Wie funktioniert «fairer Handel» – und nach welchen Prinzipien?

Fairer Handel soll allen Akteuren der Wertschöpfungskette ein Leben in Würde garantieren, insbesondere den Kleinproduzenten und -produzenten von Rohstoffen wie Kaffee oder Kakao in Entwicklungsländern. Darüber hinaus sollte fairer Handel auch die Lebensgrundlage der Produzentinnen und Produzenten langfristig sichern. Das bedeutet nicht nur die Bezahlung fairer Preise, sondern auch, dass Biodiversität und gemeinschaftliche Strukturen erhalten bleiben und die Anpassungsfähigkeit der Bauern und Bäuerinnen gegenüber dem Klimawandel gesteigert wird.

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Wie lassen sich Rahmenbedingungen weiter verbessern?

Für die Rahmenbedingungen sind in erster Linie die Regierungen verantwortlich – sowohl in den Produzenten- als auch in den Konsumländern. Diese müssen zuerst von der Notwendigkeit von Reformen überzeugt und danach in deren Umsetzung unterstützt werden. Damit dies gelingen kann, braucht es Fachwissen, aber auch gegenseitiges Vertrauen. Was das Engagement im Ausland angeht, sucht die Schweiz im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit deshalb den langfristigen Politikdialog mit den Regierungen in den Partnerländern und steht diesen mit international ausgewiesener Expertise zur Seite. Dabei fördert sie auch den direkten Dialog mit Akteuren und Akteurinnen der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft. Wie das Schweizer Beispiel zeigt, ermöglicht dies das Finden politisch ausgewogener, langfristiger, praxistauglicher Lösungen.

Wie kann man Protektionismus wirksam begegnen?

Es ist nachvollziehbar, dass sich Produzentinnen und Produzenten in den Heimmärkten vor ausländischer Konkurrenz fürchten, wenn diese nicht die gleichen regulatorischen Auflagen betreffend Umwelt oder Arbeitsbedingungen einhalten müssen. Macht die Schweiz gegenüber anderen Ländern Zugeständnisse im Zollbereich, so sollte sichergestellt werden, dass insbesondere Produkte in ökologisch oder sozial sensiblen Bereichen aus nachhaltigen Quellen stammen. Ein gutes Beispiel ist das Freihandelsabkommen mit Indonesien, bei dem die Zollsenkung bei Palmöl an klare Nachhaltigkeitsbedingungen geknüpft wurde.

Welche Rolle spielen die Deglobalisierung und die Veränderungen bei den Wertschöpfungsketten?

Die Covid-19-Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben uns die Verletzlichkeit globaler Wertschöpfungsketten vor Augen geführt. Gleichzeitig haben diese Krisen aber auch deutlich gemacht, dass eine diversifizierte Integration in den internationalen Handel die wirtschaftliche Resilienz der verschiedenen Wirtschaftsakteure in Krisensituationen erhöht und eine schnellere Erholung ermöglicht. Somit ist die Diversifizierung von Handelspartnern sowie die Pflege verlässlicher und langfristiger Lieferpartnerschaften noch wichtiger geworden. In gewissen Branchen hat vielleicht ein sogenanntes Nearshoring, also die Verkürzung der Transportwege in komplexen globalen Wertschöpfungsketten, stattgefunden. Trotzdem kann man meines Erachtens noch nicht von einer eigentlichen Deglobalisierung sprechen. Im Gegenteil: Für gewisse Länder in Afrika oder Lateinamerika könnten sich in diesem Kontext durchaus auch neue Chancen punkto Absatzmärkte ergeben.

Gleichzeitig gibt es den Klimawandel.

Der Klimawandel führt dazu, dass sich traditionelle Anbaugebiete von landwirtschaftlichen Produkten wie Kaffee oder Kakao aufgrund zunehmender Temperaturen, Dürren oder Niederschläge immer weniger für den Anbau dieser Produkte eignen. Entsprechend werden die Produzentinnen und Produzenten verletzlicher und müssen sich an die veränderten Umstände anpassen, um ihren Lebenserhalt zu sichern. Es geht also darum, sie in diesem Anpassungsprozess zu unterstützen und ihre Verletzlichkeit zu mindern, beispielsweise mittels Förderung regenerativer Anbaumethoden, resistenterer Sorten oder mit der Schaffung von alternativen Einkommensquellen.

Wo gelangen westliche Vorstellungen an Grenzen?

Verschiedene Exportländer haben für wichtige Produkte eigene Standards entwickelt, so beispielsweise Malaysia und Indonesien für den Palmölanbau. Es handelt sich hierbei aber um nützliche Ergänzungen, die keine Konkurrenz zu internationalen Standards darstellen. Natürlich stossen unsere Anforderungen bezüglich der Gleichstellung der Geschlechter vielerorts an Grenzen. In vielen Ländern ist es für Frauen zum Beispiel schwierig oder unmöglich, Land zu besitzen. Das sollte uns jedoch nicht entmutigen, auf mehr Geschlechtergerechtigkeit hinzuarbeiten. Gleichzeitig müssen wir uns bewusst sein, dass dies ein schwieriger und langsamer Prozess ist.

 

 

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