Der EU-Ministerrat hat eine Frauenquote von 40 Prozent für Aufsichtsräte von börsenkotierten Unternehmen in der EU beschlossen. Bis 2027 soll die entsprechende Geschlechterverteilung in den Unternehmen in den Staaten der EU Realität werden.

Dabei müssen die Unternehmen darauf achten, dass die Firmen im Fall von gleich qualifizierten Bewerbern «dem unterrepräsentierten Geschlecht den Vorzug geben». Dies sind in den meisten Fällen die Frauen. Es gilt, mindestens 40 Prozent Frauen in die Aufsichtsräte zu bringen oder 33 Prozent in die Aufsichtsräte und Vorstände gemeinsam. 

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Der Vorstoss der EU ist zehn Jahre alt, er wurde allerdings von etlichen Regierungen lange blockiert. Darunter auch Deutschland, obwohl das Land von den neuen Vorgaben nicht einmal betroffen ist. 

Deutschland kennt bereits eigene Regelungen und muss daher die EU-Vorgabe nicht befolgen, dasselbe gilt für Frankreich. Dort sind bereits über 40 Prozent der Verwaltungsräte weiblich. In Deutschland gilt seit 2015 eine Quote von 30 Prozent für Aufsichtsräte in den grössten börsenkotierten Unternehmen, seit 2021 gibt es auch das Ziel von 25 Prozent Frauen in den Vorständen. In der gesamten EU beträgt der Durchschnitt von Frauen in Verwaltungsräten rund 30 Prozent.

Schweiz holt auf

Auf diesen Frauenanteil kommen auch die Schweizer Firmen: Bei den SMI-Konzernen liegt der Durchschnitt seit diesem Jahr bei 30 Prozent, wie der Anfang März erschienene «Schillingreport» zeigt. In der Schweiz wurde damit drei Jahre vor der festgelegten Frist die 30-Prozent-Quote in den Verwaltungsräten zumindest der grössten Unternehmen erreicht. Im Durchschnitt bei den 150 grössten Arbeitgebern liegt der Anteil noch bei 26 Prozent. 

In der Schweiz existiert eine sogenannte «Frauenquote light». Sie unterscheidet sich vom Regelwerk der EU. Firmen, die bis 2025 nicht 30 Prozent Frauen im Verwaltungsrat und bis 2030 nicht mindestens 20 Prozent Frauen in der Geschäftsleitung haben, müssen sich dafür rechtfertigen und Verbesserungen vornehmen.

EqualVoice United

Die «Handelszeitung» ist Medienpartnerin der Initiative Equalvoice United. Die Initiative setzt sich für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Wirtschaft ein. Grosse Schweizer Unternehmen schliessen sich dem Anliegen an. Weitere Informationen und wie Ihr Unternehmen Teil der Initiative EqualVoice United wird, finden Sie hier