Die Klimakrise verschärft die globale Nahrungsmittelkrise. «Wir müssen schnell einen besseren Weg finden, um die wachsende Weltbevölkerung gerecht, erschwinglich und nachhaltig zu ernähren und gleichzeitig Natur und Klima zu schützen», sagt Nadine Stueber, Sustainability-Manager bei Nestlé Schweiz. Im Rahmen der «Net Zero Roadmap» von Nestlé gibt es als Kernelemente die «Forest Positive Strategy» und die regenerative Landwirtschaft.

Partner-Inhalte
 
 
 
 
 
 

 

Nicht auf Kosten des Waldes

Nestlé verpflichtet sich seit 2010, die Abholzung in den Lieferketten zu stoppen. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen laut Stueber den «No-deforestation»-Ansatz zu einer «Forest Positive»-Strategie weiterentwickelt, die auch zur Restauration von geschädigten Wäldern und Landschaften und zum Schutz natürlicher Lebensräume und Landschaften beiträgt. «Bisher sind 99 Prozent des Gesamtvolumens unserer fünf globalen Schlüsselrohstoffe Fleisch, Palmöl, Zellstoff und Papier, Soja sowie Zucker als entwaldungsfrei eingestuft worden», sagt Stueber. Bis 2030 sollen die Hälfte der wichtigsten Zutaten aus regenerativen Landwirtschaftspraktiken stammen.

Beispiele für Projekte gibt es seit drei Jahren in Afrika, im geschützten Cavally-Wald, der an die Kakaoanbaugebiete im Westen der Elfenbeinküste angrenzt. «In enger Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinschaften hat das Cavally-Projekt in seiner ersten Phase zu einer erheblichen Reduzierung der Abholzung, der natürlichen Regeneration von 7000 Hektar sowie zur Wiederaufforstung von fast 1500 Hektar geführt», so Stueber.

«Ohne Änderungen des Ernährungssystems würden bis 2050 weltweit zusätzliche Agrarflächen von der Grösse Südamerikas benötigt, um die weiter wachsende Weltbevölkerung zu ernähren», umreisst Regina Ammann, Leiterin Business Sustainability & Public Affairs Schweiz bei Syngenta, die Herausforderung für die Nahrungsproduktion. «Grow more from less» heisst laut Ammann die Lösung. Innovation sei von zentraler Bedeutung, um die nachhaltige Landwirtschaft voranzubringen. Dazu gehörten spezifisch wirkende Schädlingsbekämpfung mit geringer Anwendungsintensität oder Biologicals – das sind auf natürlichen Mechanismen und Substanzen beruhende Pflanzenschutz- und Stärkungsprodukte.

«Ein solches Biostimulans fixiert den Stickstoff aus der Luft und stellt ihn der Pflanze über Blatt und Wurzel zur Verfügung», sagt Ammann. «Digitale Lösungen ermöglichen den Landwirten zudem, Entscheidungen zu treffen, die den Einsatz von Betriebsmitteln optimieren.» Partnerschaften für Innovationen würden ebenfalls immer wichtiger, etwa mit der Lebensmittelwertschöpfungskette oder mit NGOs. «Ein Beispiel für diesen Ansatz ist unsere Zusammenarbeit mit The Nature Conservancy (TNC), einer wissenschaftsbasierten, globalen Naturschutzorganisation, mit der wir an Geschäftspraktiken zur Verbesserung der Nachhaltigkeit arbeiten», sagt Ammann.

Paradox: Produkte, die auf Kosten der Natur gehen, sind billiger als grüne Produkte. 

Alle Beteiligten, vom Bauern über die Managerin und den Gastronomen bis hin zur Konsumentin könnten laut Edith Nüssli, Co-Präsidentin des Ernährungsforums (EF) Bern, einen Beitrag leisten für ein zukunftsfähiges Ernährungssystem. «Der grössere Hebel liegt aus meiner Sicht nicht bei den Massnahmen, sondern eine Ebene tiefer, bei den Werten», sagt Nüssli. «Wenn unser Handeln von Wertschätzung und Fairness geprägt ist, ergibt sich vieles von selbst.»  Auf dieser Basis werde keinem einzelnen Glied der Wertschöpfungskette die Aufgabe aufgebürdet, sondern alle Beteiligten nutzten in ihrem Verantwortungsbereich die Möglichkeiten.

«Als Agrarökonomin überzeugt mich das Prinzip von Lenkungsabgaben, die pro Kopf rückverteilt werden. Heute ist die Situation paradox: Produkte, die auf Kosten von Natur und Tierwohl produziert werden, sind billiger als Lebensmittel, die mit Respekt vor Natur und Tieren produziert wurden.» Das Prinzip, dass negative Umweltfolgen von den Verursachenden bezahlt werden und für alle Wirtschaftsbereiche gelten. Belohnt zu werden für zukunftsfähiges Handeln, sei attraktiver, als harten Regulierungen unterworfen zu sein.