Hunderte, je nach Definition sogar Tausende von Themenfonds sind in der Schweiz zum Vertrieb zugelassen. Doch wie wählt man aus der Fülle von Themenfonds die passenden aus? Welche Themen versprechen tatsächlich eine nachhaltige Überrendite gegenüber einem breit aufgestellten Index wie beispielsweise dem S&P 500, dem SPI oder dem Euro Stoxx?

Fragt man Banken und Fondsanbieter nach einem strukturierten Selektionsprozess, fallen die Antworten meist schwammig aus: Wichtig sei es, «innovative, relevante und belastbare Schlüsseltrends zu identifizieren», meint beispielsweise Amundi. DWS setzt auf «Disruption» und «neue Opportunitäten». Ein Thema wählen, das «die Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend verändert», meint das VZ Vermögenszentrum. Wie das genau geschehen soll, bleibt unbestimmt. Also schlicht seinen «persönlichen Interessen» folgen, wie CS, Migros Bank, Raiffeisen und UBS unisono empfehlen? Für einen Mediziner oder eine Informatikerin mag das zielführend sein. Aber für einen Musiker oder eine Polizistin? Globalance mag die Frage schon gar nicht beantworten.

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Finanzprodukte 2020

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Etwas Pfeffer und Salz im Portfolio

Immerhin, ein paar konkrete Empfehlungen scheinen für die meisten Banken und Fondsanbieter Gültigkeit zu haben: Themenfonds eignen sich vor allem als Beimischung zu einem gut diversifizierten Depot. Als «Satelliten» zur Kernstrategie sollen sie für etwas Pfeffer und Salz im Portfolio sorgen.

Konsens besteht auch darin, dass das Thema nicht zu eng gewählt werden sollte. Denn sonst beschränkt sich die Titelauswahl im Fonds auf wenige Unternehmen. Allzu breit sollte das Thema allerdings auch nicht sein. Denn sonst lässt sich praktisch jedes Unternehmen darunter subsumieren, weil es am Rande auch noch davon betroffen ist. Das Problem dabei: Grossthemen bringen bestenfalls eine bescheidene Überrendite, Nischenthemen sind so gesehen attraktiver, aber auch risikoreicher. Letztlich bleibt es also «eine Frage der persönlichen Risikofähigkeit und -neigung», wie es Urs Aeberli von der Migros Bank ausrückt.

1. Megatrend: Klimawandel und Nachhaltigkeit

Zur Frage, welches denn die aktuellen Megatrends seien, herrscht breite Einigkeit: Ganz zuoberst auf der Favoritenliste stehen nicht ganz überraschend die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel. Kein Anbieter, der nicht eine breite Palette von ESG-(Ecology-, Social-, Governance-) Produkten dazu hätte. Ob Nachhaltigkeit aber tatsächlich noch ein «Thema» ist, scheint zumindest fragwürdig. Denn viele Privatanleger und zunehmend auch professionelle Investoren gehen inzwischen davon aus, dass Nachhaltigkeit ein selbstverständlicher Bestandteil jeder Anlage ist. Alessandro Petri, bei der ZKB für die Fondsselektion verantwortlich, empfiehlt deshalb, einfach ein weltweit diversifiziertes Portfolio aufzubauen. Dies aber «mit Instrumenten, die Wert auf ESG-Kriterien legen». Viele Anbieter verpacken das Thema denn auch in anderer Form.

Die Credit Suisse beispielsweise subsumiert den Klimawandel in ihrer «Supertrends»-Studie von 2019 unter «Millennials», weil sich die unter Dreissigjährigen besonders stark dafür interessieren. Andere setzen eher auf die Stichworte «Wasser» oder «alternative Energien». Tatsächlich haben viele Wasser-Fonds in den letzten Jahren überdurchschnittlich gut rentiert. Viele Fonds rund um Solar- oder Windenergie mussten aber stark Federn lassen, weil plötzlich Subventionen versiegten, chinesische Billiganbieter am Markt auftauchten oder politischer Widerstand zu Verzögerungen führte.

2. Megatrend: Disruptive Technologien

«Game Changer», also «einfachere, intelligentere, praktischere und häufig auch kostengünstigere Lösungen» sind laut Vafa Ahmadi, Leiter Themenfonds bei CPR-Amundi, gefragt. Dazu zählt alles rund um digitale Technologie. Der Dauerbrenner der nuller Jahre hat also immer noch den Status eines Megatrends. Aber auch hier gilt es zu differenzieren: Hoch im Kurs sind Informationstechnologie, künstliche Intelligenz und Anwendungen des neuen Mobilfunkstandards 5G. Cloud, Big Data, soziale Netze und Blockchain heissen dazu beispielsweise bei der UBS und bei Fidelity die Stichworte. «Robotics dürfte dagegen schon gelaufen sein», sagt Dalibor Kolcava, Leiter Fund Research beim VZ Vermögenszentrum.

