Als erste Generation haben die Millennials von den Privilegien profitiert, die sich unsere Grosseltern und Eltern mühsam erkämpft haben: EU-Gründung, Währungsraum, Personenfreizügigkeit, Frieden.

Dank diesen Errungenschaften konnten die Millennials die schönen Seiten eines friedlichen Europas – den Krieg in der Ukraine gilt es als Ausnahme der Regel nicht zu vergessen – richtig ausleben und auskosten. Mit Easyjet spontan für ein Weekend nach London fliegen? Während eines Auslandssemesters in den Berliner Technoclubs abraven und nebenbei hie und da an der Humboldt-Uni auftauchen, damit auch das Studium vorangetrieben wird? Im Sommer mit dem VW-Bus nach Biarritz und San Sebastian cruisen, um an der Atlantikküste die Surfkünste zu verbessern? Alles easy und cool. Und im Portemonnaie die angesparten Euro-Scheine – statt Lire, Mark, Francs und Peseten. 

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In einem Europa der offenen Grenzen zelebrierte die Jugend nach der Jahrtausendwende das Jetsetten unbeschwert und mit grosser Lebenslust. Viel «Yolo», wenig «German Angst». Das gilt es im Grundsatz zu bewahren, sind diese Freiheiten doch eine Errungenschaft erster Güte.

Jedoch sind die Zeiten vollkommener Unbeschwertheit vorbei. Das hat uns die Generation Z deutlich in Erinnerung gerufen. Denn ihre Vertreterinnen und Vertreter sind es, die seit einigen Jahren mit ihrer Graswurzelbewegung «Fridays for Future» am weichen Nest des grenzenlosen Konsumismus anklopfen, in dem es sich die Babyboomer zusammen mit den Millennials zuvor gemütlich gemacht hatten. «Hallo, hallo? Klimakrise!», trällert die von Zukunftsängsten getriebene Jugend seither in ihre Megafone und fordert Veränderungen. 

Die Gen Z hat klargemacht: Der Klimawandel ist die grösste Herausforderung unserer Zeit. Das hat die Mehrheit der Millennials verstanden. Was es jetzt braucht, sind Transformationen auf gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, sozialer und politischer Ebene. Daran hapert es noch ein bisschen, um es gelinde auszudrücken. Jetzt gilt: «Lifere statt lafere». 

Es ist also an der Zeit, dass die Millennials entsprechend Verantwortung übernehmen – und am nächsten Grossprojekt in Europa mitarbeiten: an einem ökologisch nachhaltigen Wirtschaftssystem. Zusammen mit der Generation Z als Verbündete. 

Klar, wenn nur europäische Länder ihre Treibhausgasemissionen auf null senken, dann lässt sich der Klimawandel nicht verhindern. Dieser Umstand ist für Europa aber auch eine Chance. In der Tradition der Aufklärung, durch rationales Denken alle den Fortschritt behindernden Strukturen zu überwinden, kann unser Kontinent ein Vorreiter in dieser Sache sein. Eine ökologische Ökonomie als USP. 

Gerade Millennials, aufgewachsen im Zeitalter einer globalisierten Welt und des Internets, haben die Werkzeuge dazu, die gesamte Bevölkerung unseres Planeten abzuholen und mitzunehmen in eine nachhaltige Welt. Schliesslich haben sie viele Bekanntschaften nicht nur in London, Berlin und Biarritz, sondern auch in Los Angeles, Buenos Aires, Kapstadt, Tokio und Sydney.

Millennials im Brennpunkt

«Let Europe arise. Die nächste Generation übernimmt in herausfordernden Zeiten. Welches Europa wollen die Millennials jetzt?» lautet das diesjährige Hauptthema der Gesprächs- und Ideenplattform Europa Forum. Als Höhepunkt der Jahresaktivitäten findet am 23. und 24. November 2022 das Annual Meeting im KKL Luzern statt.

Zu den namhaften Speakerinnen und Speakern zählen alt Bundesrätin Doris Leuthard, Deutschlands früherer Aussenminister Sigmar Gabriel, Historiker und Publizist Timothy Garton Ash, Schriftstellerin Nora Bossong, Chefin Sicherheitspolitik des VBS Pälvi Pulli und Politexperte Fabrice Pothier. Sichern Sie sich jetzt Ihr Ticket.