Wer sich in die Höhle der Löwen wagt, ist meistens männlich. Auch in der Schweizer Ausgabe der Gründershow «Die Höhle der Löwen» kämpfen derzeit noch mehr Jungunternehmer als Jungunternehmerinnen darum, mit ihrer Geschäftsidee vor der Jury Gehör und eine möglichst hohe finanzielle Beteiligung zu finden. Dies deckt sich mit der schweizerischen Gründerszene: Nur etwa jedes fünfte Startup in der Schweiz wird von einer Frau gegründet oder geführt – bei Startups in der Tech-Branche sind es sogar nur 10 Prozent.

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Eine Plattform für das Netzwerk

Etwas dagegensetzen will die Plattform Female Founder Map, die Jungunternehmerinnen unterstützt. Sie bietet Frauen, die ein Unternehmen gegründet haben, Sichtbarkeit und Vernetzungsmöglichkeiten. «Wir haben eine ganze Reihe von Female Founders in der Schweiz. Aber sie sind zu wenig in der öffentlichen Wahrnehmung präsent», sagt Luzia Schuler, Managing Director Programs & Partnerships von Impact Hub Zürich, der hinter der Female Founder Map steht.

Sie stellt fest, dass im innovativen Umfeld des Impact Hub Zürich viele unternehmerisch denkende Frauen arbeiten. «Es gibt auch in der eher männerdominierten Tech-Branche Frauen, die Ausserordentliches leisten, aber es ist wichtig, dass sie für andere Frauen sichtbar sind.» Die Female Founder Map ist eine Initiative des Impact Hub Zürich und wurde in Zusammenarbeit mit der ZHAW umgesetzt. Finanziert wurde die Initiative durch die Innosuisse sowie die Arcas Foundation.

Nach Einschätzung von Luzia Schuler gründen Frauen und Männer ihre Unternehmen aus unterschiedlichen Motiven: Bei den Frauen stehe bei der Gründung mehr die Sinnhaftigkeit im Vordergrund. Woran liegt es aber, dass sich die Frauen hierzulande viel weniger häufig als Jungunternehmerinnen sehen? Luzia Schuler nennt verschiedene Ursachen dafür. Zum Beispiel sei das Netzwerk der Frauen meist weniger stark. «Das wiederum hat Einfluss auf die Zusammensetzung Gründerteams. Bei den Männern sind die Teams von Anfang an grösser und stärker, während die Frauen öfters allein unterwegs sind», sagt Schuler. Dies habe wiederum Auswirkung auf das Investorennetzwerk und damit die potenziellen Geldgeber.

«Bei den Männern sind die Teams von Anfang an grösser und stärker, während die Frauen öfters allein unterwegs sind»

Luzia Schuler

Gender Bias als Hürde

Ein anderer Grund sei der sogenannte Gender Bias, also die unterschiedliche Wahrnehmung von Männern und Frauen. Die Arbeiten von Frauen und Männern werden unterschiedlich beurteilt, selbst wenn sie identisch sind. Luzia Schuler: «Forschungen zu diesem Thema zeigen, dass dasselbe Dossier mehr Investments bekommt, wenn es von einem Mann vorgetragen wird statt von einer Frau.» Dazu kommt, dass Frauen ihre Ideen selbst tendenziell unterbewerten im Vergleich zu Männern und mit einer Idee erst rausgehen, wenn sie davon sehr überzeugt sind. Schuler bedauert es, dass nicht bereits am Gymnasium eine Diskussion zum Thema Unternehmertum stattfindet, um dafür zu sensibilisieren.

Wenn es darum geht, das Know-how für Firmengründungen zu sammeln, sind die Frauen noch dabei. Zum Beispiel bei den Innosuisse-Kursen, wo sich rund 45 Prozent Frauen und 55 Prozent Männer anmelden. Rund 7 Prozent der Frauen und 10 Prozent der Männer haben den Wunsch, ein Unternehmen zu gründen. «Danach geht die Schere auf», so Luzia Schuler.

Gesellschaftliche Ursachen und weibliche Role Models

Für sie hat das Thema auch gesellschaftliche Ursachen. Auch wenn die Schweiz viele gute Institutionen und Förderprogramme im Bereich Unternehmensgründungen habe, bestehe ein Aufholbedarf im Bereich gesellschaftliche Strukturen. Denn irgendwann planen die Frauen eine Familie und seien – stärker als Männer – gezwungen, den familiären Aspekt in ihre Entscheidungen einzubeziehen. Nicht zuletzt wird eine weibliche Startup-Gründerin heute noch anders wahrgenommen als ein Mann. Luzia Schuler: «Schon in der Schule strecken mehr Jungs als Mädchen auf, wenn man fragt, wer ein eigenes Unternehmen gründen möchte.»

