Mit dem Wettlauf um Medikamente und Impfstoffe gegen das Coronavirus entdecken Investoren wieder den Biotech-Sektor. Eine langfristig attraktive Rendite versprechen aber nur kommerziell nachhaltige Therapieansätze.

Zurzeit ist der Blick auf mehrere Unternehmen gerichtet. So könnte dem US-Biotech-Unternehmen Gilead Sciences bis in zwei Monaten ein Etappensieg gelingen. Dessen Wirkstoff Remdesivir wird noch im Mai klinische Wirksamkeitsdaten liefern. Fallen sie positiv aus, wird das Mittel noch im Sommer als erstes Medikament zur Behandlung von Covid-19 zugelassen. Remdesivir ist eine antivirale Therapie, die verhindert, dass sich die Viren weiter vermehren. Erste Behandlungen mit dem intravenös verabreichten Präparat zeigen, dass sich die Gesundheit schwer erkrankter Patienten umgehend verbesserte.

Impfstoffe im Blickpunkt

Einen langfristigen Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus verspricht jedoch nur die aktive Immunisierung mit Impfstoffen. Die Pharmakonzerne Johnson & Johnson, Glaxo Smith Kline und Sanofi sind hier dabei, herkömmliche rekombinante Impfstoffe zu entwickeln, die eine Immunreaktion gegen das Virus auslösen. Weil dieses klassische Verfahren langsamer und komplexer verläuft, ist eine Zulassung für solche Vakzine in frühestens zwölf Monaten zu erwarten. Einen anderen und zeitlich kürzeren Ansatz verfolgen mRNA-basierte Impfstoffe. Die Nukleinsäure mRNA ist in den Körperzellen die Schaltstelle für die Übersetzung von Genen in Eiweissstoffe. Als Impfstoff wird mRNA gesunden Menschen injiziert, um über die Produktion viraler Proteine eine körpereigene Immunantwort auszulösen.

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Am weitesten fortgeschritten mit dieser Technologie ist die US-Biotech-Firma Moderna. Erste klinische Tests an Probanden im Hinblick auf Sicherheit und Wirksamkeit starteten im März. Bei einem positiven Verlauf folgt im Sommer eine breiter angelegte Wirksamkeitsstudie. Deren Ergebnisse könnten noch im vierten Quartal dieses Jahres vorliegen und dann die Basis für eine schnelle Zulassung bilden. Risikogruppen könnten somit im Falle einer zweiten Infektionswelle im kommenden Winter zeitnah geimpft werden.

Aufnervliche Erkrankungen spezialisierte Unternehmen haben Potenzial.

Neue Technologien abseits von Covid-19

Moderna ist aufgrund seiner mRNA-Technologieplattform ein interessanter Investment Case und weniger wegen des sich in der Entwicklung befindenden Impfstoffs. Anleger sollten sich nicht zu stark auf die möglichen Therapien gegen Covid-19 konzentrieren. Deren kommerzielles Potenzial ist überschaubar, denn wegen des politischen und gesellschaftlichen Drucks werden die meisten zugelassenen Produkte aller Voraussicht nach mehr oder weniger zu Herstellungskosten verkauft werden.

Interessanter sind neue Technologien, die die Zukunft der Medikamentenentwicklung prägen werden, wozu beispielsweise RNA-basierte Therapien zählen. Die Gentherapien sind eine weitere Zukunftstechnologie, die in den letzten Jahren mit ersten marktreifen Produkten erfolgreich sind. Sangamo Therapeutics ist hier gut positioniert. Das am weitesten entwickelte Produkt, ein Präparat gegen die Bluterkrankheit Hämophilie A, hat gerade die zulassungsrelevante Studie begonnen. Ebenfalls zu beachten gilt es Crispr Therapeutics, einen Spezialisten für Genome Editing. Diese Technologie korrigiert Gendefekte auf DNS-Ebene, indem sie fehlerhafte Sequenzen herausschneidet und durch neue Fragmente mit dem korrekten genetischen Bauplan ersetzt.

Darüber hinaus weisen Unternehmen, die sich auf Nervenerkrankungen spezialisiert haben, ein beachtliches Potenzial auf. Von den bereits profitablen Unternehmen ist hier Neurocrine Biosciences zu nennen, während Intra-Cellular Therapies mit dem Ende Dezember zugelassenen Schizophrenie-Medikament Caplyta den Durchbruch geschafft hat. Bei Myokardia sind dieses Jahr zulassungsrelevante Daten bei Mavacamten, einem Wirkstoff gegen Kardiomyopathie – einer seltenen genetisch bedingten Erkrankung des Herzmuskels – zu erwarten. Vertex Pharmaceuticals wiederum ist ein Paradebeispiel für ein erfolgreiches Biotech-Unternehmen, das mit seinen mittlerweile vier zugelassenen Produkten gegen zystische Fibrose zum unangefochtenen Marktführer in einem Krankheitsfeld aufstieg.

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Günstige Bewertungen nutzen

Mit dieser Anlagestrategie, erfolgversprechende Trends bei therapeutischen Ansätzen frühzeitig aufzuspüren, können Anleger mit Biotech-Investments am ehesten eine im Branchenvergleich überdurchschnittliche Rendite einfahren. Die im historischen Vergleich bereits günstige Bewertung der Biotech-Firmen ist gerade im momentan volatilen Marktumfeld ein weiteres Kaufargument. Während die Aktienkurse von Branchenschwergewichten wie Gilead Sciences oder Regeneron Pharmaceuticals in den vergangenen Wochen bereits deutlich angezogen haben, notieren kleinere und mittelgrosse Biotechs grösstenteils deutlich unter ihren Jahreshochs.

Zugleich eröffnet die Corona-Krise für die biopharmazeutische Industrie als Ganzes jetzt die Chance, in der Öffentlichkeit wieder verstärkt als Akteur wahrgenommen zu werden, der akute medizinische Herausforderungen löst und nicht nur auf Profitmaximierung aus ist.

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Daniel Koller, Leiter Management Team BB Biotech, Küsnacht.

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