Puristen argumentieren gerne, dass Impact, das heisst das Erzielen einer sozialen und ökologischen Wirkung, am besten mit Investments in Private Markets umgesetzt wird. Und doch gibt es drei zentrale Gründe, warum es ohne Investitionen in öffentliche Aktienmärkte nicht geht.

Erstens braucht es börsenkotierte Unternehmen, damit Netto-null- und andere Nachhaltigkeitsziele in Reichweite bleiben. Derzeit besteht gemäss der Londonder PRI-Association (Principles for Responsible Investment) eine Finanzierungslücke von etwa 3,7 Billionen Dollar, um die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen bis 2030 zu erreichen. Die Schliessung dieser Lücke ist nicht allein durch staatliche Massnahmen und Philanthropie möglich.

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Der Autor

Hari Balkrishna, Portfoliomanager Global Impact Equity Strategie, T. Rowe Price, London.

Der Fünfer und das Weggli

Der zweite, deutlich stärkere Grund ist, dass wirkungsorientierte Aktivitäten wachsen, bei denen es eine klare Verbindung zwischen finanziellen Erträgen und positiven Auswirkungen auf die reale Welt gibt. Die Möglichkeiten auf globaler Ebene sind immens. Aus Anlegersicht bietet dies ein enormes Potenzial. Während jede Beurteilung eines Unternehmens mit einer Wirkungsanalyse und einer klaren Wirkungsthese beginnt, muss jede Aktie, die für eine Anlage in Betracht gezogen wird, das Potenzial für sinnvolle finanzielle Erträge haben. In einfachen Worten ausgedrückt, heisst dies, wie und in welchem Umfang zum Beispiel die Gesundheitsunternehmen die Behandlung der Patientinnen und Patienten verbessern (Wirkungsthese) und gleichzeitig abschätzen, was dies für das Wachstums- und Cashflow-Profil der einzelnen Unternehmen bedeutet (Finanzthese).

Drittens haben Assetmanager aufgrund der Grösse ihrer Beteiligungen in der Regel einen guten Zugang zum Management eines Unternehmens. So können sie den Wandel proaktiv vorantreiben.

Entscheidende Kriterien

Als Ausgangspunkt versuchen wir, unsere Investitionen an den UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung auszurichten. Es gilt zu verstehen, wo Unternehmensaktivitäten das Potenzial für positive Auswirkungen haben, zum Beispiel wie viel der Einnahmen eines Unternehmens aus der Steigerung der Energieeffizienz stammen oder inwieweit ein Unternehmen die finanzielle Integration fördern kann. Derzeit investieren wir in Trane Technologies, das die Energieeffizienz steigert, indem es Produktionsstätten besichtigt und nach Möglichkeiten sucht, alte Anlagen gegen energieeffizientere Geräte auszutauschen.

Während zur Bewertung der Auswirkungen häufig Messungen durch Dritte herangezogen werden, hat dieses Unternehmen auch seine Zielsetzung und Berichterstattung weiterentwickelt. Es kann die Auswirkungen messen, indem es ein zukunftsorientiertes Ziel für die metrischen Tonnen CO2, die es für seine Kundinnen und Kunden einsparen möchte, festgelegt hat. Dies ist ein praktisches Beispiel für ein Unternehmen, das Veränderungen herbeiführt, die sich auch finanziell auszahlen können.

 

Aber: Keine Wirkung um jeden Preis

Was die soziale Gerechtigkeit betrifft, so sind wir in eine Reihe von Banken investiert, was unseres Erachtens die finanzielle Eingliederung erweitern könnte. In Brasilien beispielsweise geht es um eine digitale Bank, die effektiv in das brasilianische Finanzsystem integriert wurde. Sie hatte vor ein paar Jahren nur etwa 2 Millionen, jetzt aber fast 70 Millionen Kundinnen und Kunden. Das kann enorme Auswirkungen auf die einzelnen und die Gesellschaft haben, sei es durch die Finanzierung des Kaufs eines Motorrads, das die Mobilität fördert, durch Investitionen in eine Geschäftsidee, die Arbeitsplätze schafft, oder durch den Kauf eines Eigenheims, in dem man leben kann. Diese Unternehmen haben das Potenzial, das Leben der Menschen zu verändern, indem sie die finanzielle Eingliederung fördern. Dabei geht es jedoch nicht um Wirkung um jeden Preis. Das Unternehmen muss auch unter dem Gesichtspunkt der finanziellen Rendite attraktiv sein.

Rückenwind von grüner Politik

Wenn sich diese Impact-These wie erwartet entwickelt, wird die Aktie besser performen als der Gesamtmarkt. Langfristig ist davon auszugehen, dass man von den makroökonomischen Branchentrends profitieren wird, wie beispielsweise von den zunehmenden staatlichen Anreizen und den Investitionsausgaben der Unternehmen.

In den Vereinigten Staaten zeigt sich, dass Unternehmen direkt vom Inflation Reduction Act profitieren, während sich in Europa der EU Green Deal für bestimmte Branchen als Segen erwiesen hat. Regulatorische Änderungen und der Wunsch der Politikerinnen und Politiker, grüne Ziele zu erreichen, wird bestimmten Bereichen des Marktes in Zukunft Rückenwind geben.

Besonders interessant sind idiosynkratische Aktien, die unabhängig vom makroökonomischen Umfeld ein zweistelliges Gewinnwachstum zu einem vernünftigen Preis bieten können.

Letztlich gilt es in Unternehmen zu investieren, die positive Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft schaffen und auf der richtigen Seite des Wandels stehen, wenn es um die Wachstumsaussichten in den nächsten zehn Jahren geht. Wenn ein Assetmanager diese Aktien gut auswählt, kann sie oder er mit der Zeit das duale Mandat von Wirkung und finanzieller Leistung erfüllen.