«Schon in der Schule strecken mehr Jungs als Mädchen auf, wenn man fragt, wer ein eigenes Unternehmen gründen möchte.»

Luzia Schuler

Mit mehr weiblichen Vorbildern, also Role Models, könnte ein Systemwandel angestossen werden. Ein grosses Ziel der Female Founder Map ist es, die Vernetzung untereinander zu stärken. Dafür sorgt eine Linkedin-Gruppe, die auch schon mal ganz neue Verbindungen bringt, wenn etwa ein Unternehmen auf der Suche nach neuen Mitarbeitenden oder auch Geldgebern ist, die bereit sind, in eine Idee zu investieren. Dass die Vernetzung ankommt, zeigt das Feedback, das zum Teil auch aus dem Ausland eingetroffen ist. Luzia Schuler berichtet von Anfragen aus Ghana und den Niederlanden von Frauen, die sich nach ihren Erfahrungen erkundigen und ähnliche Projekte auf die Beine stellen wollen.

Frauen als Jurymitglieder

Das Ziel, nämlich 100 Role Models öffentlich sichtbar zu machen, hat die Female Founder Map inzwischen mehr als erreicht. Es sind mittlerweile an die 400 verschiedene Gründerinnen auf der Plattform und es gibt laufend neue Anfragen. Genutzt wird die Plattform übrigens auch gerne von Journalisten und Journalistinnen, die über die Startup-Szene schreiben. Als Nächstes plant das Female-Founder-Map-Team noch mehr Öffentlichkeitsarbeit, wenn es darum geht, das Bewusstsein zum Thema Gender Bias zu schärfen. Im Mai wird ein Test lanciert, bei dem man klären kann, wie anfällig man für eine verzerrte Wahrnehmung in diesem Bereich ist.

Verbesserungsfähig ist gemäss Luzia Schuler auch die Struktur der Investoren und Jurymitglieder: Auch da mangelt es an Frauen, weil es in den Startups einfach mehr Männer als Frauen gibt. Abhilfe schaffen könnte es, wenn in den Wettbewerb-Boards oder auch auf der Seite der Venture-Capital-Geber mehr Frauen vertreten wären. Oder wenn Männer bereit wären, als Co-Founder mehr Frauen zu berücksichtigen.

Investorengelder ungleich verteilt

Die Frauen, die den Sprung in die Startup-Welt wagen, haben schlechtere Chancen als Männer, Kapital von Geldgebern zu erhalten. Etwa jedes zehnte Startup wird von einer Frau gegründet und geführt. Aber diese Frauen erhalten nicht jeden zehnten Franken des gesamten Geldes, das Investoren vergeben – sondern nur etwa jeden zwanzigsten. Das zeigen die Zahlen des Portals «Startupticker.ch». Das Schweizer Radio und Fernsehen zeigte in einem Beitrag: In den letzten acht Jahren vor 2021 erhielten Startups in der Schweiz insgesamt 7,4 Milliarden Franken. Jene von Frauen erhielten dabei nur 4 Prozent. In anderen Ländern sieht es ähnlich aus, wie internationale Studien zeigen.

Eine der Frauen der Female Founder Map ist Luiza Dobre, CEO und Co-Gründerin von Komed Health, einem 2017 gegründeten Zürcher Startup, das eine Kommunikationslösung für das Gesundheitswesen anbietet. Auf die grössten Hürden ihres Weges angesprochen, sagt sie: «Ich war ein Neuling auf dem Gebiet der Technik und des Gesundheitswesens. In den letzten Jahren gab es also eine steile Lernkurve.»

Sie räumt ein, dass die Verantwortung für alle Beteiligten und die finanzielle Belastung schwer wiegen und immer präsent sind. Die wichtigsten Eigenschaften einer Unternehmerin sind für sie die drei P: Patience, Persistence and Passion, also Geduld, Beharrlichkeit und Leidenschaft. Erfolg als Unternehmerin bedeutet für sie nicht, immer alles richtig zu machen. Luiza Dobre: «Sondern aus jedem Fehler schnell zu lernen, bereit zu sein, sich schnell umzuorientieren, und die Entschlossenheit und den Biss zu haben, erfolgreich zu sein.»

Was ist EqualVoice?

Die EqualVoice Initiative wurde 2019 von Ringier CFO Annabella Bassler initiiert und von CPO Global Media & Blick Grouppe Katia Murmann mitgegürndet. Die Initaitve wird von Verleger Michael Ringier und Ringer CEO Marc Walder präsidiert. Ziel von EqualVoice ist es, Frauen in den Medien sichtbarer zu machen und Frauen und Männern die gleiche Stimme zugeben. Kern der Initiative ist der EqualVoice-Factor, ein Algorithmus, der analyisiert wie oft Frauen und Männer in den Artikel zu Wort kommen. Mehr Informationen zu EqualVoice unter: www.equalvoice.ch