Für 4,3 Millionen Franken bekommt man heute am rechten Zürichseeufer eine mittelgrosse Eigentumswohnung mit Seeblick. An den besten Lagen des Genfersees eine mittelgrosse Eigentumswohnung ohne Seeblick. In Monte Carlo eine kleine Eigentumswohnung in einem Hochhaus, bei dem die Nachbarn über ihren Meeresblick berichten können. Oder man bekam im Dezember 2021 ein Stück Land im Sandbox-Metaverse. Mit viel Blick auf die virtuelle Welt, die entsprechende Ausrüstung vorausgesetzt.

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Diese Transaktion steht heute noch an der Spitze der teuersten virtuellen Immobilienhandwechsel. Eine Handvoll weiterer Transaktionen erreichte ähnliche Dimensionen. Teilweise waren die Preise von regelrechten Bieterwettbewerben nach oben getrieben worden. So beispielsweise der Abschnitt «Genesis Plot» im Axie-Infinity-Universum. Den wollten sich einige E-Gamer kaufen. Kaufanreiz war hier die Aussicht, von einem solchen Grundstück aus einen grösseren Betrag wieder hereinzuspielen. Denn im Axie-Infinity-Universum lässt sich mit einer Art Pokémon-Spiel (auch) Geld in Form von AXS-Token verdienen.

Auktionen und Transaktionen

Auch im Metaverse spielt die Lage einer virtuellen Immobilie eine überaus wichtige Rolle: Die Landparzelle Nummer 4247 im Decentraland beispielsweise, die sich im Juni 2021 ein anonymer Käufer für 1,3 Millionen Mana-Dollar, eine Art Lokalwährung (umgerechnet waren das zum Kaufzeitpunkt 914'000 Dollar), geschnappt hat, gilt als perfekt gelegen. Sie liegt gleich an der Grenze zu Dragon City, einer virtuellen Stadt «mit einem Überfluss an chinesischen Kulturschätzen» inklusive virtueller Gebäude, die chinesischen Bauten nachempfunden sind.

Warum das Metaverse noch lange Fiktion bleibt
Illustration Metaverse (Bilanz 03/22)
Quelle: Mario Wagner / 2Agenten für BILANZ

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Darüber hinaus ist es von Parzelle 4247 lediglich ein virtueller Katzensprung zu Gamer Plaza, Nifty Passage und Crypto Valley und weiteren bekannten Metaverse-Adressen. Für den «Schnäppchenpreis» von umgerechnet 2,4 Millionen Dollar schnappte sich ein anderer Käufer gleich 116 Grundstücke mit einer virtuellen Fläche von 6090 Quadratfuss – das entspricht umgerechnet 570 Quadratmetern.

Neben Decentraland und Axie Infinity gibt es mit Sandbox eine weitere virtuelle Welt. Wer eine Immobilie in einem Universum hat, besitzt sie nur dort – und nicht gleichzeitig im anderen Universum. Abgesichert werden die «Eigentumsrechte» über Non-Fungible Token (NFT). Diese arbeiten auf der Grundlage der Blockchain-Technologie und haben sich als eine Art universelles Tool und Äquivalent zum Grundbucheintrag für die Sicherung von digitalem Eigentum in virtuellen Welten durchgesetzt.

Kombination reale und virtuelle Welt

Der generelle Preisrutsch bei NFT ist in der ersten Jahreshälfte laut den Analysten und Analystinnen der Citigroup auch auf den Markt virtueller Immobilien geschwappt. Für die ersten Immobilienhändler wie einen gewissen Sam Huber von der Firma Admix, die sich auf virtuelle Objekte spezialisiert hat, ist das kein Problem: Jetzt sei ein idealer Zeitpunkt, um sich günstig ein Grundstück im Metaverse zu sichern – am besten in kommerziell aussichtsreicher Lage und kapitalkräftiger Nachbarschaft.

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Ein gemeinsames Problem haben laut den Analysten und Analystinnen von FT Partners, einer auf Tech-Startups spezialisierten Investmentbankboutique, indes sämtliche virtuellen Immobilien: So richtig bewohnt werden können sie nicht – und die Catering-Probleme sind völlig ungelöst, weil sich physische Speisen und Getränke zwar virtuell darstellen, aber nicht virtuell geniessen lassen. In die Lücke zwischen realer und virtueller Welt springen jetzt Unternehmen wie Square Yards aus Dubai.

Hier setzt man auf Decentraland-Immobilien, die eine Entsprechung in der realen Welt haben. Immobilieninteressierte sollen die Möglichkeit bekommen, in der virtuellen Welt Objekte besichtigen und kaufen zu können, bevor sie gebaut werden. Bei solchen Projekten nutzen die beteiligten Unternehmen das volle Programm an zeitgemässen Technologien, inklusive Augmented Reality, also die Überlagerung von Elementen aus den realen und den virtuellen Welten.

Dieses Vorgehen, so argumentieren die Immobilienmaklerinnen und -makler von Square Yards in Hinblick auf den kommenden Winter, hat einen entscheidenden Vorteil: Bei einem Blackout bleibt man in seiner realen Immobilie sicher. Die virtuelle ist dann mal weg.

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