Man glaubt es kaum: Überraschend konnte sich das bürokratische Frankreich als attraktivstes Investitionsland in Europa durchsetzen. Dies zeigt eine Studie der Wirtschaftsberatung EY, die sowohl den Standort Schweiz als auch Europa als Investitionsstandort analysierte. Aber nicht nur Frankreich punktete, sondern auch die Schweiz wies im Jahr 2019 ein starkes Wachstum auf. Während 2019 europaweit der zweithöchste je gemessene Wert an Investitionen verbucht wurde, wird das laufende Jahr wegen Covid-19 von massiven Investitionsrückgängen betroffen sein.

Die Gewinnerin ist die Digitalbranche

Mit dem Sprung von 1027 auf 1197 Investitionsprojekte erreichte Frankreich, das für seine starke Bürokratie bekannt ist, überraschend den ersten Rang. «Der Anstieg ist unter anderem auf die von der Regierung angestossenen Wirtschaftsreformen sowie die investorenfreundliche Politik zurückzuführen. Diese Umstände haben auch die Start-Up-Szene in Frankreich gestärkt und ausländische Investoren angelockt», so Thomas Sucic, Leiter Brand, Marketing und Kommunikation von EY Schweiz. Stark unterstützt werden Jungunternehmen durch die Regierung Macron.

In Frankreich wie auch im restlichen Europa ist die klare Gewinnerin der Investitionskategorien die Digitalbranche. Innovationen im digitalen Bereich wie Software-Entwicklungen oder Online-Plattformen erreichen ein hohes Investitionsinteresse. Die meisten Stellen jedoch werden noch immer im Industriebereich geschaffen. So realisierte beispielsweise Tesla den Neubau einer Fabrik in Brandenburg, das bringt 14'000 neuen Arbeitsplätzen; die Fabrik des britischen Automobilzulieferers Aptiv in Serbien mit 2.000 Arbeitsplätze und der Bau einer Fabrik des südkoreanischen Autozulieferers Yura Tech in Albanien mit 600 Arbeitsplätze, wie Sucic weiss.

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Die Schweiz im Detail

Die Schweiz als Investitionsstandort konnte ihre Bedeutung ebenfalls steigern. Total wurden rund 523 Millionen Franken investiert, wobei aufgrund des Interesses am Absatzmarkt vor allem der Bereich Vertrieb und Marketing profitieren konnte. Unter anderem internationale Konzerne wie Adidas, BASF oder Facebook investierten in Schweizer Unternehmen, zählt Sucic auf. Die wichtigste Investorengruppe waren 2019 US-Amerikaner, gefolgt von deutschen Investoren. Die Schweizer hingegen investieren ähnlich dem Trend am meisten in Frankreich.

Ausblick auf das schwierige Jahr 2020

Für das Jahr 2020 werden aufgrund der Corona-Situation Einbussen im Investitionsbereich von 35-50 Prozent erwartet. «Dieser Umstand wird den Wettbewerb unter den Ländern um Investoren antreiben», prognostiziert Fabian Denneborg, Partner und Head Mergers & Acquisitions von EY Schweiz. Es gilt, sich zu profilieren als innovatives und digitales Land. Lieferketten sollen neugestaltet, Technologien eingeführt und neue Wege in die Kundenbearbeitung gefunden werden. Der einzige prognostizierte Gewinner durch die vorherrschende Situation könnte Osteuropa sein. Die Begründung liegt darin, dass in Ländern wie Polen der Digitalisierungsstandard bereits weit fortgeschritten ist. Doch wer effektiv als Investitionsgewinner aus der Krise hervorgehen kann, wird sich erst in einem Jahr zeigen.