Er war das unumstrittene Zentrum des WEF 2026: Donald Trump: Der US-Präsident, der mit territorialen Besitzansprüchen gegenüber Nato-Partner Dänemark erst kürzlich ein neues Tabu gebrochen hat, lässt keinen Zweifel daran, dass er seine Agenda mit Tempo umsetzt.

Dazu gehört auch ein Krieg gegen alles, was unter die Begriffe Diversity, Equity und Inclusion fällt. Bereits am ersten Tag seiner zweiten Amtszeit, dem 20. Januar 2025, unterzeichnete Donald Trump zwei weitreichende Dekrete, die den Umgang mit Diversität und Gleichstellung fundamental veränderten: Die Executive Order 14151 beendete sämtliche DEI-Programme in Bundesbehörden, während die Executive Order 14168 die staatliche Anerkennung von Geschlechtsidentität faktisch aufhebt und nur noch zwei biologische Geschlechter anerkennt.

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Besonders rigoros setzt Justizministerin Pam Bondi die Dekrete um. In einem Memorandum vom letzten Jahr kündigte sie strafrechtliche Ermittlungen gegen Unternehmen mit DEI-Programmen an. Die Botschaft ist unmissverständlich: Was jahrzehntelang als Instrument gegen Diskriminierung galt, wird nun selbst als diskriminierend gebrandmarkt. Trump bezeichnete DEI wiederholt als «illegal und unmoralisch».

Systematische Säuberung

Die Bilanz des Anti-Diversity-Kriegs zeigte sich auch am WEF: Unternehmen ersetzen den Begriff «DEI» durch vagere Formulierungen wie «Talentexzellenz» oder «Innovationskultur». Gerne genutzt wird auch der Begriff Meritocracy. Öffentliche Panels zum Thema werden aus dem offiziellen Programm gestrichen, diskutiert wird eher an geschlossenen Round Tables. 

Das WEF selbst navigiert einen schwierigen Kurs. Die Organisation vermeidet jede direkte Konfrontation mit der US-Administration. Die Angst ist real: Zu viele Mitgliedsunternehmen haben US-Regierungsaufträge zu verlieren. 

Und während Gender-Diversity in den vergangenen Jahren die Agenda in Davos mitbestimmte, ist das Thema beim diesjährigen WEF unter dem Motto «A Spirit of Dialogue» spürbar in den Hintergrund gerückt. Die Bühne wird stattdessen von Themen wie KI-Revolution, geopolitische Fragmentierung und ökonomische Resilienz dominiert. 

Trump bezeichnete DEI wiederholt als «illegal und unmoralisch».

 

Ausgerechnet der aktuelle «Global Gender Gap Report» des Forums selbst zeichnet aber ein ernüchterndes Bild: Die Repräsentation von Frauen in Führungspositionen ist erstmals seit Jahren rückläufig und liegt aktuell nur noch bei etwa 32,8 Prozent. In einer Zeit, in der «harte» Faktoren wie Energiesicherheit und technologische Souveränität priorisiert werden, droht die Gleichstellung von einem strategischen Kernziel zu einem Randthema zu werden, das in der öffentlichen Debatte zunehmend an Dringlichkeit verliert.

Die Umsetzung von Trumps Anti-DEI-Kurs folgt dabei weiter einem klaren Muster: In Phase eins wurden sämtliche DEI-bezogene Exekutivverordnungen aufgehoben, darunter eine aus der Johnson-Ära stammende Regelung, die Bundesauftragnehmer zu aktiven Antidiskriminierungsmassnahmen verpflichtete. In Phase zwei erfolgte die Identifikation aller Bundesangestellten, die jemals mit DEI in Berührung kamen – selbst jener, die lediglich an Workshops teilnahmen. Listen wurden erstellt, Sicherheitsfreigaben widerrufen.

Die Auswirkungen sind drastisch: Das Energieministerium hat mehrere Dutzend Mitarbeitende in den Verwaltungsurlaub versetzt, obwohl weniger als ein Viertel tatsächlich in DEI-Funktionen tätig war. Die CIA erstellte Listen aller Angestellten in Diversitätsgruppen und kündigte ihnen teils die Sicherheitsfreigaben. Im Militär wurden Offiziere identifiziert, die sich je für Diversität ausgesprochen hatten – unabhängig davon, ob dies ihre Hauptaufgabe war.

Internationaler Druck

Und Trumps Offensive endet nicht an den US-Grenzen. Im März 2025 verschickten US-Botschaften in Frankreich, Belgien, Spanien, Italien und weiteren europäischen Ländern Briefe an Unternehmen mit US-Regierungsaufträgen. Die Botschaft: Wer DEI-Programme betreibt, riskiert den Verlust von Verträgen und mögliche rechtliche Schritte nach dem False Claims Act.

Schweizer Konzerne reagierten unterschiedlich. Roche, Novartis und UBS entfernten öffentlich sichtbare DEI-Ziele von ihren Webseiten, betonen aber, intern weiter an der Gleichstellung zu arbeiten. Roche strich das Ziel von 38 Prozent Frauen in Führungspositionen und von 19 Prozent ethnischer Minderheiten aus öffentlichen Dokumenten. Die Pharmariesen begründen dies mit der Sorge, dass globale Programme Auswirkungen auf US-Geschäfte haben könnten.

Europas Gegenwehr

Während die Europäer bei Trumps militärischen oder territorialen Forderungen meist nur langsam reagierten, fiel die europäische Reaktion auf seinen Anti-DEI-Kurs entschieden aus. Frankreichs Finanzministerium kritisierte die US-Forderungen scharf und verwies auf unterschiedliche Wertvorstellungen. Spaniens Aussenministerium erklärte Gleichstellung und Diversität zu «zentralen Pfeilern» der Politik und kündigte an, nicht einen Schritt zurückzuweichen. Belgiens Gleichstellungszentrum Unia verteidigte Diversitätsinitiativen als wirtschaftlich wertvoll.

Dänemark forderte eine gemeinsame EU-Antwort, in Barcelona kündigte die Stadtverwaltung an, DEI-bezogene Kulturprogramme trotz US-Drohungen fortzusetzen. Organisationen wie Economiesuisse, Advance und weitere Verbände appellierten an Schweizer Unternehmen, an ihren Gleichstellungszielen festzuhalten.