Als disruptiv gelten bei der UBS beispielsweise auch die neuen Zell- und Gentherapien, die mit individualisierten Medikamenten und Eingriffen die Medizin revolutionieren sollen. Dazu «Smart Mobility», vom Plug-in-Hybrid bis zum reinen Elektrofahrzeug. Sie profitieren nicht nur vom veränderten Umweltbewusstsein, sondern auch von staatlicher Förderung durch CO2-Beschränkungen und Anschubfinanzierungen.

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3. Megatrend: Silver Economy

Wahlweise als «Golden» oder «Silver Ager» verbrämt oder rein technokratisch als «demografischer Wandel» – letztlich geht es immer um dasselbe: Die Gesellschaft wird zunehmend älter, und dies nicht nur in den westlichen Industriestaaten, sondern weltweit. Das hat Auswirkungen auf das Gesundheitswesen, die Versicherungs- und die Finanzbranche, das Konsumverhalten und die Wohnsituation. Daraus lassen sich trefflich Themenfonds konstruieren.

Die wichtigsten Trends und Subtrends

Die wichtigsten Trends und Subtrends: Überblick über die Themenanlagen und Gruppierung

Quelle: Hinder Asset Management

4. Megatrend: Bildung

Bevölkerungswachstum und eine zunehmend erstarkende Mittelschicht in den Schwellenländern sind Treiber für ein steigendes Bedürfnis nach Bildung. «Tiefgreifende Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt aufgrund technologischer Innovationen und die zunehmende Privatisierung des Ausbildungssektors machen das Thema Bildung zu einer attraktiven Anlagemöglichkeit», meint etwa Themenfondsexperte Ahmadi. «Im Bildungsmarkt ist die Technologie auf dem Vormarsch», sagt Angus Muirhead, Leiter des Themen-Teams beim Credit-Suisse-Asset-Management. Das eröffne Opportunitäten für Fondsanleger.

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5. Megatrend: Infrastruktur

Einigkeit herrscht auch darüber, dass die Infrastruktur weltweit verstärkt aufund ausgebaut werden muss. Das gilt für Stromnetze ebenso wie für Strassenbauten, Staudämme, Flughäfen oder Eisenbahnen. Treiber sind nicht zuletzt die chinesischen Ambitionen mit der Seidenstrasse. Zur Infrastruktur gehören aber auch Wohnbauten, namentlich für Menschen mit niedrigem Einkommen in Schwellenländern, und erschwinglicher Wohnraum in Industrieländern.

Darüber hinaus hat jedes Fondshaus seine eigenen Favoriten. Die Credit Suisse beispielsweise sieht im Sicherheitsbedürfnis der Menschen in einer zunehmend polarisierten Welt einen «Supertrend». Davon profitieren laut Credit Suisse Sicherheitsfirmen etwa im Bereich Cybersicherheit. Dazu gehören aber auch viele Unternehmen in Schwellenländern – vom Online-Anbieter bis zum Hotelbetrieb–, die zunehmend durch protektionistische Massnahmen geschützt werden. Globalance nimmt das Thema Konsum/Ernährung auf, etwa den Trend zu veganen Produkten wie Fleischersatz. Die UBS glaubt im Thema Frauen/Gender einen Megatrend ausgemacht zu haben. BNY Mellon setzt auf Gentherapie, das Internet der Dinge und Raumfahrt. Das Investment-Management-Unternehmen Van Eck setzt auf E-Sports. Hinder Asset Management hat die wichtigsten Trends und Subtrends übersichtlich zusammengestellt.

Wenig sinnvolle Fondsthemen

Doch von welchen Themen sollte der Anleger eher die Finger lassen? Bei fossilen Energieträgern (Kohle, Öl) winkt die UBS ab. Ebenso beim klassischen Einzelhandel, der zunehmend vom Online-Handel unter Druck gesetzt wird. BNY Mellon steht der chinesischen «One Belt, One Road» (neue Seidenstrasse) kritisch gegenüber. Raiffeisen und ZKB mahnen zur Vorsicht vor «schöner Verpackung». Denn letztlich komme es «auf den wirklichen Inhalt» an. Vor allem warnen alle Fondsanbieter aber vor Modeerscheinungen, vor kurzfristigen Hypes, die rasch wieder verschwinden.

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CS-Fondsexperte Muirhead zählt dazu auch die künstliche Intelligenz, die mittlerweile zum «abgenutzten Modewort» geworden sei. Die Migros Bank sieht eine Überhitzung bei den Social Media. Ganz konkret wird Dalibor Kolcova vom VZ: «Themen wie Batterien sind zu eng gefasst und Einzelthemen wie 5G, E-Sports oder Cannabis sind nicht selten einfach unsinnig.» Das Strohfeuer um das teillegalisierte Cannabis sieht auch Jürg Rimle, Schweiz-Chef von Fidelity International, als Inbegriff eines nicht nachhaltigen Hypes: «Mittlerweile sind viele Anbieter bereits wieder vom Markt verschwunden», konstatiert er.