Liebe WEF-Interessierte. Das hier soll kein Rückblick sein auf Bühnen, Panels oder prominente Namen. Davon gibt es genug. Es ist eine Einladung, bewusster hinzuhören. Denn meine wichtigste Erfahrung am World Economic Forum 2026 war nicht die Lautstärke der grossen Debatten. Nicht die Schlagzeilen. Nicht die Präsenz der mächtigsten CEOs oder Politiker.

Es waren die leisen Momente. Die Gespräche am Rande. Dort, wo nicht performt, sondern reflektiert wurde. Wo Fragen wichtiger waren als Antworten. Und wo deutlich wurde, dass echte Orientierung oft nicht auf der Bühne entsteht, sondern im Dazwischen. Bei zu fälligen Begegnungen, in denen sich genau die richtigen Menschen zur richtigen Zeit gefunden haben. Dort, wo keine Kameras standen – aber Zukunft spürbar wurde.

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Die Kraft der Verbindung

Wir sprechen viel über Power. Über Einfluss, Entscheidungen, Skalierung. Über Daten, Technologie, künstliche Intelligenz. Und zugleich sprechen wir so viel wie nie zuvor über Mental Health, Resilienz und Menschlichkeit. Was mich bewegt, ist nicht dieser scheinbare Widerspruch. Sondern die Frage, ob wir beides wirklich zusammenbringen. Denn Führung entsteht nicht aus «Power» allein. Und sie entsteht auch nicht allein aus «Love». Wir kommen nur zu echter Wirkung, wenn wir beides verbinden. Wenn wir aufhören, diese Pole getrennt zu denken. Wenn wir erkennen, dass emotionale Reife kein «Soft Skill» ist, sondern strategische Kompetenz. Und dass Klarheit ohne Empathie genauso gefährlich ist wie Empathie ohne Entscheidungsstärke.

Power heisst für mich: Haltung, Richtung, Urteilskraft. Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen – auf Basis von Klarheit, Daten und Konsequenz. Power bedeutet auch, Nein sagen zu können. Prioritäten zu setzen. Und die Folgen der eigenen Entscheidungen nicht zu delegieren – weder an Systeme noch an Stimmungen.

Love heisst: Zuhören, Präsenz und die Fähigkeit, einem Menschen – und auch sich selbst – den Moment wirklich zu schenken. Wahrzunehmen, was gesagt wird. Und was nicht. Dem eigenen inneren Kompass zu vertrauen. Love zeigt sich nicht im Bestreben nach Harmonie um jeden Preis. Sondern im Mut, Spannungen auszuhalten. Unterschiede stehen zu lassen. Und dem Gegenüber Würde zu geben – auch im Dissens. Ohne Power bleibt Love wirkungslos. Ohne Love wird Power blind.

Gerade in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz immer stärker Prozesse, Entscheidungen und Narrative prägt, dürfen wir den Menschen nicht verlieren. Nicht als Floskel. Sondern als Referenzpunkt. Denn Technologie verstärkt immer das, was bereits da ist: Unsere Werte – oder ihre Abwesenheit. Unsere Vorannahmen. Unsere blinden Flecke. Wenn wir Menschlichkeit nicht bewusst integrieren, wird Effizienz zum Selbstzweck. Und Skalierung zum Massstab für Relevanz – statt für Wirkung.

Vom Sehen zum Tun

Aus genau dieser Haltung heraus ist EqualVoice entstanden. Nicht als Kampagne. Nicht als Programm. Sondern als gesellschaftliches Movement, das heute wöchentlich rund 50 Millionen Menschen erreicht. Ein Movement, das nicht laut sein muss, um wirksam zu sein. Und das nicht vereinheitlicht, sondern Vielfalt sichtbar macht.

EqualVoice basiert auf einer einfachen, aber kraftvollen Überzeugung: Sichtbarkeit schafft Wirklichkeit. Was sichtbar ist, wird denkbar. Was denkbar ist, wird möglich. Und was möglich wird, verändert Erwartungen – in Wirtschaft, Gesellschaft und Führung. Erwartungen an Rollen. An Macht. Daran, wer spricht – und wem zugehört wird.

EqualVoice macht sichtbar, dass Rollenbilder Wirkung haben. Dass Vorbilder Räume öffnen. Und dass Mut entsteht, wenn Menschen sehen: Auch meine Stimme zählt. Nicht jede Stimme ist gleich. Aber jede Stimme zählt. Gerade die Stimmen dazwischen. Die nicht perfekt formuliert sind. Die nicht immer in bestehende Narrative passen. Und die trotzdem – oder gerade deshalb – neue Perspektiven eröffnen.

Wenn wir nur den lautesten Stimmen Raum geben, verlieren wir Orientierung. Wenn wir nur dem folgen, was skaliert, verlieren wir Tiefe. Und wenn wir Power nicht immer wieder bewusst mit Love verbinden, verlieren wir Vertrauen. Vertrauen in Führung. Vertrauen in Institutionen. Und letztlich Vertrauen ineinander.

Die Kraft des Zuhörens

Mein persönliches Highlight beim WEF 2026 waren deshalb nicht die grossen Bühnen. Es waren die Momente, in denen Menschen einander wirklich zugehört haben. In denen Präsenz wichtiger war als Position. Und in denen spürbar wurde: Hier entstehen die Ideen, die tragen werden. Ideen, die nicht aus Geltungsdrang erwachsen. Nicht aus Angst, etwas zu verpassen. Sondern aus Verantwortung. Vielleicht entspringen aus genau diesen Gesprächen die spannendsten Businessideen der kommenden Jahre. Nicht aus Ego. Nicht aus Lautstärke. Sondern aus Klarheit, Verbundenheit und Mut.

Dieses Editorial ist eine Einladung, genau dort hinzuhören. Mit Power. Mit Love. Und mit der Verantwortung, beides immer wieder bewusst zu verbinden. Denn nur so wird Fortschritt nicht nur möglich – sondern tragfähig.