dynamischeren und offeneren Markt entwickelt, der von den neuen Möglichkeiten der Technologie geprägt ist.

Die Landschaft präsentiert sich heute einerseits mit Bankinstituten, die den Schritt in die Digitalisierung gewagt haben, deren Kundenservice aber nicht unbedingt effizienter ist, und anderseits mit einer Reihe von reinen Fintech-Unternehmen, die aber mit im Ausland entwickelten Technologien arbeiten.

 

Die Bedeutung von Swiss made

Vertrauen im Bereich der Finanzdienstleistungen ist entscheidend. Doch Technologien, die im Ausland entwickelt oder gehostet werden, führen zu Ängsten bei den Nutzenden. Dies könnte einer der Ausgangspunkte für jeden neuen Akteur sein, der die strategische Entscheidung trifft, seine eigene IT-Infrastruktur für das Bankwesen mithilfe lokaler Ingenieure zu entwickeln. Dies bedeutet dann nicht nur garantierte Sicherheit, sondern auch mehr Unabhängigkeit und Effizienz bei der Verwaltung und der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Technologie.

Dank ihrer langen Bankentradition und ihrem Ruf für Exzellenz steht die Schweiz aus Sicht vieler Menschen nach wie vor für Qualität und Zuverlässigkeit. Dies ist einer von mehreren wichtigen Trümpfen, um den Platz der Schweiz im Finanzsektor der Zukunft zu festigen.

 

Eine spezielle Fintech-Lizenz

Die Schweiz bietet günstige Rahmenbedingungen, nicht zuletzt dank einer speziellen Fintech-Lizenz der Finma, die bislang nur eine Handvoll Startups erhielt.

Seit 13 Jahren steht die Schweiz im Global Innovation Index der Wipo (World Intellectual Property Organization) unangefochten an der Spitze, vor allem wegen ihres Bildungssystems, aber auch wegen ihrer Investitionen in F&E und ihres Clusters innovativer Unternehmen. Die Talente der EPFL und der ETH Zürich fördern die Entwicklung von Startups, auch im Fintech-Bereich.

Laut dem Fintech-Hub-Ranking der Hochschule Luzern zu den Rahmenbedingungen für Unternehmen in diesem Sektor spielen zwei Schweizer Städte eine beachtliche Rolle unter den weltweit führenden Unternehmen. So belegen Zürich und Genf hinter Singapur den zweiten beziehungsweise dritten Platz. Während die Finanzierungsaktivitäten im Fintech-Sektor im vergangenen Jahr weltweit rückläufig waren, weist die Schweiz eine vergleichsweise positivere und stabilere Entwicklung auf.

 

Die vergessene Klientel

Kunden und Kundinnen mit einem Vermögen zwischen 50 000 Franken und 1 Million Franken, gemeinhin als «Mass Affluents» bezeichnet, scheinen bis heute ein von den Firmen des Finanzsektors ignoriertes Segment zu sein. Genau hier könnten Fintech-Unternehmen dieser Kundschaft einen Service anbieten, der der Schweizer Tradition des Private Banking entspricht, und zwar mithilfe einer Technologie, die speziell für ihre Bedürfnisse entwickelt wurde. Es geht darum, das Beste aus zwei Welten zusammenzubringen, um einer heute vernachlässigten Kundschaft eine Servicequalität zu bieten, die ihren Erwartungen entspricht.